Therme Erding Gut bedacht

Ein riesiges Dach für die Therme Erding

(Foto: Renate Schmidt)

Die Therme Erding feiert Richtfest für das Hotel Victory und das Wellenbad. Die Freizeitanlage hat ein Dach bekommen, das sich öffnen lässt und mehr als doppelt so groß ist wie die Fläche der Reichstagskuppel.

Von Thomas Daller

Das Richtfest glich einem feierlichen Stapellauf: Zwei gigantische Autokräne haben am Donnerstagnachmittag das riesige Glasdach für das neue Thermenhotel und das Wellenbad zentimetergenau nach oben gehoben und auf die Schienen gesetzt. Ein Dach, das sich öffnen lässt und mehr als doppelt so groß ist wie die Fläche der Reichstagskuppel. Unter diesem Dach befindet sich ein Hotel, das dem britischen Schlachtschiff HMS Victory nachempfunden ist und mit dem Eigentümer Josef Wund nach der Fertigstellung das "größte private Reiseziel des Kontinents" werden will: "Ich bin überzeugt, dass wir im Hotelbereich in wenigen Monaten Auslastungszahlen haben werden, von denen andere nur träumen."

Die Familie Wund hat seit der Eröffnung des Thermenparadieses im Oktober 1999 nahezu pausenlos erweitert und bislang 110 Millionen Euro investiert. Das Hotel mit Wellenbad und einer künstlichen Flussanbindung an den bestehenden Bereich ist aber nochmal ein gewaltiger Brocken: Weitere 75 Millionen Euro stecken in diesem Projekt. Im August soll es eröffnet werden.

Die ersten Zimmer oder vielmehr "Kabinen" sind bereits fertig und mit besonderem Komfort ausgestattet: Bäder aus poliertem Marmor und so genannte "Regenwaldduschen", für Geschäftsreisende gibt es auch Räume mit kompletter Office-Ausstattung. Der Blick auf den Innenhof soll ebenfalls spektakulär werden. Das Wellenbad soll von 300 Großpalmen umrahmt werden; im gesamten bisherigen Thermenbereich gibt es aktuell "nur" 150 Großpalmen. Wund hat nach eigenen Angaben Wissenschaftler beschäftigt, die sicherstellen sollten, dass dieser Palmenwald das richtige Mikroklima im Wurzelbereich halten kann.

111 Zimmer mit mehr als 400 Betten auf vier "Decks" bietet das "Hotel Victory". Ein Teil der Zimmer ist im Stil eines alten Segelschiffs holzvertäfelt, andere sehen aus wie das Innere einer modernen Hochseejacht. Das Wellenbad ist im übrigen nicht allein für die Hotelgäste gedacht: Jeder Gast des Thermenparadieses kann durch den neuen "Crazy River" dorthin schwimmen, ohne Aufpreis zu bezahlen. Damit erweitert die Therme nochmals ihre Wasserflächen, weil sie an manchen Tagen schon relativ voll sind.

Neben dem Hotel Victory, das mit Übernachtungspreisen ab 100 Euro pro Person lockt, gibt es noch einen Hoteltrakt, der im Stil eines venezianischen Palazzo gestaltet ist. Die Innenausstattung hebt sich mit noch edleren Hölzern und Stoffen vom Standardangebot ab und ist auch etwas teurer.

Beim Richtfest wies Josef Wund auf die Erfolgsgeschichte der Therme hin: In Deutschland gebe es etwa 4000 Bäder und nur zwölf davon würden keine Verluste machen, darunter die Therme Erding. 1,5 Millionen Besucher zählt die Therme pro Jahr, durch die Erweiterung kalkuliert Wund mit 200 000 Gästen zusätzlich. Die Therme wolle insbesondere Familien eine Alternative zur teuren Fernreise bieten: "Die schönste Malediveninsel, die es unter Glas gibt."

Nach all den Superlativen bei der Gästeführung und der Ansprache Wunds wurde auch das Aufsetzen des am Boden montierten Glasdachs imposant arrangiert: mit "Ode an die Freude" aus den Lautsprechern, dann Bolero und schließlich "Also sprach Zarathustra". Das Hunderte Tonnen schwere Ungetüm wurde mit 20 Schrauben vom Kaliber M30 an Stahlträgern befestigt und von zwei Autokränen langsam in die Höhe gezogen. Weil es keine Autokräne gab, die diese Last heben konnten, hat Wund zwei riesige Spezialkräne gemietet, die noch gar nicht fertig montiert waren und nach diesem Gewaltakt zur Restmontage zurück ins Werk mussten. Als das riesige Glasdach majestätisch gen Himmel schwebte, wirkte es wie der Stapellauf eines Raumschiffs in einem "Star Trek"-Film. Ganz großes Kino eben.