SZ Gute WerkeEin Garten voll kostbarer Erinnerungen

Lesezeit: 3 Min.

Das Sophienhospiz in Erding an einem Oktobertag:  Die zwölf in einem Rund angelegten Zimmer  sind um den wunderschön angelegten Garten gruppiert.
Das Sophienhospiz in Erding an einem Oktobertag:  Die zwölf in einem Rund angelegten Zimmer  sind um den wunderschön angelegten Garten gruppiert.
Renate Schmidt
  • Michele Hintereder hat vor eineinhalb Jahren ihren 33-jährigen Mann Stefan im Sophienhospiz Erding verloren, wo er fünf Monate wegen eines Hirntumors betreut wurde.
  • Der durch Spenden finanzierte Hospizgarten ermöglichte der Familie kostbare gemeinsame Momente wie Grillen, Planschbecken für die Kinder und das Anpflanzen von Tomaten.
  • Das Sophienhospiz ist weiterhin auf Spenden angewiesen, da nicht alle Leistungen von den Krankenkassen übernommen werden und eine lange Warteliste besteht.
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Eine junge Mutter hat ihren Ehemann auf seinem letzten Weg im Sophienhospiz in Erding begleitet. Dass sie trotz des Schmerzes gerne an diese Zeit zurückdenkt, liegt auch an dem liebevoll gestalteten, durch Spenden finanzierten Garten.

Von Regina Bluhme, Erding

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Michele Hintereder hat vor eineinhalb Jahren ihren Mann Stefan verloren. Die letzten fünf Monate vor seinem Tod verbrachte der Vater von zwei kleinen Kindern im Sophienhospiz Freising-Erding. Geblieben sind an diese Zeit schmerzliche, aber auch schöne Erinnerungen. Besonders gerne erinnert sich die 32-Jährige an den Hospizgarten. Hier haben sie mit Freunden gegrillt, hier haben die Kleinen im Planschbecken gelacht, hier haben Oskar und Tilda, eng an den Vater geschmiegt, Vögel beobachtet. „Wir waren hier zu Hause“, sagt die junge Frau.

Noch immer schaut die Mutter von Oskar, sechs, und Tilda, inzwischen zwei Jahre alt, gerne im Sophienhospiz am Erdinger Sternweg vorbei. Heute, Anfang Dezember, ist es wieder so weit. Pflegedienstleiterin Jutta Mayer begrüßt sie herzlich und drückt sie ganz fest. „Schön, dass du da bist!“

Jeden Tag hat die junge Frau damals ihren unheilbar an einem Hirntumor erkrankten Mann besucht. Im Juli 2024 ist er mit erst 33 Jahren gestorben. „Für manche mag es komisch klingen, aber wir hatten hier in Erding eine glückliche Zeit. Wir waren uns so nahe“, sagt die junge Frau. „Mein Mann war immer liebenswert. Unfassbar, wie viel Liebe er gegeben hat und wie er auch in Liebe gegangen ist.“

Stefan und Michele Hintereder mit den Kindern Oskar und Tilda im Sophienhospiz.
Stefan und Michele Hintereder mit den Kindern Oskar und Tilda im Sophienhospiz.
privat

Wann immer möglich waren Oskar und Tilda in Erding dabei. „Die Kinder durften auch mal laut sein, sie gehörten einfach dazu“, erzählt Michele Hintereder. Sie sehe noch den kleinen Oskar vor sich, wie er mit seinem Vater im Rollstuhl im Hospizgarten herumfährt.

„Hier fanden kleine, aber kostbare Augenblicke des Glücks statt“, bestätigt Heimleiterin Rita Gabler. Momente wie gemeinsame Picknicke bei Sonnenschein, ein aufgestelltes Planschbecken für die Kinder an heißen Tagen oder gemeinsames Grillen würden ein Stück Normalität zurückbringen. Gabler kann sich noch gut daran erinnern, wie Oskar stolz Tomaten im Hospizgarten angepflanzt hat. Besonders berührend sei das Fliegenlassen der selbstgezüchteten Schmetterlinge gewesen – „ein Moment voller Symbolik und Emotion, der auch unser Team tief bewegt hat“.

Blick von der Terrasse: Stefan Hintereder hat jeden Augenblick mit der Familie genossen.
Blick von der Terrasse: Stefan Hintereder hat jeden Augenblick mit der Familie genossen.
privat

Die Krankheit, die zunehmende körperliche und kognitive Verschlechterung bei Stefan, „das hat mir jeden Tag das Herz rausgerissen“, sagt Michele Hintereder. Zugleich habe sie sich durch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wunderbar „getragen und gehalten gefühlt“.  Auch die Kinder seien stets willkommen gewesen und liebevoll aufgenommen worden. „Ich bin dankbar für dieses Geschenk.“ In diesem Haus herrsche „nichts als Liebe“.

Michele Hintereder (links) im Gespräch mit Pflegedienstleiterin Jutta Mayer im Sophienhospiz.
Michele Hintereder (links) im Gespräch mit Pflegedienstleiterin Jutta Mayer im Sophienhospiz.
Renate Schmidt

Dass die Landkreise Erding und Freising seit 2022 über ein gemeinsames Hospiz verfügen, ist der Initiative der MWS-Hospiz-Stiftung des Freisinger Ehepaars Marianne und Werner Folger und ihrer Tochter Sofia zu verdanken. Die Stiftung hat mehrere Millionen Euro in das Projekt investiert. Mit dem hohen sechsstelligen Betrag durch SZ Gute Werke konnte ein Teil der Inneneinrichtung und der Außenanlagen verwirklicht werden.

Inzwischen gibt es eine lange Warteliste für das Haus. Alle zwölf Zimmer des Sophienhospizes blicken im Frühjahr und Sommer auf einen wunderbar blühenden Garten. Der Hospizgarten spiele „für unsere Patienten und ihre Familien eine zentrale Rolle“, betont Rita Gabler. Familie Hintereder stehe stellvertretend für viele andere Familien, „die in dieser besonderen Zeit Trost, Nähe und wertvolle gemeinsame Momente in unserem Garten erleben durften.“

Der Hospizgarten Anfang Dezember mit Hinweisschild auf die Unterstützung von SZ Gute Werke.
Der Hospizgarten Anfang Dezember mit Hinweisschild auf die Unterstützung von SZ Gute Werke.
Renate Schmidt

Solche Erlebnisse zeigten, „wie wichtig der Garten als Ort der Begegnung, des Lebens und der Geborgenheit ist“, erklärt Rita Gabler. Damit auch künftig Familien solche Momente erleben können, ist weitere Unterstützung für den Hospizgarten notwendig. Denn nicht alle Leistungen, die das Sophienhospiz bietet, werden von den Krankenkassen beglichen. Das Haus ist weiterhin auf Spenden angewiesen.

Bisher haben die Leser und Leserinnen der Süddeutschen Zeitung mit ihren Spenden die Pflege des weitläufigen Gartens finanziert und damit einen Ort am Leben gehalten, der vielen Menschen Freude und Trost spendet.

So können Sie spenden

Wer helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, Sachspenden können leider nicht entgegengenommen werden. Bareinzahlungen sind im SZ Servicepunkt, im Kaufhaus Ludwig Beck, Eingang Dienerstraße, 1.OG., Marienplatz 11, möglich. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr.Banküberweisung an: SZ Gute Werke e.V.HypoVereinsbankIBAN: DE04 7002 0270 0000 0822 28BIC: HYVEDEMMXXXSicher online spenden können Leserinnen und Leser im Internet unter www.sz-gute-werke.de.

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