Erding Freundlich, offen und direkt

Gisela van der Heijden ist die neue BRK-Geschäftsführerin in Erding und will das auch bis zur Rente bleiben

Von Charlotte Theile

Wenn Gisela van der Heijden ihren Skoda mit dem Lüneburger Kennzeichen durch die Gegend um Moosburg steuert, hängt alles am Navigationsgerät. "Ohne das Ding würde ich mein eigenes Haus nicht finden", sagt die 52-Jährige, die am Montag ihre Stelle als Geschäftsführerin beim Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Erding antritt. Ihr Haus im kleinen Örtchen Pfrombach hat sie ebenfalls erst seit kurzem. Vor fünf Tagen ist van der Heijden mit ihrem Mann eingezogen. Unglaublicherweise stehen in der Wohnung keine Kisten oder halb aufgebauten Schränke herum. Den Besucher erwartet ein freundliches, fertig eingerichtetes Arbeitszimmer, eine komplett dekorierte Küche, Zierdecken, die auf dem Esstisch drapiert sind. "Wir haben schon geschuftet" sagt van der Heijden lapidar, mehr Beachtung will sie der Einrichtung offenbar nicht schenken.

Ein bewegtes Berufsleben hat Gisela van der Heijden bereits hinter sich, nun will sie bleiben.

(Foto: Renate Schmidt)

Lieber spricht die ehemalige Unternehmensberaterin über ihre beruflichen Vorstellungen. Mit der neuen Stelle in Erding hat sie sich einiges vorgenommen. In den letzten Jahren hat van der Heijden in unterschiedlichen sozialen Einrichtungen gearbeitet. Zuletzt in Lüneburg, wo sie die Sucht- und Jugendhilfe führte. "Ein toller, aber sehr anstrengender Job" sagt sie und zeigt ein Buch, das ihr die Arbeitskollegen zum Abschied schenkten. Nur eineinhalb Jahre leitete sie die Lüneburger Jugendhilfe. Der Grund: Die Managerin, die schon Erfahrung im Sanieren von Betrieben hatte, hat ihre eigene Stelle wegrationalisiert. "Zwei Geschäftsführer konnte sich die Jugendhilfe nicht mehr leisten, das wäre auf Kosten der Beschäftigten gegangen." Auf diese Erkenntnis folgte der Entschluss, selbst zu gehen.

Beim BRK in Erding traf sie auf einen Vorstand, den ihr Profil überzeugte. Van der Heijden hat einen Master in Social Management, kennt sich mit betriebswirtschaftlichen Fragen, Mitarbeiterführung und der Wohlfahrtspflege an sich aus. Sie ist jemand, der auf Menschen zugeht und sich in sie hineinversetzt. Genau so jemanden suchten die Verantwortlichen in Erding. Von ihrem Vorgänger Stephan Klauert hatte sich das BRK wegen interner Dissonanzen getrennt.

In den paar Tagen, die sie erst in Pfrombach wohnt, hat sie bereits einige Nachbarn kennengelernt und Beobachtungen zur bayerischen Mentalität gemacht: Freundlich, offen und direkter als die Niedersachsen seien die Menschen um sie herum. Das gefällt ihr. Als Leiterin des BRK muss sie im Ort präsent sein, sich auch mal in Diskussionen einmischen. Das Erdinger Altstadtfest am Wochenende wird sie besuchen - obwohl auch ohnedies genug Stress da wäre. Doch Stress scheint van der Heijden gewöhnt zu sein.

Schon mit 18 Jahren heiratete sie, bekam in den Jahren darauf vier Kinder. Mit 29 holte sie ihr Abitur an der Abendschule nach und ließ sich bei der Südwestpresse in ihrem Heimatort Laichingen zur Redakteurin ausbilden. Danach leitete sie ein Wochenblatt und eine Tageszeitung, nebenher studierte sie Betriebswirtschaftslehre, "um die Abläufe in meinem Betrieb besser zu verstehen." Über Organisation und Leitung kam sie zu ihrem ersten Geschäftsführerposten und orientierte sich fortan in diese Richtung. Bei der Stiftung Finneck im thüringischen Rastenberg war sie für 1200 Menschen mit Behinderung verantwortlich. Auch ihre Doktorarbeit, an der sie neben der Vollzeitstelle schreibt, wird sich mit behinderten Menschen und dem ersten Arbeitsmarkt beschäftigen.

In Erding will die 52-Jährige, die in Zukunft für etwa 70 hauptamtliche und viele ehrenamtliche Mitarbeiter verantwortlich ist, zunächst alle Bereich des BRK kennenlernen. Dafür wird sie ein paar Tage bei Wasserwacht, Rettungsdienst und bei den Sanitätern zuschauen. Van der Heijden freut sich auf die neue Stelle: Nach all den Wechseln und Umzügen, hofft sie nun, bis zu ihrem Ruhestand zu bleiben. Es scheint also, als hätte der Vorstand des BRK eine gute Wahl getroffen. Und auch der Skoda ist bald Geschichte: Der neue Dienstwagen wird, "landestypisch" ein BMW sein - mit Navigationsgerät versteht sich.