Frauenhaus Wie geht es nach dem Aufenthalt weiter?

Die Einrichtung ist kontinuierlich voll belegt, weil die Bewohnerinnen keine erschwingliche Unterkunft finden. Die CSU schlägt eine ambulante Wohngemeinschaft vor und will das nun prüfen lassen

Von Thomas Daller, Landkreis

Frauenhäuser sollen in akuten Notfällen vorübergehenden Schutz und auch Anonymität bieten, damit Frauen von ihren Peinigern nicht gefunden werden können. Das Frauenhaus des Landkreises Erding ist jedoch kontinuierlich voll belegt. Viele Frauen finden im Anschluss an ihren Aufenthalt kaum eine Wohnung, weil sie auch finanziell häufig am Ende sind. Dadurch bleiben Plätze belegt, die in Akutfällen dringend gebraucht werden. Die CSU-Kreistagsfraktion hat dazu nun im Kreisausschuss einen Prüfantrag eingereicht: Sie will wissen, ob die Möglichkeit besteht, Unterkünfte für Frauen anzumieten, für die die intensive Betreuung in der geschützten Einrichtung nicht mehr notwendig ist. Das Rote Kreuz als Träger des Frauenhauses hat bereits ein Konzept für eine leer stehende Immobilie erstellt.

Seit vielen Jahren gestaltet sich die Verweildauer im Frauenhaus insbesondere wegen des angespannten Wohnungsmarktes länger als notwendig. Die Aufenthaltsdauer variiert zwischen zwei und zwölf Monaten. 2018 lag sie im Durchschnitt bei fünf Monaten. Eine betreute Übergangslösung könnte hier Entlastung bringen, gehört allerdings nicht zum Aufgabenspektrum eines Frauenhauses. Diese Einrichtungen sollen laut Förderrichtlinien misshandelten oder von Misshandlung bedrohten Frauen und ihren Kindern jederzeit eine sichere Unterkunft und beratende Hilfe bieten. Hingegen ist es nicht ihre Aufgabe, Wohnungsnot zu bekämpfen.

Darauf zielt nun die CSU-Kreistagsfraktion ab, die einen reinen Prüfantrag gestellt hat, weil sowohl die rechtliche Situation als auch die Folgen einer Abwägung bedürfen. Der Vorlagebericht im Kreisausschuss bringt dazu einige Probleme auf den Punkt: "Die Verweildauer in einem Übergangsheim für bis zu sechs Monate brächte gegebenenfalls vorübergehend Entlastung, wobei fraglich ist, ob die betroffenen Frauen überhaupt Wohnungen finden, die sie sich leisten können und wollen. Problematisch sind dabei zum einen die hohen Mietpreise, zum anderen werden auf dem Mietmarkt nur relativ wenige kleine Objekte angeboten. Das Thema Obdachlosigkeit würde sich unter Umständen damit auf die Kommune des Übergangswohnheims verlagern."

Mit anderen Worten: Man behebt das Problem keineswegs, sondern schiebt es nur hinaus, indem man nach dem Frauenhaus eine ambulante Wohngemeinschaft an anderer Stelle nachschaltet. In der Theorie könnten die Frauen in diesen Wohngemeinschaften aus einem sicheren Umfeld heraus ein Leben außerhalb des familiären Umfelds auf die Beine stellen und ohne Druck eine Wohnung suchen. Gelänge ihnen das jedoch nicht, müsste sich diejenige Kommune, in der die Immobilie für das Übergangswohnheim angemietet wird, um diese Frauen kümmern, die dann von Obdachlosigkeit bedroht wären.

Da das Frauenhaus in die Zuständigkeit des Landkreises Erding fällt und auch der Landkreis Ebersberg in Ermangelung eines eigenen Frauenhauses sich daran finanziell beteiligt, wäre es unangemessen, die Problematik der Obdachlosigkeit einer einzelnen Kommune im Landkreis aufzubürden. Auch in diesem Punkt müsste der Prüfantrag zu einer Lösung kommen, die so ein Konstrukt vermeiden könnte.

Erleichtert wird der Prüfantrag, weil man nicht einfach ins Blaue plant, sondern ein leer stehendes Objekt bereits im Auge hat. Name und Adresse sollen an dieser Stelle nicht genannt werden, um es im Falle einer Realisierung stalkenden Männern nicht zu einfach zu machen, es zu finden. Aber das Objekt liegt dennoch so exponiert, dass man die Nutzung kaum verschleiern könnte. Das wurde auch im Vorlagebericht im Kreisausschuss thematisiert. Demnach sei diese Form des ambulanten Wohnens nur für Frauen geeignet, bei denen keine Notwendigkeit der Anonymität des Standorts bestehe.

Der Kreisausschuss hat in öffentlicher Sitzung den Prüfauftrag angesichts der aktuellen Auslastungslage des Frauenhauses einstimmig beschlossen. Zudem soll die Verwaltung auch beim Landkreis Ebersberg anfragen, ob er sich an dem Projekt beteiligen will.