Nachruf Ingrid Sollanek ist gestorben

Die frühere Zweite Bürgermeisterin und langjährige Kulturreferentin lebte zuletzt im Heilig-Geist-Altenheim

Von Antonia Steiger, Erding

Was Ingrid Sollaneks Wirken für Stadt und Landkreis Erding bedeutet haben, darüber gibt es keinen Zweifel: Ingrid Sollanek hat der Kultur Geltung verschafft. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass seit nunmehr 37 Jahren im Sommer ein bunt gemischtes Völkchen auf dem Areal der Kreismusikschule zusammen kommt, um sich gegenseitig Musik vorzuspielen, um zu tanzen, zu feiern und um kulinarische Köstlichkeiten zu präsentieren. Das Wochenende der internationalen Begegnung ist gewiss das Projekt Ingrid Sollaneks, dem die größte Nachhaltigkeit beschieden ist. Wie jetzt erst bekannt wurde, ist Ingrid Sollanek am vergangenen Donnerstag gestorben. Sie wurde 75 Jahre alt.

Als Politikerin hat Ingrid Sollanek einen ruhigen und zurückhaltenden Stil gepflegt. Erstmals rückte sie 1972 für die CSU n den Stadtrat ein. Sie drängte nicht in die erste Reihe, fühlte sich aber als langjährige Zweite Bürgermeisterin sehr wohl. Dieses Amt bekleidete sie von 1996 bis 2006, damals war sie am Parkinson-Syndrom erkrankt. Auch aus dem Stadtrat und aus dem Kreisrat musste sie sich 2006 zurückziehen, was ihr nicht leicht gefallen sei, wie sie damals mit großer Ehrlichkeit sagte: Sie habe gehofft, es reiche, wenn sie sich eine Auszeit nehme. Doch ihre Ärzte hätten ihr "klipp und klar erklärt", dass ihre Krankheit nicht heilbar sei, sagte sie offen über ihre Erkrankung. Sie lebte im Heilig-Geist-Altenheim im Erdinger Stadtpark.

Im Alter von 75 Jahren ist am vergangenen Donnerstag Ingrid Sollanek gestorben. Mehr als zehn Jahre lang war sie Zweite Bürgermeisterin.

(Foto: Bauersachs)

Die Bedeutung ihres kulturellen Wirkens ist mit dem Hinweis auf das Wochenende der internationalen Begegnung nicht ausreichend beschrieben: Gemeinsam mit den Erdinger Neuesten Nachrichten, der damaligen Lokalredaktion der Süddeutschen Zeitung, hob sie als Kulturreferentin die Erdinger Jazztage aus der Taufe, die viele Jahre lang ein wichtiger Anlaufpunkt für die internationale Jazzszene waren.

Beruflich hat Ingrid Sollanek den Schülerinnen an der Mädchenrealschule Heilig Blut 41 Jahre lang Englisch, Französisch und Italienisch beigebracht. Als Konrektorin gehörte sie mehr als drei Jahrzehnte lang auch dort der Leitung an, ohne in die erste Reihe vordringen zu müssen. Auf zahllose Weise ist Ingrid Sollanek für ihr Wirken in Schule, Kultur und Politik geehrt worden. So bekam sie 2006 die Goldene Stadtmedaille. Der frühere Staatsminister Hans Zehetmair sagte damals über seine "langjährige Weggefährtin", sie habe in der Stadt "bleibende Spuren hinterlassen". Sie stehe für Glaubwürdigkeit, Geradlinigkeit und Vertrauenswürdigkeit. 1983 bekam sie als erste Frau den Kulturpreis des Landkreises, der erst an diesem Montag wieder vergeben worden ist. Zu der Sammlung von Auszeichnungen gehören die kommunale Dankurkunde, das Bundesverdienstkreuz am Bande und die kommunalen Verdienstmedaille in Silber. Selbst die Region Kalabrien wollte Ingrid Sollanek, die Tochter einer italienischen Mutter, ehren: 1996 bekam sie die Goldenen Pinie für die Unterstützung italienischer Mitbürger.