Erding Familienförderung am Arbeitsplatz

Betriebseigene Kinderbetreuungseinrichtungen wünschen sich viele Eltern. Im Landkreis sind sie noch selten. Ausnahmen gibt es am Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen, am Flughafen und im Airport Business Park

Von Petra Schnirch und Sarah Schiek

Hmmmh, Apfelmus: Laurin, Lilly und Eric besuchen die Kinderkrippe am Flughafen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Start in den Tag ist meist hektisch genug - für Eltern ist es deshalb eine große Erleichterung, wenn sie keine großen Umwege zu Kinderkrippe oder Kindergarten in Kauf nehmen müssen. Einrichtungen in unmittelbarer Arbeitsplatz-Nähe aber sind noch immer ein Glücksfall; kaum ein Betrieb im Landkreis bietet eine eigene Kinderbetreuung an. "Wir sind mit dem Krippenausbau sehr gut vorangekommen, zu Beginn des Kindergartenjahres gab es keine Wartelisten mehr", sagt Alois Gabauer, Kindergartenreferent bei der Stadt Erding. Auch beim Klinikum Erding, das im vergangenen Jahr kurzzeitig mit einer privaten Tagespflege kooperiert hatte, besteht derzeit kein dringender Bedarf an einer betriebseigenen Betreuung. "Unsere Mitarbeiter kommen aus allen möglichen Landkreisen und suchen zuerst etwas in Wohnortnähe", sagt Pressesprecherin Daniela Fritzen. Ausnahmen gibt es trotzdem - bislang am Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen, am Flughafen und im Munich Airport Business Park in Hallbergmoos.

Isar-Amper-Klinikum

Eine zeitlich sehr variable Kinderbetreuung bietet das Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen seinen fast 660 Mitarbeitern an. Seit dem 1. September 2011 besteht ein Kooperationsvertrag mit der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde, in deren Kinderkrippe "Spatzennest" die Klinikmitarbeiter ihren Nachwuchs von 5.45 bis 18.15 Uhr betreuen lassen können. "Wir hatten eine Phase, wo es sehr viele Schwangerschaften bei uns im Haus gab, da haben wir reagieren müssen", sagt Franz Lex, Leiter der Personalabteilung des Klinikums. "Die Frühschicht bei unserem Pflegedienst beginnt um 6 Uhr, so können die Eltern ihre Kinder noch vor der Arbeit in der Krippe vorbeibringen." Für Mitarbeiter, die erst um 9 Uhr mit der Arbeit beginnen, habe die Krippe ihre Öffnungszeiten auch nach hinten hinaus verlängert.

Derzeit besuchen elf Buben und Mädchen von Klinik-Angestellten das "Spatzennest", das Kleinkinder im Alter von drei Monaten bis drei Jahren aufnimmt. "Unsere Mitarbeiter sind froh, dass es dieses Angebot gibt", erklärt der Personalverantwortliche. "Im Hinblick auf den drohenden Pflegenotstand ist es aber auch nötig, sich als attraktiver Arbeitgeber von anderen Häusern abzuheben." Aus diesem Grund, so Lex, habe man seit September vergangenen Jahres eine weitere Kooperationsvereinbarung mit dem Caritas-Mehrgenerationenhaus getroffen, dessen Kindertagesstätte ihre Öffnungszeiten seitdem von 6.45 bis 18.15 Uhr erweitert hat. Ein zweiter Vertrag mit Betreuungsbeginn um 5.45 sei außerdem in Arbeit.

Flughafen

Seit kurzem haben die "Airport-Hopser" am Flughafen ein eigenes Domizil. Bisher waren sie im Flight Operations Center der Lufthansa untergebracht. Nach einem Jahr Bauzeit konnte die Kinderkrippe im September in den Neubau am Besucherpark umziehen. Dort steht dem Team deutlich mehr Platz zur Verfügung. Deshalb können nun 48 statt wie bisher 30 Kinder betreut werden - und die Krippe wird bald schon wieder voll sein. Es gibt aber auch noch Spielraum nach oben. Das Gebäude, vom Freisinger Architekturbüro Deppisch in modularer Bauweise entworfen, lässt sich nach Angaben der Flughafengesellschaft (FMG) unkompliziert erweitern. Eine Krippe gibt es am Flughafen bereits seit Herbst 2006. Zehn Kinder zogen damals von einer Vorläufer-Einrichtung in Attaching ins Flight Operations Center. Nutzen können das Angebot Mitarbeiter der FMG, ihrer Töchter sowie am Flughafen ansässiger Unternehmen, sechs der betreuten Kinder kommen aus dem Landkreis Erding. Mehr als 5000 Flughafenbeschäftigte stammen laut der jüngsten Arbeitsstättenerhebung ebenfalls von dort. Die Betreuungszeiten der FMG-Krippe setzen Maßstäbe: Sie ist montags bis freitags von 6 bis 21 Uhr geöffnet, auch an Feiertagen, da ein großer Teil des Flughafenpersonals im Schichtdienst arbeitet. Träger ist der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes. Betreut werden Kinder im Alter von acht Wochen bis zu vier Jahren. Auch eine Notbetreuung bieten die Airport-Hopser an - wenn Tagesmutter oder Großeltern einmal ausfallen.

Munich Airport Business Park

Für die Mitarbeiter der etwa 200 Unternehmen im Hallbergmooser Gewerbepark sind zwölf Plätze in der Kinderkrippe Spatzennest reserviert, die gleich um die Ecke am Söldnermoos liegt. SAP hat sich dort sogar einkauft und drei Plätze für die Beschäftigten reserviert. Anfangs, nach der Eröffnung im Herbst 2011, sei die Resonanz sehr groß gewesen, einige Kinder habe man sogar abweisen müssen, sagt Sigrid Schwirtz, die in der Gemeindeverwaltung für die Kinderbetreuung zuständig ist. Inzwischen sei es für die Eltern leichter geworden, weil fast alle Gemeinden ihr Krippenangebot ausgebaut haben. Vermutlich Anfang April kommen weitere Plätze hinzu, denn es wird schon wieder gebaut: Eine private Investorin lässt im Business Park an der Lilienthalstraße 17a eine Kinderkrippe mit 48 Plätzen errichten. Zwölf davon sind für Kinder aus der Gemeinde reserviert. Bauherrin ist Christine Reischl, Tochter des Logistikunternehmers Georg Reischl, der auch Luftfracht transportiert. Weil die Gemeinde den Bedarf anerkennt, wird der Bau, wie auch im Fall der FMG-Krippe, staatlich gefördert. Die Trägerschaft wird die Innere Mission übernehmen.