ErdingWo einst gestempelt wurde, wird künftig geforscht

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In das alte Postgebäude Am Bahnhof in Erding soll eine Forschungseinrichtung einziehen.
In das alte Postgebäude Am Bahnhof in Erding soll eine Forschungseinrichtung einziehen.
Renate Schmidt

Erding ertüchtigt das ehemalige Postamt, in das die Technische Hochschule Deggendorf einziehen wird. Nicht ganz uneigennützig entscheidet sich die Stadt für die umfassendste von drei Modernisierungsvarianten.

Von Regina Bluhme, Erding

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Im alten Postamt am Erdinger Bahnhof wird schon lange kein Paket mehr aufgegeben. 2000 zog die Post ein paar Ecken weiter ins Egger Zentrum, einen Teil des Erdgeschosses nutzt seit einigen Jahren die Tafel Erding. Jetzt wird das Gebäude aus den 50er-Jahren komplett modernisiert und zudem für die zusätzlichen Mieter fit gemacht. In den ersten Stock links wird eine Forschungseinrichtung der Technischen Hochschule (TH) Deggendorf einziehen.

Die TH will in Erding ein sogenanntes Technologietransferzentrum (TTZ) errichten. Kleine und mittlere Unternehmen ohne eigene Forschungsabteilung könnten so Zugang zu Hochschulen und deren Hightech Forschung erhalten. Die Deggendorfer Hochschule betreibt 17 TTZ-Einrichtungen in Niederbayern und der Oberpfalz, Erding wäre der erste oberbayerische Standort. Als Schwerpunkt vorgesehen sind die Bereiche „Vernetzte und autonome Systeme“.

Die Stadt biete aufgrund des Innovationszentrums der Bundeswehr auf dem Fliegerhorst Erding „eine spannende Schnittstelle“, sagte Professor Wolfgang Dorner, der Vizepräsident für Forschung an der TH Deggendorf, bei der Vorstellung der Pläne im vergangenen Oktober. So könnten Synergien zwischen ziviler und militärischer Forschung genutzt werden. Langfristig ist ein Standort am Fliegerhorst das Ziel.

In das Postgebäude zieht nicht zum ersten Mal eine Hochschule ein: Die Hochschule für Angewandtes Management (HAM) Erding hatte dort bereits Räumlichkeiten. 2016 zog die Hochschule aus und ein Jahr später nach Ismaning. Mittlerweile hat die HAM ihren Hauptsitz nach Teltow in Brandenburg verlegt.

Der Bauausschuss entscheidet sich für eine umfassende Sanierung und Modernisierung

Das erste Postgebäude, das noch aus dem 19. Jahrhundert stammte, wurde in den 1920er-Jahren vergrößert, um in den oberen Stockwerken auch Dienstwohnungen unterzubringen, dann aber 1958 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Das Erdinger Architekturbüro Reiser stellte jetzt verschiedene Varianten für die Instandsetzung und Modernisierung im Bauausschuss vor. Die Stadträte im Bauausschuss konnten dabei wählen zwischen einer „Notinstandsetzung“ für 712 000 Euro, einer erweiterten Instandsetzung für rund 2,1 Millionen oder einer umfassenden plus Modernisierung in Höhe von rund 3,9 Millionen.

Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) sprach sich für eine umfassende Modernisierung, also Variante drei, aus. „Mach ma’s gescheit“, so seine Devise, auch vor dem Hintergrund, dass „der eine oder andere Teil der Stadtverwaltung“ dereinst einmal auf zusätzliche Räumlichkeiten angewiesen sein werde. Offensichtlich platzen Rathaus und der erst 2022 fertiggestellte neue Verwaltungstrakt schon wieder aus den Nähten. Der Bauausschuss votierte denn auch einstimmig für die umfassendste Variante mit IT-Ertüchtigung, neuen Anlagen für Heizung, Lüftung und Sanitär, neuen Fenster mit Verschattung im Sommer sowie einem Außenaufzug. Gebaut werden soll im laufenden Betrieb

Die Tafel wird laut Gotz weiterhin das Erdgeschoss nutzen. Zur Diskussion stand eine Verlegung des Eingangs auf die Ostseite, also abseits der viel befahrenen Straße Am Bahnhof, wo die Tafelnutzer „wie auf dem Präsentierteller“ anstehen, wie Architekt Ulrich Reiser befand. OB Gotz hielt dagegen, womöglich sei es nicht verkehrt, „wenn die Menschen sehen, dass es in unserer Stadt auch Leute gibt, die auf Unterstützung angewiesen sind“. Die Stadt will noch ein Gespräch mit der Tafel führen, ob „mehr Anonymität“ gewünscht ist.

Auf die Frage aus dem Bauausschuss, wie denn der Zeitplan der Modernisierungsarbeiten aussehe, erklärte OB Gotz, er gehe davon aus, dass im Herbst 2027 „alles passt“, die Maßnahmen also abgeschlossen sind. Auf Mieteinnahmen wird die Stadt im Übrigen während der Zeit der fünf- bis siebenjährigen Anschubfinanzierung, die die TH durch die Regierung erhält, verzichten.

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