Das Klinikum Erding steht vor einem größeren Ausbau: Der OP‑Trakt soll von sechs auf acht Säle wachsen, die Notaufnahme ist zu klein und muss erweitert werden. Das KBO‑Klinikum plant, ein Stockwerk zu nutzen, um dort psychiatrische Dienste anzubieten. Der Krankenhausausschuss hat nun eine neue Planungsvariante geprüft – eine Erweiterung nach Westen statt, wie bisher vorgesehen, nach Süden. Sie hätte den Vorteil, dass weniger im Bestand umgebaut werden müsste und damit Kosten sowie Einschränkungen im Betrieb sinken würden. Allerdings müsste dafür der Hubschrauberlandeplatz verlegt werden, was laut Gutachten „zu 99 Prozent“ machbar wäre.
Der Kliniklandschaft stehen große Veränderungen bevor. Eine Reform sieht vor, dass kleine Häuser auf dem Land geschlossen werden und andere sich auf weniger Bereiche spezialisieren müssen. Der Landkreis Erding will jedoch seine beiden Klinikstandorte Erding und Dorfen erhalten und erarbeitet dazu entsprechende Pläne. In Erding soll insbesondere der Operationsbereich wachsen, um sich für die angekündigte Ambulantisierung besser aufzustellen.
Außerdem soll die zu klein gewordene Notaufnahme ausgebaut werden. Dafür existiert ein bereits genehmigter Plan aus dem Jahr 2023 samt einer Zuschusszusage des Freistaates in Höhe von knapp 30 Millionen Euro. Nach einer neuen Kostenprüfung kam der Landkreis jedoch zu dem Schluss, dass ein Anbau im Westen günstiger wäre als der ursprünglich geplante Erweiterungsbau im Süden. Der Krankenhausausschuss folgte dieser Einschätzung und stimmte der neuen Variante einstimmig zu.
Die aktuell angepasste Planung birgt mehrere Vorteile: Die Bauabschnitte lassen sich leichter trennen, das Gebäude wird besser erschlossen und es sind keine Interimsmaßnahmen erforderlich. Dadurch gibt es weniger Eingriffe in den laufenden Betrieb und die bauliche Umsetzung wird einfacher. Der Neubauanteil steigt, die Eingriffe in den Bestand fallen geringer aus. Letzteres ist ein bedeutender Faktor bei den Baukosten, denn solche Umbauten fallen erfahrungsgemäß teurer aus als geplant. Die ursprüngliche Planung aus dem Jahr 2023 lag bei 101 Millionen Euro und würde mittlerweile aufgrund der Baukostensteigerungen 117,2 Millionen Euro kosten. Die neue Variante West wird aktuell auf 103,1 Millionen Euro veranschlagt – 14,1 Millionen Euro günstiger.
Seitens der SPD werden Zweifel an der Zukunft des Klinikums laut
Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) erinnerte im Ausschuss daran, dass es für den Plan aus dem Jahr 2023 bereits eine Zusage für eine Förderung in Höhe von 29,7 Millionen Euro gebe. Kreisrat Jakob Schwimmer (CSU) wie jedoch darauf hin, dass der Landkreis 70 Millionen Euro selbst finanzieren müsse. Er befürworte es, dass endlich eine Erweiterung der Notaufnahme angegangen werde, aber „finanziell müssen wir uns darüber unterhalten“, denn dieses Vorhaben werde Auswirkungen auf die Kreisumlage haben.
Nicole Schley (SPD) äußerte Zweifel an der Zukunft des Klinikums: „Sind wir sicher, dass die Klinik in zehn Jahren noch existiert? Wenn der bayerische Krankenhausausschuss seine Arbeit tut, wird ein Drittel der Kliniken eingespart.“ Landrat Bayerstorfer widersprach: Er sei überzeugt, dass das Klinikum durch die Erweiterung gestärkt aus der Reform hervorgehen werde. Die Notaufnahme sei dringend notwendig und die regionale Versorgung bleibe gesichert. Zudem spiele Erding als akademisches Lehrkrankenhaus der TU München eine wichtige Rolle: „Wir erledigen Themen, die in München nicht mehr umsetzbar sind.“ Die weitere Planung des Anbaus ist für 2026 und 2027 vorgesehen, der Bau soll zwischen 2028 und 2032 realisiert werden.

