Frauen mit GeschichteSpäte Ehre für frühe Vorbilder

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Mit einer Gedenktafel wird in Erding Maria Adelheid Gräfin von Rivera gewürdigt. Insgesamt 140  starke  Frauen werden künftig landesweit ebenfalls mit einer Plakette sichtbar gemacht.
Mit einer Gedenktafel wird in Erding Maria Adelheid Gräfin von Rivera gewürdigt. Insgesamt 140  starke  Frauen werden künftig landesweit ebenfalls mit einer Plakette sichtbar gemacht. Renate Schmidt
  • Das bayerische Sozialministerium macht mit der Initiative „Frauen-Orte" 140 starke Frauen aus der bayerischen Geschichte vom Mittelalter bis heute sichtbar.
  • In Erding wurde eine Gedenktafel für Maria Adelheid von Rivera eingeweiht, die 1712 das Palais Rivera erbauen ließ und 1722 Erdings erstes Waisenhaus gründete.
  • Alle 140 Frauen sollen sukzessive mit Plaketten im öffentlichen Raum gewürdigt werden, um ihre Leistungen in Kunst, Wissenschaft und Politik sichtbar zu machen.
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Wer war Adelheid von Rivera? Und wer Kathi Littich und Julia Kerschensteiner? Es gibt in der Geschichte Bayerns viele starke Frauen, doch viele Menschen kennen sie nicht. In Erding soll sich das jetzt ändern – und nicht nur dort.

Von Regina Bluhme, Erding

Das Palais Rivera steht in Erding an der Hauptverkehrsader Münchener Straße. Hier kommen täglich Hunderte Menschen vorbei. Ob sie auch mal stehen bleiben, um die neue Plakette an der Hausmauer zu begutachten? Dann könnten sie erfahren, woher das Palais seinen Namen hat und wer Maria Adelheid von Rivera war: Eine von 140 starken, engagierten Frauen in Bayern, deren außergewöhnliches Lebenswerk viele Menschen nicht kennen. Aber das soll sich jetzt ändern.

Dahinter steht eine Initiative, die vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales ins Leben gerufen worden ist. Die Online-Plattform „FrauenOrte“ präsentiert Lebensgeschichten von Frauenpersönlichkeiten. Ein wissenschaftlicher Beirat hat laut Sozialministerium 140 Frauen aus ganz Bayern vom frühen Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert hinweg ausgewählt: Von Therese Wagner aus München, die als Witwe mit fünf Kindern die Leitung der Augustiner Brauerei übernahm, über Hope Bridges Adams Lehmann, die erste Frau in Deutschland, die ihr Medizinstudium mit Staatsexamen abschloss, bis zur ehemaligen Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm.

Dazu gehören auch die Widerstandskämpferinnen Sophie Scholl aus München oder Lotte Banz aus Kochel, die Skirennläuferin Rosi Mittermaier aus Reit im Winkl, die Schriftstellerin Carola von Crailsheim aus Dachau, Brunhild Weber, die Leiterin einer landwirtschaftlichen Bildungsstätte aus Herrsching. Oder die Metzgermeisterin Kathi Littich aus dem niederbayerischen Ergoldsbach, die Schulleiterin Juli Kerschensteiner aus Schondorf am Ammersee, die Fotolaborantin Maria Seidenberger aus Hebertshausen.

Oder eben die Stifterin Maria Adelheid von Rivera (1648 bis 1725) aus Erding, die als Witwe geschäftliches Geschick bei der Verwaltung der zahlreichen Ländereien und großes Selbstbewusstsein bewies. 1712 ließ sich die Witwe ein prächtiges Wohnhaus an der Münchener Straße errichten. Bauherrinnen seien damals ausgesprochen selten gewesen, heißt es über die Gräfin auf der Plattform „Frauenorte“. Für den Bau konnte sie den damaligen Hofbaumeister des Kurfürsten, Giovanni Antonia Viscardi gewinnen. Dies zeige, dass sie über große finanzielle Mittel und erheblichen Einfluss verfügte.

Frauen sichtbar machen: Mit einer Gedenktafel wird das Engagement von Maria Adelheid Gräfin von Rivera gewürdigt. Im Bild Sozialministerin Ulrike Scharf und der Erdinger Oberbürgermeister Max Gotz an der Gedenktafel.
Frauen sichtbar machen: Mit einer Gedenktafel wird das Engagement von Maria Adelheid Gräfin von Rivera gewürdigt. Im Bild Sozialministerin Ulrike Scharf und der Erdinger Oberbürgermeister Max Gotz an der Gedenktafel. Renate Schmidt
Das repräsentative Palais Rivera an der Münchner Straße in Erding.
Das repräsentative Palais Rivera an der Münchner Straße in Erding. Renate Schmidt

Mit dem Palais bescherte sie Erding einen prächtigen Barockbau. Das Gebäude befindet sich heute im Besitz der Stadt Erding und ist an Büros vermietet. Die Gräfin tat sich aber auch als Wohltäterin hervor. Sie gründete 1722 Erdings erstes Waisenhaus, denn viele Kinder waren nach dem Spanischen Erbfolgekrieg verwaist. 15 von ihnen bekamen in Erding ein neues Zuhause. Anfangs leitete Gräfin von Rivera das Waisenhaus selbst.

Sukzessive sollen alle 140 Frauen beziehungsweise die „Frauenorte“ mit einem Signet öffentlich sichtbar gemacht werden. Eine der ersten Plaketten (mit QR-Code und mit zusätzlicher Braille-Schrift)  präsentierte jetzt die bayerische Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) in Erding vor dem Palais Rivera. Adelheid von Rivera sei ein „Vorbild für Selbstbestimmung und ein respektvolles Miteinander“, so Ulrike Scharf.

Es brauche eine „regionale Erinnerungskultur“ für starke Frauen

Die Plakette soll laut der bayerischen Sozialministerin zudem „Mut, Stärke und Tatkraft“ von Frauen im öffentlichen Raum sichtbar machen und zeigen, dass Frauen „Bayern in allen Epochen entscheidend mitgeprägt haben“, und sie in Bayern Großes geleistet haben – sei es in Kunst, Wissenschaft oder Politik. Diese Frauen seien Vorbilder für Gleichstellung und ein respektvolles Miteinander.

Mit Blick auf die kommende Kommunalwahl erklärte Ulrike Scharf, dass ihre Geschlechtsgenossinnen hier leider noch nicht so viel Sichtbarkeit zeigten. Umso mehr brauche es Vorbilder und „eine regionale Erinnerungskultur“ für starke Frauen. Mit der Einweihung der Plakette setze Erding ein deutliches Zeichen für Gleichberechtigung und Sichtbarkeit.

Erdings Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) ist sich mit seiner Parteikollegin einig: Es sei wichtig, „dass die Leistungen der Frauen stärker herausgehoben werden“, sagte er bei dem Termin mit Blick auf die Plakette. Viele Erdingerinnen und Erdinger würde zwar das Palais Rivera kennen, aber kaum die große soziale Leistung der Gräfin, die Waisenkindern die Chance auf ein einigermaßen würdevolles Leben gegeben habe.

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Um allen 140 Frauen ein Gesicht zu geben, wurden die Plaketten mit Porträts der jeweiligen Frauenpersönlichkeit versehen. Von Maria Adelheid von Rivera allerdings existiert kein Originalbild. Auch im Archiv und Museum in Erding habe sich nichts gefunden, wie Sozialministerium und die Stadt versichern. Das Bild von Gräfin Rivera ist nun ein stilisiertes Porträt, das dem Original nahekommen soll.

Aus Anlass des Internationalen Frauentags werden im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung des bayerischen Sozialministeriums und des bayerischen Landesfrauenrats ausgewählte Frauen mit Vorträgen von Elisabeth Sandmann und kurzen Lesungen der Schauspielerin Michaela May vorgestellt. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 5. März, um 18 Uhr im Pavillon „Y.OUR“ auf dem Campus der Hochschule Fresenius, Infanteriestraße 11a, in München statt.

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