Mit einem Thermometer in der Hand war kürzlich Christian Famira-Parcsetich, der Chef der Erdinger Stadtentwicklung, am Schrannenplatz unterwegs. Was seine Messungen an dem brüllend heißen Junitag im Herzen der Stadt ergeben haben, dürfte nicht nur ihn ins Schwitzen bringen. 41,8 Grad herrschten am 22. Juni um 15.15 Uhr auf einer der Sitzbänke in der prallen Sonne. Kein Wunder, dass an dem Tag niemand die Sitzgelegenheit nutzen wollte.
Was machen die heißen Tage mit mehr als 40 Grad mit einer Stadt? Herrscht in den kommenden Sommern von Mittag an gähnende Leere, weil bei solchen Temperaturen keiner mehr aus dem Haus geht? Schlechte Aussichten wären das fürs Stadtbild, Gastronomie und Geschäftswelt in der Innenstadt. Erding will gegenlenken. Bereits 2023 hat der Stadtrat ein grundlegendes Konzept zur Umgestaltung der Innenstadt in drei Teilen beschlossen. Im Fokus stehen die Barrierefreiheit – und in jüngster Zeit verstärkt – die Klimaanpassung der Innenstadt.
Teil eins ist bereits abgeschlossen. Das Areal rund um den Friedrich-Fischer-Platz mit mehr Bäumen und Sitzgelegenheiten, weniger Parkflächen und einem Fontänenbrunnen ist seit heuer fertiggestellt und wird sehr gut angenommen. Die Kosten beliefen sich auf circa 1,6 Millionen Euro und wurden laut Oberbürgermeister Maximilian Gotz (CSU) zu 80 Prozent gefördert.
Jetzt hat der Bauausschuss für Teil zwei, die Umgestaltung des Schrannenplatzes, bei einer Gegenstimme grünes Licht gegeben. Wie Christian Famira-Parcsetich anhand einer Skizze erläuterte, wird der Platz zusätzliches Grün erhalten. Zu den bestehenden Bäumen sollen auf dem zentralen Platz mindestens sieben weitere neu angepflanzt werden. Dazu kommt eine zusätzliche Baumreihe im Süden des Areals. Vor der Häuserzeile werden Parkplätze wegfallen.


Innenstadt-Parkplätze sind in Erding immer Thema und so war es kein Zufall, dass in der außerordentlich gut besuchten Sitzung auch Vertreter der Interessengemeinschaft Ardeo und der Gastronomie rund um den Schrannenplatz interessiert zuhörten. Die Pläne wurden ein paar Tage nach der Sitzung nochmals bei einer extra angesetzten öffentlichen Infoveranstaltung erläutert.
Der Entwurf, so wie er jetzt im Bauausschuss bei einer Gegenstimme beschlossen wurde, sieht vor, dass für den Autoverkehr vor Mode Kraus und gegenüber der Schrannenhalle immerhin eine Liefer- und Ladezone eingerichtet wird. Zudem wird der bisherige Fußgängerüberweg vom Schrannenplatz zur Schrannenhalle wieder hergestellt.
Weitere Bäume und vor allem mehr Trinkwasserbrunnen
Um die Sommer erträglicher zu machen, will die Stadt zudem mehrere Trinkwasserbrunnen im Innenstadtbereich errichten. Keine Zukunft hat dagegen der Ährenbrunnen, ein Wahrzeichen auf dem Schrannenplatz. Er wird durch einen modernen Brunnen ersetzt. Ein Schritt, den nicht wenige Erdinger und Erdingerinnen bedauern.


Der Landshuter Bildhauer Karl Reidel (1927 bis 2006) hatte den Brunnen 1998 nach den Motiven von Getreide und Ähren geschaffen. Damit erinnert der Brunnen an die jahrhundertelange Funktion des Schrannenplatzes als einer der wichtigsten Umschlagplätze für Getreide in ganz Oberbayern. Was mit dem Brunnen passieren wird, steht laut Pressestelle der Stadt noch nicht fest. Eventuell bekommt der Brunnen, der von der Kolpingsfamilie seit Jahren zur Osterzeit in ein farbenfrohes Gesamtkunstwerk verwandelt wird, einen Platz an anderer Stelle.
Der Umbau am Schrannenplatz hat auch Folgen für den Christkindlmarkt. Der Christbaum wird in Richtung Schrannenhalle verlegt, die ohnehin umstrittene Kunsteisbahn während des Markts wird es nicht mehr geben – außer es findet sich ein Schlittschuhverleih, so OB Gotz.
Im dritten Teil des Umbaus steht die Lange Zeile im Fokus
Die Neugestaltung des Schrannenplatzes fällt mit einem weiteren Umbau zusammen. Im denkmalgeschützten Gebäudes der Schrannenhalle sind seit Monaten Handwerker zugange. Den Raum im Erdgeschoss teilen sich künftig die neue Touristinfo und ein Restaurant, das von Mario Pianka, dem Wirt vom Gasthaus zur Post in Erding, betrieben wird. Die Eröffnung ist noch in diesem Sommer geplant.
Im dritten Teil der Innenstadt-Umgestaltung steht die Hauptachse der Stadt, die Lange Zeile, im Fokus. Realisiert werden die Pläne aber erst nach dem 800-jährigen Stadtjubiläum, das in Erding 2028 groß gefeiert wird.

