„Eine außerordentliche Rückschau“ kündigte Oberbürgermeister Max Gotz am Dienstagabend an, bevor Kämmerer Thomas Zahn den Jahresabschluss 2024 der Stadt Erding präsentierte. „Außerordentlich“, das passt, denn Erding verfügt über außerordentlich große finanzielle Mittel. Nicht zuletzt dank sprudelnder Gewerbesteuereinnahmen, bei denen sich im Abschluss ein Plus von über 20 Millionen Euro ergeben hat.
Wieder einmal fällt der Jahresabschluss in Erding letztlich besser aus als zunächst angenommen. Wobei beim Aufstellen des Haushaltsplans die Einnahmen aus der Gewerbesteuer „sehr vorsichtig kalkuliert wurden“, wie Thomas Zahn erklärte. Was wiederum dazu führte, dass bereits beim Nachtragshaushalt einige Einnahmen nach oben korrigiert wurden.
Insgesamt beläuft sich in der Schlussrechnung 2024 das Gesamtvolumen des Verwaltungshaushalts, in dem die laufenden Einnahmen und Ausgaben aufgeführt sind, auf rund 140,6 Millionen Euro – ein Plus von circa 37,2 Millionen gegenüber dem Volumen des Vorjahres. Damit können dem Vermögenshaushalt, in dem die Investitionen abgebildet sind, rund 37,7 Millionen Euro zugeführt werden.
Das Gesamtvolumen des Vermögenshaushalts beträgt rund 65 Millionen Euro. Die weitere gute Nachricht, die sich aus der Jahresrechnung ergibt: Letztlich kann auch noch das Polster der Erdinger Rücklagen um 22,2 Millionen Euro erhöht werden. Zum 31. 12. 2024 belaufen sich die allgemeinen Rücklagen damit auf rund 63 Millionen.
Angesichts dieser erfreulichen Zahlen warnte Kämmerer Thomas Zahn aber dennoch vor allzu großer Euphorie. Auch wenn der Abschluss „insgesamt weit positiver“ ausgefallen sei, dürfe nicht davon ausgegangen werden, dass auch die kommenden Jahre diesen Schluss zulassen, erklärte Zahn. Denn allein die aktuellen Wirtschaftsdaten „lassen kein starkes Wirtschaftswachstum erwarten“.
Der Kämmerer verweist auf „Einmaleffekte“
Bei der Gewerbesteuer führten laut Thomas Zahn „Einmaleffekte“ zu einem Rekordergebnis von 56,4 Millionen Euro. Die Einnahmen seien größtenteils einem „nicht nachhaltigen Sondereffekt“ geschuldet, der auf Vergünstigungen für Gewerbetreibende während den Corona-Jahren beruht. Das gute Ergebnis sei daher vorwiegend auf „einmalige Nachzahlungen“ zurückzuführen, so Zahn.
Weiter verwies der Erdinger Kämmerer auf die demografische Entwicklung. Die Gesellschaft altere und dies lasse „keine positive Entwicklung bei Einkommens- und Gewerbesteuer“ erwarten. Zugleich warteten zahlreiche Projekte auf die Umsetzung, wie beispielsweise die Konversion des Fliegerhorsts, der Bau von Kitas oder der Neubau von zwei Feuerwehrhäusern, „die weiterhin gewaltige Summen binden“ werden. Zudem bedeuteten hohe Einnahmen auch eine höhere Kreisumlage.
Nach den warnenden Worten des Kämmerers ergriff erneut Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) das Wort. Immerhin sei der Landkreis, an den die Kreisumlage abgeführt werde, der größte Investor in der Stadt, so Gotz. Als Beispiel nannte er die verschiedenen Schulen in der Trägerschaft des Landkreises.
Erding befinde sich in einer wirklich außerordentlich guten finanziellen Situation, betonte Gotz nochmals. Dies solle auch ein Signal an die Bevölkerung sein, „dass höchst verantwortungsvoll mit Steuern, Gebühren und Abgaben umgegangen wird“. Der Stadtrat befürwortete die Jahresrechnung 2024 im Anschluss einstimmig.

