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Erding:Ganz oben steht die Nachhaltigkeit

Die SPD im Landkreis formuliert im Wahljahr Forderungen für die Verkehr- und Energiepolitik

Im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs der SPD in der voll besetzten Stadthalle sind am Sonntag die Themen Klimaschutz, Flüchtlingshilfe und der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) gestanden. "Wir Sozialdemokraten legen den Fokus auf das Soziale, wir brauchen zudem Nachhaltigkeit beim Umwelt- und Klimaschutz", sagte der SPD-Kreisvorsitzende und Bürgermeister- und Kreistagskandidat Martin Kern aus Buch am Buchrain. Er forderte "nachhaltige und soziale Klima- und Kommunalpolitik". Energiewende und Klimaneutralität sollten im Landkreis bis 2035 umgesetzt werden, fügte die SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Ulla Dieckmann, an.

Dieckmann ist die Spitzenkandidatin der SPD für den Kreistag. Auch sie forderte eine nachhaltige Klimapolitik, und dafür bekam sie parteiübergreifend Zustimmung. Unter den klatschenden Gästen die Grünen-Kreischefin Helga Stieglmeier, Erdings OB Max Gotz, Landrat Martin Bayerstorfer (beide CSU) und der Landratskandidaten von Freien Wählern, Grünen und SPD, Hans Schreiner, sowie die frühere SPD-Landtagsabgeordnete des Landkreises Erding, Hildegard Kronawitter. Dieckmann sprach sich auch für den Ausbau des ÖPNV aus und forderte eine Zweigleisigkeit für die S-Bahn zwischen Markt Schwaben und Erding. Sie bedauere, dass nach der Eröffnung der A94-Isentaltrasse auch in Orten mit Bahnanschluss viele Pendler auf das Auto umgestiegen seien. Weitere Forderungen der SPD im Landkreis sind demnach bezahlbare Wohnungen, der Ausbau der Schulsozialarbeit und weitere Investitionen in die Bildung und ein Gesamtkonzept für Seniorenarbeit aus.

"Wir müssen so handeln, dass es auch für die nächste Generation noch passt", fügte Gertrud Eichinger an, dritte Landrätin und Finsinger SPD-Bürgermeisterkandidatin. Sie sagte, sie sei froh, dass junge Leute auch in Erding bei Fridays for Future neuen Schwung in die politische Debatte brächten. Die 17-jährigen Schülersprecher Jana Schröder und Tobias Hupfer von Fridays for Future diskutierten vor der Bühne bei der vom Kreisrat und Taufkirchener Bürgermeisterkandidaten Manfred Slawny moderierten Diskussionsrunde mit Dieckmann, Schreiner und dem umweltpolitischen Sprecher der SPD im Landtag, Florian von Brunn über den Klimaschutz. Für ihr couragiertes Auftreten erhielten sie viel Applaus. Die Gymnasiasten berichteten von einem mit Wissenschaftlern erstellten 14-seitigen-Forderungspapier für Erding. Sie fordern eine autofreie Innenstadt bis 2025 und den Ausbau des ÖPNV. Busse sollten künftig im Stundentakt auch in kleinere Orte des Landkreises fahren. Landratskandidat Schreiner sagte dazu, dass er sich zumindest für Busse im Stundentakt zu allen Zentren im Landkreis einsetzen wolle. "Es wird Zeit, dass sich etwas tut. Wir machen solange weiter, bis wir gehört werden", erwiderten die jungen Leute. In Erding müsse der Klimanotstand ausgerufen werden. Großprojekte müssten kritisch im Hinblick auf Klimafragen unter die Lupe genommen und die geplante dritte Startbahn strikt abgelehnt werden.

Die Ideen von Florian von Brunn, stellvertretender Vorsitzenden der Münchner SPD, fanden die Schüler gut. Er forderte eine rasche Energiewende und eine Abkehr vom "fossilen Wirtschaften". Die Politik müsse Probleme wie den Zusammenhang von Treibhausgasen mit der Überhitzung der Erde offen diskutieren. Die Klimafolgen seien fatal und Küstenregionen mit Metropolen in Gefahr, Deiche seien zu niedrig. Umweltpolitik und intakte Natur sei eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Der 50-jährige frühere IT-Berater von Brunn setzt auf Handeln und Zuversicht, wie er sagte. Er forderte auf Landes- und Bundesebene eine bessere Förderung erneuerbarer Energien, Geld für die Schiene und den ÖPNV sowie emissionsfreie E-Fahrzeuge. Zudem forderte er eine regionale Lebensmittelversorgung ohne lange Transportwege und eine umweltfreundliche Landwirtschaft ohne Massentierhaltung. Steigende Meeresspiegel könnten neue Flüchtlingswellen auslösen, warnte er.

Sabrina Tarantik, die Vorsitzende des 2015 gegründeten Vereins Flüchtlingshilfe Erding, erhielt den Sozialpreis 2020 der Erdinger SPD. In Erding nicht benötigte Sachspenden werden in Kinderheime in Rumänien, ins Krisengebiet der Ukraine oder in den Norden des Iraks transportiert. Weil mittlerweile nicht mehr so viele Flüchtlinge kommen, hilft der Verein allen in Not geratenen Menschen.

© SZ vom 22.01.2020
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