Unterschiedlicher können zwei Schwestern kaum sein: Die Liesl im schicken Kleid und immer strahlend, die Susi im verdreckten Dirndl und stets schlecht gelaunt. Wie „Kohlhiesels Töchter“ nach allerhand Verwicklungen dann doch ihr Glück finden, zeigt die Volksspielgruppe Altenerding in einer Freilichtaufführung im Bauernhausmuseum. Im Mittelpunkt der Inszenierung steht dabei die zeitlose, wie beruhigende Botschaft: Es kommt nicht aufs Aussehen an, sondern auf den Charakter!
Das Stück „Kohlhiesels Töchter“ stammt ursprünglich von Hanns Kräly, der das Originaldrehbuch für die Stummfilm-Adaption im Jahr 1920 schrieb. Die Geschichte spielt in den 50er- und 60er-Jahren und dreht sich um den Gasthofbesitzer Zacharias Kohlhiesel und seine beiden Töchter. Das Problem: Liesl darf erst heiraten, wenn Susi auch unter der Haube ist, so lautet der letzte Wille der Mutter. Die Handlung dreht sich darum, wie die Familie versucht, Susi unter die Haube zu bringen.
Nach einigen turbulenten Verwicklungen findet am Ende jede der Töchter ihren passenden Partner und es kommt zu einer Doppelhochzeit. Also Heirat als Lebensziel? Nun ja, sagt „Liesl“ Tanja Rieß. Das Leben habe doch sehr viel mehr Facetten. „Und die Susi macht’s eigentlich richtig: Sie lässt sich nicht unterbuttern, weder vom Vater noch von den anderen Männern.“
„Susi“ alias Selina Fruhmann übt seit Wochen einen grantigen Gesichtsausdruck. „Ich habe schon Angst, der bleibt mir“, sagt sie bei der ersten Hauptprobe am Montag und lacht. Von einem Partner geliebt zu werden, das habe nichts mit Äußerem zu tun. Denn vom Aussehen her verändere sich Susi gar nicht so sehr, „aber sie lässt am Schluss auch positive Emotionen zu, sie ist freundlicher und man kann sich gut mit ihr unterhalten“, so Fruhmann. Auf den Tisch haue sie trotzdem weiterhin, wenn ihr was nicht passt.

Etwa 50 Schauspieler und Schauspielerinnen sind dieses Mal dabei, dazu kommen noch etwa 50 Mitwirkende hinter der Bühne, erzählt Gesamtleiter Erich Peinelt. Eine große Rolle spielt die Kulisse. Das historische Wohnstallhaus Rindbach, einst 1790 erbaut in St. Wolfgang, dient als „Pension Sonnenhang“: grüne Fensterläden, ein Bauerngarten, eine Wäscheleine mit langer Unterhose, ein Plumpsklo. Der Misthaufen allerdings besteht laut Peinelt nur aus Stroh und Dreck, „also geruchstechnisch angenehm“.
Regie führen Manuela Schieder und Reinhold Neugebauer. Seit April wird geprobt, seit zwei Wochen täglich. „Ein gewisser Anspruch gehört dazu“, sagt Neugebauer. „Kohlhiesls Töchter“ erzähle einfach eine schöne Geschichte, fügt Manuela Schieder hinzu. „Wir wollten mal wieder was Lustiges, Frisches, Volksnahes spielen.“ Was das Frauenbild betrifft – hier die umworbene Schöne, da die Unbeliebte, die nichts aus sich macht – sagt Schieder: „Es geht nicht um den Gegensatz von schön und greislig, sondern um lieblich und grantig.“

Im Stück werde nämlich auch erzählt, warum die Susi anfangs so mürrisch ist: „Sie musste den Hof übernehmen, während die Liesl in der Stadt eine Ausbildung machen durfte. Vielleicht spielt da auch ein bisserl Verbitterung mit, vielleicht fühlt sie sich ungerecht behandelt.“ Wie sich später zeige, sei die Susi auch nicht vom Charakter her böse.
Wenn jemand nicht so gut wegkommt, dann sind es die Männer des Dorfes, die sich allesamt für den perfekten Ehemann der feschen Liesl halten. „Wenn du der beste Fang bist, dann bleib’ ich lieber ledig“, sagt eine Magd. Da ist sie sich mit den anderen einig.
Premiere von „Kohlhiesls Töchter“, Donnerstag, 18. Juni, um 20 Uhr, Bauernhausmuseum Erding, Taufkirchener Straße 28. Weitere Aufführungen jeweils Donnerstag, Freitag und Samstag von 18. Juni bis 13. Juli. Beginn jeweils 20 Uhr, Einlass ab 18 Uhr (der Biergarten im Museum ist ab 18 Uhr geöffnet). Ersatztermine bei Ausfall immer Sonntag und Montag (weitere Informationen unter https://volksspielgruppe.de). Ticketverkauf über die Stadthalle Erding vor Ort oder im Webshop unter https://tickets.stadthalle-erding.de/webshop/webticket/eventlist.

