Erding Grüne stellen sich neu auf

Florian Geiger und Eckhard Engel lösen Günther Kuhn ab, der nach 16 Jahren als Sprecher des Kreisvorstands nicht mehr kandidiert. Helga Stieglmeier bleibt in der ersten Reihe

Von Cornelia Weber

- Bei der Jahreshauptversammlung des Erdinger Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen im Gasthof Mayr-Wirt hat sich fast alles um personelle Veränderungen gedreht: Die Mitglieder wählten einstimmig zwei neue Vorstandssprecher und drei neue Beisitzer. Nach 16 Jahren kandidierte Günther Kuhn nicht erneut als Sprecher, ließ sich für sein Engagement danken - und sich als Beisitzer wählen.

"Die Arbeit war manchmal mühsam", begann Kuhn seinen kurzen Rückblick auf seine Zeit als Vorstandssprecher. "Aber es hat mir immer Freude gemacht", fuhr er fort. Er betonte Erfolge der Grünen - auch auf Kreisebene - und verwies dabei auf die zentralen Themen, die seine Amtszeit begleiteten: Verkehr, Energiewende und Atomausstieg. Auch sei die Zahl der Mitgliedern im Kreisverband in diesen Zeitraum gestiegen, so Kuhn: 47 Mitglieder verzeichnete der Kreisverband 1996, heuer sind es 80. Dabei gab er sich bescheiden.

Große Verabschiedungen möge er nicht, sagte Helga Stieglmeier, die Vorstandssprecherin bleibt, über den Parteifreund und fand persönliche Worte zum Dank: "Er ist ein sehr sachlicher und kompetenter Mensch, der nie aus der Haut fährt." Doch er könne auch stur sein: "Wenn er etwas nicht will, dann helfen keine Argumente", weiß sie aus der gemeinsamen Zusammenarbeit. Dabei verriet sie, wie wenig sie selbst in ihrer Anfangszeit wahrgenommen wurde - neben Kuhn. Doch darüber kann sich die Vorstandssprecherin heute nicht mehr beklagen: Geschlossen steht der Ortsverband hinter Stieglmeiers Kandidatur zur Parteirätin, wie am Ende der Versammlung per Handzeichen deutlich wurde.

Einig sind sich die fünfzehn Anwesenden bei allen Wahlen: Kuhns Nachfolge treten Eckhard Engel und Florian Geiger an. Helga Stieglmeier bleibt ohne Abstimmung im Vorstand. Engel, der 62-jährige Ingenieur im Ruhestand, gehört zum Trio der Dorfener Ortssprecher der Grünen. Für besonders wichtig hält er die Themen Energiewende und Informationsfreiheitsgesetz. Geiger ist wie Engel dreifacher Vater. Der 33-jährige Isener arbeitet für die Caritas in München im Bereich der Koordination von Freiwilligenarbeit.

Rückmeldungen seien unabdingbar, betonte er kurz vor der Abstimmung: "Als euer Sprecher muss ich wissen, was euch wichtig ist." Er wolle mit den Parteikollegen diskutieren und mit ihnen lernen, warb er um seine Person. "Wir wollen die Aufgaben auf mehreren Schultern aufteilen und so den Vorstand entlasten", begründete Stieglmeier die personelle Erweiterung. Dies gilt auch für die neuen Beisitzer: Stefan Gentschew kandidierte aufgrund beruflicher Auslastung nicht erneut, Stephan Glaubitz bleibt im Amt. Ann-Kathrin Löblein und Christoph Sticha bereichern künftig den Vorstand als Beisitzer.

Schon "zu Bündniszeiten", zur Wendezeit, habe sich die 42-jährige Berlinerin Löblein aktiv bei den Grünen engagiert. Seit sieben Jahren ist sie mittlerweile im Erdinger Kreisverband. Ihr Steckenpferd sei, aus der Stadt Erding eine "Stadt des fairen Handels" zu machen. Dabei schwebt ihr der Erwerb des kostenlosen Transfersiegels "Fair-Trade-Town" vor. Mit Sticha kommt frischer Wind in den Kreisverband: Der Wartenberger ist 17 und besucht die 12. Klasse eines Gymnasiums. Zur Grünen Jugend kam er über Demonstrationen zur Verhinderung der dritten Startbahn. Sein Ziel: die Jugend im Landkreis für grüne Ideen zu begeistern. Dritter Beisitzer wird Kuhn.

Für die Superwahljahre 2013/14 mit Kommunal- und Europawahl prognostiziert Stieglmeier einen Wahlerfolg im zweistelligen Bereich. Die Grünen seien eine "Partei für Europa", dies zeige sich auch auf Kreisebene, so die Sprecherin. Kritisch wertete sie eine mögliche Koalition mit den Freien Wählern, die grünen Grundpositionen widersprächen und vielmehr "irrlichtern" und ihre Wähler "am rechten Rand fischen".