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Badewetter:Alles wie gehabt

Am Kronthaler Weiher ist im Corona-Sommer kein Unterschied zum Vorjahr zu bemerken. Am Wochenende ist der Badestrand bestens besucht, und am Parkplatz geht zeitweise gar nichts mehr

Von Regina Bluhme, Erding

"Panik gekriegt und wieder abgezogen", so beschreibt eine Erdingerin ihren Abstecher zum Kronthaler Weiher vergangene Woche. Die vielen Badegäste hätten ihr Angst gemacht, von Corona-Abstandsregeln sei keine Rede gewesen und dann noch der volle Parkplatz. Davon ließen sich am vergangenen Sommer-Wochenende aber die vielen Badegäste nicht abschrecken. Am Kronthaler Weiher jedenfalls herrschte Samstag und Sonntag absolute Normalität: Auf den Wiesen tummelten sich die Besucher und auf dem Parkplatz ging es zeitweise chaotisch zu.

Endlich wieder raus: Es herrscht hochsommerlicher Betrieb auf den Liegeflächen am Kronthaler Weiher.

(Foto: Stephan Görlich)

Bis in die Nebenstraßen hinein war am Sonntag alles rund um den Kronthaler Weiher zugeparkt, wie ein Besucher erzählt. Einige mussten zehn Minuten bis zur Badestelle laufen. Dann ragte am Parkplatz ausgerechnet ein abgestelltes Fahrschulauto so weit in die Fahrbahn hinein, dass es zehn Minuten lang weder vor noch zurück ging.

2017 wurde das Gelände in ein attraktives Naherholungsgebiet umfunktioniert. Hier können die Besucher nicht nur baden und am Sandstrand sonnen, sondern auch Beachvolleyball Spielen, Trampolinhüpfen und Minigolfen. Die Stadt errichtet zusätzliche Stellplätze, die Baustelle sei fast fertig, "wir kennen die Problematik", sagt Christian Wanninger, Pressesprecher der Stadt.

Die Parkplatzsituation am See ist das größte Problem.

(Foto: Stephan Görlich)

Im Gegensatz zu nicht öffentlich zugänglichen Freibädern, die Eintritt verlangen, liegen für die öffentlichen Badeseen keine separaten Hygienekonzepte vor, teilt das Landratsamt Erding mit. Es gelten somit die Beschränkungen der Bayerischen Infektionsschutzverordnung für den öffentlichen Raum, nach denen sich maximal zehn Personen treffen und dann auch zusammen sitzen dürfen. Zwischen den einzelnen Gruppen muss ein Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden. Das Gesundheitsamt stehe aber, gerade in Bezug auf den Kronthaler Weiher, in engem Kontakt zum Ordnungsamt der Stadt Erding "im Hinblick auf etwaige Kontrollen", so das Landratsamt.

Die vielen Badegäste am Kronthaler Weiher halten sich nach Angaben der Polizei so gut es eben geht an die Corona-Abstandsregeln.

(Foto: Stephan Görlich)

Das Ordnungsamt der Stadt Erding sehe "im Rahmen seiner Kapazitäten" immer wieder nach dem Rechten, sagt Christian Wanninger. Das Abstandhalten sei "aufgrund der Größe des Geländes und der Dimension der Besucher" schwierig, "da brauchen wir uns nichts vormachen". Das größere Problem seien die Feiern am Abend, wenn Alkohol im Spiel sei. "Das war zu normalen Zeiten schon schwierig und durch Corona ist es das erst recht."

"Wir haben den Weiher im Blick", sagt Josef Schmid, Leiter der Polizeiinspektion Erding. Sofern möglich, schaue zu den Stoßzeiten mehrmals eine Streife vorbei. Circa 90 Mal haben die Beamten an diesem Wochenende an parkende Autos Knöllchen verteilt. Dabei stehe die Polizei vor einem Problem: Der neue Bußgeldkatalog, der seit Ende April in Kraft ist und unter anderem schärfere Strafen vorsieht, ist wegen eines Formfehlers vermutlich rechtswidrig. Die Lage sei nun etwas unklar, sagt Schmid. Summa summarum müssten die Falschparker vom Wochenende um die 100 Euro berappen.

Bei den Abstandsregeln schaue die Erdinger Polizei "mit Augenmaß", so Schmid. Schließlich sie es durchaus verständlich, dass die Menschen endlich ins Freie und ans Wasser wollen. Nicht jeder Verstoß gegen die Abstandsregel werde gleich ermahnt. Aber die Situation sei eben nach wie vor ernst, "das dürfen wir auch nicht vergessen". Grundsätzlich hielten sich aber die allermeisten Badegäste an die Regeln.

Der Ansturm trifft auch die kleineren Weiher im Landkreis. "Es geht brutal zu", sagt zum Beispiel Florian Siegl, Vorsitzender der BRK-Wasserwacht-Ortsgruppe Wörth zur Situation am Wörther Weiher. Schon die letzten Jahre sei der Wörther Weiher immer beliebter geworden, "und es wird immer mehr". Dieses Jahr könne er fast vergleichen mit dem Ansturm auf die bayerischen Gebirgsseen.

Dazu komme, dass aufgrund der Corona-Pandemie die Wachstation am Wörther Weiher mit weniger Personal auskommen müsse. "Unserer Senioren sind nicht da." Der Wochenenddienst von 12 bis 18 Uhr könne aufrecht erhalten werden, "aber es ist eine Gratwanderung". Überhaupt habe er auch festgestellt, dass sich die Partyszene an die Seen und Weiher verlagere. Dabei liege der Weiher in einem Landschaftsschutzgebiet, "wir beobachten das mit Sorge."

Nicht aufgetaucht ist bislang die sagenumwobene Schildkröte vom Wörther Weiher. Das Gerücht halte sich seit Jahren, sagt Florian Siegl. Er sei diese Saison jedes Wochenende vor Ort gewesen "und ich bin ihr noch kein einziges Mal begegnet". Vielleicht ist dem Tier draußen aber auch einfach viel zu viel los.

© SZ vom 07.07.2020

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