Erdinger HerbstfestrennenWo bunte Hüte den Trabern die Schau stehlen

Lesezeit: 2 Min.

Erster Vorlauf des Trabrennens um den Preis des Erdinger Weißbräu: vorne Gewinner Ina Gual mit Fahrerin Theresa Geineder.
Erster Vorlauf des Trabrennens um den Preis des Erdinger Weißbräu: vorne Gewinner Ina Gual mit Fahrerin Theresa Geineder.
Foto: Renate Schmidt
  • Beim Erdinger Herbstfestrennen treten Freizeitsportler und lizenzierte Amateurfahrer mit Ponys, Kaltblütern und Trabern vor rund 500 Zuschauern an.
  • Romina Geineder gewinnt mit Ina Gual den mit 1000 Euro dotierten Großen Preis der Stadt Erding im Trabrennen.
  • Bei der traditionellen Hutprämierung siegt Sabine Reiser mit ihrer spontan kreierten "Zauberfeder" aus Vogelfedern und getrocknetem Gras.
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Wer spannende Pferderennen und verrückte Kopfbedeckungen liebt, muss nicht ins englische Ascot reisen. So steif wie beim berühmten Royal Meeting geht es beim Erdinger Herbstfestrennen allerdings nicht zu.

Von Regina Bluhme, Erding

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Frauen im Dirndl und Männer in Lederhosen marschieren am vorletzten Tag des Erdinger Herbstfests bereits gegen Mittag in Richtung Volksfestplatz. Doch viele lassen Festzelt und Karussells erst einmal links liegen und biegen nach rechts ab zu einer Wiese in den Geislinger Ängern. Hier wetteifern am Nachmittag Reiter und Reiterinnen auf Ponys, Kaltblütern oder Fjordpferden sowie Trabergespanne um den Sieg.

Auf dem Herbstfest in Erding hat sich bis heute die Tradition des Pferderennens erhalten. Immerhin war der Landkreis Erding bis in die 1960er-Jahre der pferdereichste in Bayern, und in seinem Wappen ist ein knallrotes, springendes Ross verewigt. Das Interesse an der Veranstaltung ist nach wie vor groß. Rund 500 Zuschauer und Zuschauerinnen sind diesmal gekommen.

Beim Herbstfestrennen gehen Freizeitsportler und bei den Trabern auch lizenzierte Amateurfahrer an den Start. Dieses Jahr steht erstmals ein Trabreiten für alle Rassen auf dem Programm. Welsh Ponys, Haflinger, Mini Tinker und ein Kaltblutmix namens Tango treten mit ihren Reitern und Reiterinnen gegeneinander an. Am Ende hat Fiona Schüßler mit ihrem Welsh Georgie die Nase vorn.

Unter Applaus und anfeuernden Rufen des Publikums geht es danach für die Traber in den ersten Vorlauf über drei Runden, also über circa 1600 Meter. Die Fahrer in ihren Sulkys rasen vorbei und liefern sich ein spannendes Rennen. Richtig schnell sind auch die Rennen der schweren Rassen und Kaltblüter, die im Anschluss an den Start gehen. Im Vergleich dazu drehen die Minitraber mit ihren winzigen Shettys (erlaubtes Stockmaß: maximal 1, 20 Meter) eher gemütlich eine Runde. Dafür erhalten die jungen Fahrerinnen und Fahrer in den Sulkys umso mehr Applaus.

Marlon Betl (links) gewinnt mit dem Shetty „Flocke“ das Rennen der Minitraber.
Marlon Betl (links) gewinnt mit dem Shetty „Flocke“ das Rennen der Minitraber.
Foto: Renate Schmidt

Schirmherr der Veranstaltung ist Erdings Oberbürgermeister Max Gotz. Den mit 1000 Euro dotierten Großen Preis der Stadt Erding überreicht er an die Siegerin im Trabrennen, Romina Geineder auf Ina Gual. Landrat Martin Bayerstorfer vergibt ebenfalls persönlich den Preis des Landkreises in Höhe von 500 Euro an den Sieger im zweiten Trab-Vorlauf, Alois Ortner mit Calipso.

Klein gewinnt gegen Groß: Beim Rennen für schwere Rassen und Kaltblüter hat Marlies Betl (Mitte) mit dem Tinkerpony Paula die Nase vorn.
Klein gewinnt gegen Groß: Beim Rennen für schwere Rassen und Kaltblüter hat Marlies Betl (Mitte) mit dem Tinkerpony Paula die Nase vorn.
Foto: Renate Schmidt

Das Gelände in den Geislinger Ängern stellt die Stadt Erding zur Verfügung. Der Rennverein Erding legt die Rennstrecke an und versorgt das Publikum mit Getränken und Essen. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden von den Erdinger Pferdebesitzern regelmäßig Pferderennen in den Geislinger Ängern abgehalten. Während der Vorbereitungen eines Pferde-Schlittenrennens, so ist es im Programmheft nachzulesen, schlug der damalige Erdinger Bürgermeister Friedrich Herbig vor, einen Verein zu gründen. Dieser sollte die Organisation derartiger Veranstaltungen erleichtern – die Geburtsstunde des Erdinger Rennvereins, die vor 120 Jahren „mit einigen Pferdebesitzern und einem Handschlag begann“.

Eine Aufnahme vom rasanten Rennen aller Pferderassen.
Eine Aufnahme vom rasanten Rennen aller Pferderassen.
Renate Schmidt

371 Mitglieder hat der Rennverein aktuell, informiert Vorsitzender Josef Ehrenthaler. Allerdings seien die wenigsten aktive Reiter. Die Geselligkeit stehe im Vordergrund. Dieses Jahr treten immerhin vier Mitglieder erstmals wieder mit einem Vereinsfahren an. Hier ist der Jubel des Publikums besonders groß. Es gewinnt Theresa Schreder mit Best of Joker.

Die Hutprämierung findet stets in der Halbzeitpause statt

Während des Rennens berät sich Vroni Brenninger mit zwei Mitjurorinnen über die kreativsten Kopfbedeckungen. Denn die Hutprämierung während der Halbzeitpause inklusive Schaulaufen vor Publikum hat ebenfalls Tradition.

Diese Jahr siegt in der Kategorie „Kreativität“ das Werk von Sabine Reiser. Ihre Kreation „Zauberfeder“ kann sich gegen die nächstplatzierten „Schwanensee“ und „Colourful“ durchsetzen. Sie sei am Vortag spontan auf die Idee gekommen, mitzumachen, erzählt die Erdingerin Reiser. Im Keller habe sie Vogelfedern, getrocknete Gräser und einen alten Strohhut ihres Mannes gefunden – fertig war der Siegerhut.

Bunte Hüte: Daniela Brandl hat mit ihrer Tochter Lisi an der Prämierung teilgenommen.
Bunte Hüte: Daniela Brandl hat mit ihrer Tochter Lisi an der Prämierung teilgenommen.
Renate Schmidt

In der Kategorie „Ensemble“ wiederum, in der es um den Gesamteindruck geht, wird Lydia Maier mit ihrem Modell „Lady Woolworth“ zur Siegerin erklärt, „Minerva“ und „Gartenlaube“ haben das Nachsehen.  Auch Lydia Mayer hat mehr oder weniger in letzter Minute zu Nadel und Faden gegriffen und eine schwarz-weiße Kopfbedeckung mit passend schwarzem Kleid kreiert.

Farbenfroh zeigt sich dagegen die Siegerin des Kinder-Hutwettbewerbs. Anna Brandl hat sich passenderweise für ein Pferdemodell entschieden, für ein „Regenbogen-Einhorn“.

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