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Erding:"Frühjahrsputz" im Garten muss warten

Zu viel Ordnung schadet der Artenvielfalt, sagt der Bund Naturschutz. Igel würden oft bis Ende April noch schlafen

Obwohl der Frühling erste Fühler ausstreckt, warnt der Bund Naturschutz (BN) zu früh mit dem "Frühjahrsputz" im eigenen Garten zu beginnen - der Natur zu Liebe. Blühende Blumen und Hecken würden nicht nur die neue Jahreszeit ankündigen, sondern auch für Bienen eine wichtige Rolle spielen. Während Vögel die milden Temperaturen genießen und auf Nistplatzsuche gehen, schlafen viel Igel weiterhin unter dem Laub. Auch Insekten brauchen die Laubschicht auf dem Boden, die sie vor kalten Nächten schützt. Der große Frühjahrsputz sollte deshalb noch warten und auch später so schonend wie möglich stattfinden. Denn Spätfröste kommen bestimmt. "Außerdem werden bei einem zu frühen Rückschnitt der Pflanzen und dem Entfernen des Laubes alle darin überwinternden Insekten mitentsorgt", sagt Gabriele Betzmeir, die BN-Kreisvorsitzende.

Frühblüher sind nicht nur schön anzusehen, sie dienen auch unseren Insekten als erste Nahrungsquelle. "Je nach Witterung verlassen Honigbienen, Wildbienen und die ersten Hummelköniginnen im Februar ihr Winterversteck und gehen auf Futtersuche", sagt Betzmeir. "Erste Hummeln und Zitronenfalter konnten wir dieses Jahr schon beobachten." Wichtige Quellen für Pollen und Nektar seien derzeit Schneeglöckchen, Huflattich, Krokusse und Winterlinge. Auch Sträucher und Bäume wie Haselnuss und Kornelkirsche können schon im Februar blühen und seien bedeutende Futterpflanzen, die in keinem Garten fehlen sollten. Im März komme dann ein richtiges "Superfood" für Insekten hinzu: die Salweide. An ihr lassen sich 34 pollen- oder nektarsammelnde Wildbienenarten finden.

Mit dem Vorfrühling kommen laut Betzmeir auch die ersten Zugvögel aus dem Süden zurück und erkunden mögliche Nistplätze. Ältere Bäume mit Baumhöhlen oder dichte Hecken mit Schlehen, Wildrosen und Weißdorn bieten ideale Brutmöglichkeiten. Fehlten diese Strukturen, kann man zumindest den Höhlenbrütern mit einem Nistkasten helfen. Aber nicht jeder Kasten passe zu jedem Vogel Jede Vogelart habe andere Ansprüche und bevorzuge bestimmte Nistkastenformen und Größen der Einfluglöcher. "Neben den Standard-Meisenkästen ist es auch sinnvoll, spezielle Nisthilfen für Gebäudebrüter, Gartenschläfer oder Fledermäuse anzubieten", empfiehlt der Artenschutz-Experte des BN Sascha Alexander. Das mache Spaß und schaffe neue Strukturen im Garten.

Erst wenn die Außentemperaturen um die zehn Grad Celsius liegen, erwachen die ersten Igel aus dem Winterschlaf. Die Männchen ein paar Wochen früher als die Weibchen. Manche Tiere nutzen die wärmeren Temperaturen, wechseln das Winterquartier und ziehen sich dann noch Mal zurück. "Nur wenige Igel sind jetzt aktiv, da es kaum Nahrung gibt. Die meisten Igel warten lieber ab, bis mehr Insekten und Laufkäfer unterwegs sind", sagt Alexander. In vielen Regionen Bayerns würden Igel bis Ende April schlafen. Werden sie durch Gartenarbeiten zum Aufwachen gezwungen, bedeute das enormen Stress für die Tiere. Um besondere Vorsicht bittet der BN beim Umsetzen des Kompostes, da gerade dort gerne Igel überwintern.

"Auch, wenn die Sonnentageden Wunsch nach Frische und Ordnung wecken, kann der Frühjahrsputz im Garten warten. Alte Blütenstauden und vertrocknete Gräser schützen nämlich das junge Grün vor gefährlichen Spätfrösten", erklärt Betzmeir. Ebenso befinden sich noch viele Insekten gut geschützt unter der Streuschicht im Boden oder in hohlen Ästen und Pflanzenstängeln. Ein groß angelegter Frühjahrsputz schade deshalb der Artenvielfalt im Garten. Besser sei es, bestimmte Pflanzen individuell zu pflegen und erst ab Mitte März schonende Rückschnitte abgestorbener Pflanzen vorzunehmen.

Mehr Informationen sind unter www.bund-naturschutz.de zu finden.

© SZ vom 08.03.2021 / wil
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