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Erding:Getöse rund um die Uhr

Maisernte auch an Sonn- und Feiertagen erbost Anwohner

Mähdrescher im Maisfeld

Wenn die Mähdrescher Tag und Nacht fahren, dann macht das den Anwohnern zu schaffen.

(Foto: STA Franz X. Fuchs)

- Weil für Biogasanlagen immer mehr Mais angebaut wird, bringt auch die Maisernte Konflikte mit sich: Bei der Bürgerversammlung in Taufkirchen war ein Bürger so erbost darüber, dass auch an Sonn- und Feiertagen sowie nachts mit großen, lauten Erntemaschinen gearbeitet wurde, dass er das nächste Mal Anzeige bei der Polizei erstatten will.

Josef Aigner monierte, dass in seiner unmittelbaren Nachbarschaft in Atting vom 1. bis 3. Oktober die Feiertags- und Nachtruhe vehement gestört worden sei. Vier Traktoren seien "rund um die Uhr gefahren"; von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens sei Mais gehäckselt worden: "Wir hatten unser Enkelkind da. An Schlaf war nicht zu denken. Gegen ein Uhr nachts haben wir es dann nach Velden zur Mutter gefahren." Die Landwirte seien Vollgas gefahren, weil die Fahrzeuge schwer beladen seien: "Die Räder wühlen sich in den Kies rein und machen die Straße kaputt."

Er habe sich danach beim Landratsamt beschwert, wo man ihm erklärt habe, dass man für die Landwirtschaft nicht zuständig sei. Wenn es witterungsbedingt erforderlich sei, könnten Landwirte während der Ernte auch an Sonn- und Feiertagen fahren oder die Nachtstunden nutzen. Aigner monierte, dass diese Ausnahmeregelungen für die Landwirtschaft missbraucht würden: "Diese Biogasanlagenbetreiber sind ja faktisch Gewerbetreibende. Landratsamt, Gemeinde und Polizei sollten sich dieser Unvernunft entgegenstellen." Außerdem greife der Hinweis auf witterungsbedingte Eile bei der Ernte nicht: An besagtem Wochenende sei kein Wetterumschwung prognostiziert gewesen. Er habe kein Verständnis mehr dafür, dass sich Gewerbetreibende an Auflagen halten müssten, aber Landwirte könnten sich alles erlauben. Das nächste Mal werde er sich nicht mehr an die Gewerbeaufsicht wenden, sondern direkt an die Polizei.

Bürgermeister Franz Hofstetter versuchte den Mann zu besänftigen: "Ich kann nicht erkennen, dass Landwirte anderen in Taufkirchen in einem übertriebenen Maß das Leben zur Hölle machen." Er sagte, dass die TA Lärm (technische Anleitung zum Schutz vor Lärm) bei landwirtschaftlichen Anlagen grundsätzlich nicht anzuwenden sei. "Erntearbeiten sind auch in der Nacht zulässig, sofern sie unaufschiebbar sind." Die Landwirte seien jedoch bemüht, die Ernte schnell einzubringen; es handele sich meist nur um eine Woche. Hofstetter räumte ein, dass in der Landwirtschaft aufgrund der Technisierung eine Konzentration erfolge und die Betriebe immer größer würden. Für den einzelnen Betrieb falle immer mehr Arbeit an. Er appellierte an die Landwirte die Nachbarn, die vom Lärm betroffen seien, vernünftig miteinander umzugehen und mehr Toleranz zu zeigen. Sonst werde in der Gemeinde ein Klima entstehen, in dem man sich nicht wohlfühle.