LaientheaterFalscher Misthaufen vor echter Kulisse

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Nach drei Jahren Stadt endlich wieder daheim (von rechts): Vater Zacharias Kohlhiesl (Gerhard Zech) begrüßt Tochter Liesl (Tanja Rieß). Ihre Schwester Susi (Selina Fruhmann), die den Gasthof schmeißen muss, freut sich weniger.
Nach drei Jahren Stadt endlich wieder daheim (von rechts): Vater Zacharias Kohlhiesl (Gerhard Zech) begrüßt Tochter Liesl (Tanja Rieß). Ihre Schwester Susi (Selina Fruhmann), die den Gasthof schmeißen muss, freut sich weniger. Renate Schmidt
  • Die Volksspielgruppe Altenerding führt das Stück „Kohlhiesels Töchter" im Bauernhausmuseum auf, bei dem zwei unterschiedliche Schwestern ihr Glück finden müssen.
  • Das ursprünglich als Stummfilm-Drehbuch von 1920 geschriebene Stück vermittelt die zeitlose Botschaft, dass Charakter wichtiger ist als Aussehen.
  • Die Premiere findet am Donnerstag, 18. Juni um 20 Uhr statt, weitere Aufführungen laufen bis 13. Juli jeweils donnerstags, freitags und samstags.
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Die Volksspielgruppe Altenerding zeigt „Kohlhiesels Töchter“ im Bauernhausmuseum. Das volkstümliche Stück, das ursprünglich als Drehbuch für einen Stummfilm geschrieben wurde, hat eine durchaus moderne Message.

Von Regina Bluhme, Erding

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Unterschiedlicher können zwei Schwestern kaum sein: Die Liesl im schicken Kleid und immer strahlend, die Susi im verdreckten Dirndl und stets schlecht gelaunt. Wie „Kohlhiesels Töchter“ nach allerhand Verwicklungen dann doch ihr Glück finden, zeigt die Volksspielgruppe Altenerding in einer Freilichtaufführung im Bauernhausmuseum. Im Mittelpunkt der Inszenierung steht dabei die zeitlose, wie beruhigende Botschaft: Es kommt nicht aufs Aussehen an, sondern auf den Charakter!

Das Stück „Kohlhiesels Töchter“ stammt ursprünglich von Hanns Kräly, der das Originaldrehbuch für die Stummfilm-Adaption im Jahr 1920 schrieb. Die Geschichte spielt in den 50er- und 60er-Jahren und dreht sich um den Gasthofbesitzer Zacharias Kohlhiesel und seine beiden Töchter. Das Problem: Liesl darf erst heiraten, wenn Susi auch unter der Haube ist, so lautet der letzte Wille der Mutter. Die Handlung dreht sich darum, wie die Familie versucht, Susi unter die Haube zu bringen.

Nach einigen turbulenten Verwicklungen findet am Ende jede der Töchter ihren passenden Partner und es kommt zu einer Doppelhochzeit. Also Heirat als Lebensziel? Nun ja, sagt „Liesl“ Tanja Rieß. Das Leben habe doch sehr viel mehr Facetten. „Und die Susi macht’s eigentlich richtig: Sie lässt sich nicht unterbuttern, weder vom Vater noch von den anderen Männern.“

„Susi“ alias Selina Fruhmann übt seit Wochen einen grantigen Gesichtsausdruck. „Ich habe schon Angst, der bleibt mir“, sagt sie bei der ersten Hauptprobe am Montag und lacht. Von einem Partner geliebt zu werden, das habe nichts mit Äußerem zu tun. Denn vom Aussehen her verändere sich Susi gar nicht so sehr, „aber sie lässt am Schluss auch positive Emotionen zu, sie ist freundlicher und man kann sich gut mit ihr unterhalten“, so Fruhmann. Auf den Tisch haue sie trotzdem weiterhin, wenn ihr was nicht passt.

„Schleich di!“ Susi (Selina Fruhmann) wirft ihren Knecht vom Hof.
„Schleich di!“ Susi (Selina Fruhmann) wirft ihren Knecht vom Hof. Renate Schmidt

Etwa 50 Schauspieler und Schauspielerinnen sind dieses Mal dabei, dazu kommen noch etwa 50 Mitwirkende hinter der Bühne, erzählt Gesamtleiter Erich Peinelt. Eine große Rolle spielt die Kulisse. Das historische Wohnstallhaus Rindbach, einst 1790 erbaut in St. Wolfgang, dient als „Pension Sonnenhang“: grüne Fensterläden, ein Bauerngarten, eine Wäscheleine mit langer Unterhose, ein Plumpsklo. Der Misthaufen allerdings besteht laut Peinelt nur aus Stroh und Dreck, „also geruchstechnisch angenehm“.

Regie führen Manuela Schieder und Reinhold Neugebauer. Seit April wird geprobt, seit zwei Wochen täglich. „Ein gewisser Anspruch gehört dazu“, sagt Neugebauer. „Kohlhiesls Töchter“ erzähle einfach eine schöne Geschichte, fügt Manuela Schieder hinzu. „Wir wollten mal wieder was Lustiges, Frisches, Volksnahes spielen.“ Was das Frauenbild betrifft –  hier die umworbene Schöne, da die Unbeliebte, die nichts aus sich macht – sagt Schieder: „Es geht nicht um den Gegensatz von schön und greislig, sondern um lieblich und grantig.“

Die Kulisse spielt eine große Rolle: Gespielt wird vor dem historischen Wohnstallhaus Rindbach.
Die Kulisse spielt eine große Rolle: Gespielt wird vor dem historischen Wohnstallhaus Rindbach. Renate Schmidt

Im Stück werde nämlich auch erzählt, warum die Susi anfangs so mürrisch ist: „Sie musste den Hof übernehmen, während die Liesl in der Stadt eine Ausbildung machen durfte. Vielleicht spielt da auch ein bisserl Verbitterung mit, vielleicht fühlt sie sich ungerecht behandelt.“ Wie sich später zeige, sei die Susi auch nicht vom Charakter her böse.

Wenn jemand nicht so gut wegkommt, dann sind es die Männer des Dorfes, die sich allesamt für den perfekten Ehemann der feschen Liesl halten. „Wenn du der beste Fang bist, dann bleib’ ich lieber ledig“, sagt eine Magd. Da ist sie sich mit den anderen einig.

Premiere von „Kohlhiesls Töchter“, Donnerstag, 18. Juni, um 20 Uhr, Bauernhausmuseum Erding, Taufkirchener Straße 28. Weitere Aufführungen jeweils Donnerstag, Freitag und Samstag von 18. Juni bis 13. Juli. Beginn jeweils 20 Uhr, Einlass ab 18 Uhr (der Biergarten im Museum ist ab 18 Uhr geöffnet). Ersatztermine bei Ausfall immer Sonntag und Montag (weitere Informationen unter https://volksspielgruppe.de).  Ticketverkauf über die Stadthalle Erding vor Ort oder im Webshop unter https://tickets.stadthalle-erding.de/webshop/webticket/eventlist.

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