Die meisten Anträge zu den Erdinger Haushaltsberatungen zeigen vor allem eines: Uns geht es gut, es gibt nur kleine Verbesserungsvorschläge. Da geht es zum Beispiel um eine Anschlagtafel in Pretzen, eine Broschüre für Neubürger oder ein bisschen Licht für das Bronzemodell am Kleinen Platz. Es gibt jedoch eine Fraktion, die diesbezüglich aus der Art schlägt: Hans Egger, Sprecher der Gruppierung "Erding jetzt", tritt mit seinen Anträgen regelmäßig gewaltige Diskussionen los. Er muss sich harte Kritik vor allem aus der CSU anhören. Und er scheitert ein ums andere Mal.
Egger hat sich auch in seiner zweiten Amtsperiode als Stadtrat einen unkonventionellen Blick auf die Themen der Stadtpolitik bewahrt. Warum soll man nicht noch einmal reden über das Hypo-Haus, das die Stadt gekauft hat und das sie für acht Millionen Euro sanieren muss, um es anschließend als Rathaus-Dependance zu nutzen? Warum kann die Stadt nicht ein Gutachten erstellen lassen, um zu eruieren, wie viel eine Tieferlegung der Gleise am Bahnübergang Altenerding kosten würde? Die Debatte, die sich an diesem zweiten Antrag entzündet hat, war erhellend. So deutlich ist zuvor noch nie ausgesprochen worden, dass es nur geringe Chancen für eine Tieferlegung der Gleise gibt. Aus einem einfachen Grund: Die Bahn will an dieser Stelle nichts verändern, der Altenerdinger Bahnhof ist bereits zweigleisig, das muss genügen.

Die Planung, die jetzt für den Verlauf des Ringschlusses auf dem Gebiet der Stadt Erding vorliegt, endet just vor dem Altenerdinger Bahnhof. Das ist schon mehrfach kritisiert worden - ohne dass dies zu irgendwelchen Veränderungen geführt hätte. Wenn die Bahn an der Gleisführung baulich nichts ändern will, müsste die Stadt das tun. An dieser Stelle schaltet sich jedoch der Rechtsexperte im Rathaus, Andreas Erhardt, ein: "Die Stadt Erding ist nicht befugt, S-Bahn-Strecken zu planen." So einfach ist das. Für den Erdinger OB Max Gotz (CSU) sind diese Debatten jedoch schwer zu verdauen.
Er fühlt sich in seinen Verhandlungen mit Freistaat, Bund und Bahn über eine stadtverträgliche Gleisführung gestört durch Eggers Vorgehensweise. Gotz betont immer wieder die Bedeutung eines einheitliches Meinungsbildes. Und er beharrt konsequent darauf, dass die Stadt Erding Leidtragende der vom Flughafen ausgelösten Verkehrsentwicklung ist und daher erst einmal gar nichts selber machen und zahlen muss. Dass Langengeisling nicht durch ein überirdisches Bahngleis abgeschnitten wird, reklamiert Gotz als Erfolg seiner Verhandlungstaktik. Auf die gleiche Weise will er erreichen, dass der Bahnübergang an der Haager Straße im Untergrund verschwindet. Es schaue gut aus, das hört man immer wieder. Aber das reicht Egger nicht. Er will mehr wissen, mit seinen Bedürfnissen rennt er bei Gotz jedoch gegen eine Wand.

Keine Denkverbote - unter dieses Motto stellte Egger den Antrag zum Hypo-Haus, den Gotz gegen Eggers Willen in den Haushaltsberatungen hervorholte: Die Stadt möge darüber nachdenken, ob sie das Haus verkauft, es von privater Hand sanieren lässt und es dann zurückmietet. Eggers Idee fand fraktionsübergreifend keinen Beifall, Gotz war aber richtig sauer: Der Antrag vermittele den Eindruck, die Stadträte träfen unüberlegte Entscheidungen, sagte er. Auch diese Schelte wird Egger nicht unerwartet getroffen haben. Bislang hat ihn das nicht davon abgehalten, Fragen zu stellen und Diskussionen anzustoßen.