Erding Experten bangen um Erdinger Ringschluss

Bürgermeister Gotz sieht hingegen keine Gefahr und vertraut auf "eine klare Aussage" des bayerischen Ministerpräsidenten - auch ohne zweite Stammstrecke

Von Florian Tempel

Wenn die zweite S-Bahn-Stammstrecke in München nicht gebaut wird, steht womöglich auch der Erdinger Ringschlusses zur Disposition. Aus dem bayerischen Verkehrsministerium hieß es auf Anfrage der SZ, alle geplanten Bahnausbaumaßnahmen rund um München "bauen aufeinander und vor allem auf der zweiten Stammstrecke auf". Wenn jedoch "das Kernstück" aufgegeben werde, "müsste das gesamte Bahnknotenkonzept", das eben auch den Erdinger Ringschluss beinhaltet, "völlig neu überprüft werden".

Ein großes Fragezeichen steht hinter dem Bau des S-Bahn-Ringschlusses - hier die Station Aufhausen. Ohne zweite Stammstrecke muss die  Wirtschaftlichkeit neu berechnet werden. 

(Foto: Peter Bauersachs)

Erdings Bürgermeister Max Gotz (CSU) sieht hingegen keine Gefahr für den Ringschluss. Er verwies auf "eine klare Aussage von Ministerpräsident Seehofer". Dieser habe bereits am 26. Oktober 2011 bei einer Verkehrskonferenz in der Staatskanzlei zur Verbesserung der Verkehrsanbindung des Flughafens "zugesagt, dass der S-Bahn-Ringschluss auch ohne zweite Stammstrecke kommt". MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag warnte allerdings in einem SZ-Interview, die positive Wirtschaftlichkeitsbeurteilung für den Erdinger Ringschluss basiere auf "der Voraussetzung, dass es eine zweite Stammstrecke gibt. Wenn dieses Projekt nun beerdigt wird, könnte diese positive Wirtschaftlichkeitsberechnung kippen".

Gotz hatte am gestrigen Donnerstag zwar in Sachen Ringschluss, jedoch nicht im Zusammenhang mit der aktuellen Entwicklung der zweiten Stammstrecke zu einem Pressgespräch geladen. Er informierte über die Ablehnung des bayerischen Wirtschaftsministeriums, die von der SPD-Stadratsfraktion eingebrachten Varianten zu untersuchen, Ringschluss, Walpertskirchener Spange und einen neuen Bahnhof tiefer auf dem Gelände des Erdinger Fliegerhorst zu planen.

Das Ministerium nennt in einem Schreiben an Gotz fünf Gründe, warum der Erdinger Stadtrat über die SPD-Vorschläge nicht weiter nachdenken, sondern sich "für eine der beiden bereits vertieft untersuchten Varianten Nord- oder Südeinführung entscheiden" sollte: Eine Untersuchung der SPD-Vorschläge würde einen so erheblichen Zeitverlust mit sich bringen, dass womöglich die Finanzierung des Ringschlusses gefährdet sei; ob andere Flächen am Fliegerhorst als die für den zentrumsnahen Kreuzungsbahnhof vom Bundesverteidigungsministerium freigegeben würden, sei ungewiss.

Ein Bahnhof noch weiter weg vom Zentrum lasse es fraglich erscheinen, ob dann ein Regionalhalt Erding überhaupt "sinnhaft" wäre; wenn sich bei Wirtschaftlichkeitsberechnungen herausstellen sollte, dass die SPD-Varianten keine positiven Kosten-Nutzen-Faktor hätten, würde man nur Geld und Zeit verschwenden; die von der SPD vorgeschlagenen Streckenführungen seien aus Naturschutzgründen offensichtlich schlechter als die vorliegenden beiden Varianten - was die Untersuchungen zur Nordumfahrung ED 99 gezeigt hätten.

Am kommenden Donnerstag, 26. April, wird es zum Thema Ringschluss eine Bürgerversammlung in der Stadthalle geben. Der Stadtrat soll in seiner Sitzung am 22. Mai einen Beschluss zum Ringschluss fassen. (München)