Erding:Jenseits der Wartezone

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Erding: Kleider für ein neues Leben - und den kalten Winter: Flüchtlinge in Erding nach einem Besuch in der AGA-Kleiderkammer, die nun wieder geöffnet ist.

Kleider für ein neues Leben - und den kalten Winter: Flüchtlinge in Erding nach einem Besuch in der AGA-Kleiderkammer, die nun wieder geöffnet ist.

(Foto: Schmidt)

Die AGA kümmert sich um die Erdinger Flüchtlinge, die bleiben. Bedarf und Hilfsbereitschaft sind unverändert groß

Von Sebastian Fischer, Erding

Wenn Denise Hecht am Telefon gesagt hat, dass der junge Mann, für den sie eine Wohnung suche, ein Flüchtling sei, war das Gespräch schnell beendet. Wenn es überhaupt ein Gespräch war. Oft bekam sie auch nur ein paar abfällige Bemerkungen zu hören. Deshalb war Hecht überrascht, als es nach zwei Monaten plötzlich geklappt hat, gleich bei der ersten Wohnungsbesichtigung: Für den Syrer, der nach seinem genehmigten Asylantrag aus der Flüchtlingsunterkunft ausziehen musste, fand sie ein Einzimmerappartement in zentraler Lage in Erding. Der Vermieter sagte, er unterstütze gerne den 23-Jährigen, dessen Name nicht in der Zeitung stehen soll und der bald eine Ausbildung als Zahntechniker beginnen will.

Während im Warteraum Asyl täglich Hunderte Flüchtlinge kommen und gehen, kümmern sich Denise Hecht und die anderen ehrenamtliche Helfer der Aktionsgruppe Asyl (AGA) um die Flüchtlinge in Erding, die kommen und erst mal nicht gehen müssen. Bewusst arbeitet die AGA getrennt von der Flüchtlingshilfe, die im Warteraum die Durchreisenden willkommen heißt. Es ginge darum, langfristige Beziehungen mit den Flüchtlingen aufzubauen, sagt AGA-Sprecherin Maria Brand. Sie hat eine Warteliste mit Helfern, die sie zunächst in einem persönlichen Gespräch kennenlernen möchte, um Eignung und Präferenzen herauszufinden.

Etwa 15 Einrichtungen betreut die AGA zurzeit, so genau kann Brand das nicht sagen und ist damit gleich bei den Problemen: Sie ist seit langem unzufrieden mit der Kommunikation des Landratsamts, das die Helfer ihrer Ansicht nach zu spät informiert. Bei Informationsveranstaltungen in Berglern und Inning hat sie neulich gesehen, wie gut es funktionieren kann, wenn Helfer eingebunden werden: Dort haben sich Helferkreise gebildet, bevor Flüchtlinge einziehen. In Pretzen hat sie das Gegenteil erlebt: Sie habe zufällig von einer Unterkunft erfahren und sei die erste gewesen, die den Neuankömmlingen Hilfe angeboten hätte - nach einer Woche.

Dass die Hilfe gebraucht wird, das zeigen Geschichten wie die von Denise Hecht oder diese, die Brand erzählt: Am Mittwoch sei in den Containern am Korbinian-Aigner-Gymnasium das Wasser ausgefallen. Helfer fuhren in den Supermarkt und kauften 15 Liter. Die AGA bietet Deutschkurse im Jugendhaus Sonic an und hat dort vor zwei Wochen einen Basar für Kleidung und Haushaltsgeräte veranstaltet.

Die Kleiderkammer an der Freisinger Straße war im Oktober nur nach Absprache geöffnet, zu groß war der Bedarf der in der benachbarten Berufsschulturnhalle untergebrachten Flüchtlinge, die Belastung hoch. Inzwischen ist die Turnhalle keine Unterkunft mehr, am Montag hatte die Kammer erstmals wieder von 9 Uhr bis 11.30 Uhr geöffnet, es soll noch einen zweiten Tag in der Woche geben, an dem Spenden abgegeben und entgegengenommen werden können. Ähnlich wie im Warteraum wird auch für die Flüchtlinge, die dem Landkreis langfristig zugewiesen werden, warme Winterkleidung gebraucht. Anders als dort werden auch Töpfe, insbesondere große, Geschirr und Möbel benötigt.

Für Denise Hecht hört die Arbeit derweil nicht auf. Eine Familie und zwei junge Syrer haben Asyl in Deutschland - und müssen jetzt erst mal ausziehen. Die Wohnungssuche wird wieder schwer werden. Doch nach dem jüngsten Erfolgserlebnis ist sie optimistisch.

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