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Erding:Gotz muss in die Stichwahl

Ganz so überrascht wie Erdings OB Max Gotz (Mitte) schaut, ist er wohl nicht gewesen, dass er in die Stichwahl muss.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Tunnel am Rathaus war ein wichtiges Thema

"Schön, aber nicht sehr schön." Das sagte Erdings OB Max Gotz (CSU) über das Ergebnis der Wahl zum Oberbürgermeister, das ihn in die Stichwahl zwingt, anders als vor sechs Jahren. Mit 48,91 Prozent der Stimmen hat Gotz die absolute Mehrheit knapp verpasst. In der Stichwahl wird er es mit Petra Bauernfeind zu tun bekommen, der Kandidatin der Freien Wähler, die auf 22,27 Prozent gekommen ist. Thomas Schmidbauer (Erding Jetzt) kam auf 19,10 Prozent, der SPD-Kandidat Alexander Gutwill auf 9,72 Prozent.

Sein Bauchgefühl habe es ihm schon gesagt, dass es mit der absoluten Mehrheit im ersten Wahlgang nichts werde, sagte Gotz. Im Gegensatz zur Wahl 2014 hatte er drei Gegenkandidaten. Vor sechs Jahren waren es nur zwei, nachdem der in Erding nicht nur wegen seines Engagements bei der Feuerwehr fest verwurzelte SPD-Politiker Hans Schmidmayer seine Kandidatur nach dem schweren Unfall seines Sohnes zurückgezogen hatte. Gotz hatte 2014 stolze 62,7 Prozent errungen. Bauernfeind hat sich im Vergleich zu 2014 leicht verbessert: von 21,1 auf 22,27 Prozent. Für Erding Jetzt war vor sechs Jahren Hans Egger antreten und errang mit 16 Prozent ein etwas schlechteres Ergebnis als Schmidbauer.

Dass es kein "sehr schönes" Wahlergebnis für ihn geworden ist, liege zum Teil am bayernweiten Trend, sagte Gotz, wo die CSU weit entfernt sei von den knapp 49 Prozent, die er erreicht habe. Zum anderen Teil sei es aber auch "der Tunnel" gewesen. Der Tunnel, den die Stadt Erding zwischen dem Rathaus und dem Erweiterungsbau auf der anderen Seite des Landshuter Straße errichtet. Bauernfeind sah den Tunnel kritisch, stimmte aber am Ende doch zu. Schmidbauer hatte sich im Wahlkampf gegen das Projekt ausgesprochen so wie auch der SPD-Kandidat Alexander Gutwill. Die falsche Entscheidung sei es trotzdem nicht gewesen, sagte Gotz. Als Amtsinhaber sei es auch seine Aufgabe, "die Dinge nach außen zu vertreten und Kopf hinzuhalten". Wenn er gebaut ist, dann würde man schon sehen, dass man davon einen Nutzen habe.

Auch Petra Bauernfeind ist der Auffassung, dass der Tunnel über die Wahl mitentschieden habe. Sie habe zwar nur mit schwerem Herzen, dann aber doch für den Bau gestimmt. "Das war ein Thema, das die Leute sehr bewegt hat." Sie ist überzeugt davon, dass das Gotz und ihr Stimmen gekostet und Thomas Schmidbauer Stimmen gebracht habe. Überrascht und erfreut sei sie aber, dass sie in die Stichwahl gekommen sei. "Ein möglichst knappes Ergebnis", das setzt sie sich zum Ziel. Dass sie Gotz bezwingen wird, hält sie hingegen für "eher unwahrscheinlich". Vor allem aber werde sich der Wahlkampf elementar von dem bisherigen unterscheiden. Von Angesicht zu Angesicht wird man, wie sie sagt, kaum mit den Wählern in Kontakt kommen, weil wegen der Corona-Krise die Menschen zu Hause blieben.

Bekannt war am Sonntagabend noch nicht die Verteilung der Stadtratssitze. Nach 12 von 47 Schnellmeldungen sah es so aus, als wenn die CSU deutlich an der absoluten Mehrheit vorbeischrammt, sie hatte 36,76 Prozent, was 14 Sitze einbringen würde - drei weniger als jetzt. Die Freien Wähler hatten zu diesem Zeitpunkt 17,77 Prozent, die Grünen 14,12 und Erding Jetzt 12,8 Prozent. SPD, ÖDP, FDP und AfD lieffen unter ferner liefen. Auch ihre genaue Anzahl der Sitze war zum Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

© SZ vom 16.03.2020

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