Neun Teilnehmer sind zum Fahrrad- und Pedelec-Reparaturkurs im großen Saal der Volkshochschule Erding erschienen. Für Heijo Leisten vom ADFC-Kreisverband ist es bereits sein siebter als Kursleiter. Er ist Offizier im Ruhestand, hat sich Kenntnisse in einer Fahrradreparaturwerkstatt angeeignet und schließlich selbst einen kleinen Betrieb in Erding eröffnet. Seine Kurse sollen keine Akquise für seinen Betrieb sein, wie er betont: „Ich habe genug Kunden und will nicht noch mehr arbeiten.“ Er verstehe sich als Back-up, wenn man beim Reparieren an seine Grenzen komme.
Und diese Grenzen sollen die Teilnehmer bei diesem Kurs erweitern. In den drei Stunden an einem Samstagnachmittag wird man zwar nicht zum Fahrradmechaniker, aber es wird schon anspruchsvoll. An der Elektronik im Motor und der Software im Display sollte man nicht selbst herumbasteln, aber viele Pannen hängen mit der Mechanik zusammen, und da sind traditionelle Räder und Pedelecs vergleichbar anfällig und reparierbar.
Leisten betont, man solle nicht warten, bis etwas kaputtgeht, mit einer regelmäßigen Wartung könne man manche Reparaturen im Fachbetrieb vermeiden. Kleinigkeiten geben dabei oft den Ausschlag: Alle paar Wochen lockere Schrauben anziehen und kein Kettenspray verwenden, weil sich der Sprühnebel sonst auf der benachbarten Scheibenbremse niederschlägt und dort einen gefährlichen Schmierfilm bildet. Lieber einen Tropfen Feinöl oder Nähmaschinenöl verwenden, der nur auf der Kette landet.
Zudem sei es eine unterschätzte Schlamperei, mit zu wenig Luft im Reifen zu fahren. Etwa vier Bar Druck benötigt ein normaler Reifen, bei Rennrädern ist es deutlich mehr. Die Luft diffundiere im Laufe der Zeit nach außen, ein weicher Schlauch werde vom Mantel durchgewalkt, dadurch entstehe ein Mikroabrieb, bei dem der Schlauch abgeschliffen und brüchig werde.
Zu einem schonenden Umgang mit dem Rad zähle auch die richtige Wahl des Fahrradabstellplatzes: Man sollte laut Leisten niemals das Vorderrad zwischen die Stahlbügel eines herkömmlichen Fahrradständers zwängen, ein Rempler, und die Felge habe einen Achter. „Felgenkiller“ würden diese Fahrradständer genannt.
Darüber hinaus erklärt Leisten, wie Schäden an Kette, Schaltung, Bremse, Ritzel und Reifen behoben werden können. Dazu benötigt man auch spezielles Werkzeug wie die Kettenlehre, mit der man überprüfen kann, ob die Kette ausgeleiert ist. Ein typisches Phänomen, sagt Leisten: „Viele Senioren haben durch das Pedelec verlernt zu schalten. Sie haben 250 Watt unterm Hintern und fahren im höchsten Gang an der Ampel los. Die Kette wird dadurch mit der Zeit überdehnt und fängt an zu springen.“ Mit der Lehre, einem einfachen und billigen Stanzteil, könne man nicht nur den Zustand überprüfen, sondern es helfe auch bei der Montage einer neuen Kette.
Den Wechsel des Schlauchs kann man üben, dann geht es bei einer Panne schnell
Ebenfalls ein billiges Fahrradwerkzeug, dessen Anschaffung sich lohne, sei ein Felgenheber, mit dem man den Mantel leichter von der Felge bekommt. Ohne dieses Werkzeug ist das oftmals knifflig. Den Wechsel eines kaputten Schlauchs sollte man vorsorglich üben, empfiehlt Leisten. „Beim ersten Mal braucht man eine Stunde, beim zweiten Mal nur eine halbe. Und wenn man dann unterwegs mal einen Platten hat, ist man in einer Viertelstunde wieder fahrbereit.“
An seinem eigenen Fahrrad demonstriert Leisten, wie man am Hinterrad die Ritzel wieder richtig einstellt, wenn die Kette nicht sauber in die Gänge greift. Anspruchsvoll ist auch der Einbau neuer Bremsbacken für die Scheibenbremse oder der Ausgleich eines Achters durch die Neuspannung der Felgen. Unterwegs auf einer Tour ohne das erforderliche Werkzeug könnte das schwierig werden. „Aber wenn sie Mitglied beim ADFC oder ADAC sind und irgendwo liegen bleiben, können sie auch dort anrufen. Beide bieten bundesweit einen Pannendienst für Räder an.“
Nach drei Stunden Theorie und Praxis war der Kurs zwar offiziell zu Ende, aber einige Teilnehmer hatten auch ihre Räder mitgebracht, die Macken hatten. Zum Kurspreis von 30 Euro reparierte Leisten diese gleich noch. Eine Teilnehmerin war darüber sehr froh, weil sie am nächsten Tag an einer Radtour teilnehmen wollte. Ein anderer Teilnehmer bilanzierte: „Ich hatte vorher immer Angst, dass ich etwas am Rad kaputt machen könnte. Jetzt traue ich mir mehr zu.“

