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Erding:Existenzangst in der kleinen Kneipe

Wirte beklagen Umsatzeinbußen durch das absolute Rauchverbot - und fürchten sich schon vor dem Winter.

Wütend reagieren die Inhaber von Gaststätten und Kneipen, spricht man sie auf das absolute Rauchverbot an. Beim Volksentscheid am 4. Juli war entschieden worden, dass bayerische Gaststätten zukünftig ausnahmslos rauchfreie Zonen sein müssen.Seit dem 1. August wird diese Regelung umgesetzt. Die Betreiber beklagen finanzielle Einbußen und sprechen von Existenzängsten.

Rauchverbot

Sie müssen draußen bleiben: Raucher dürfen ihrem Laster in Kneipen nicht mehr frönen.

(Foto: dpa)

"Für die Gastronomie ist die Regelung tödlich", schimpft Sylvia Kiffe, Inhaberin der Kneipe "La Boom" in Dorfen. Der Umsatz sei schon nach einigen Tagen spürbar zurückgegangen. Die Leute würden früher nach Hause gehen, wenn sie nicht mehr rauchen dürften.

Auch Franz Litzlbeck, Inhaber des "Unikum" in Dorfen, wertet das Rauchverbot als "existenzgefährdend". Von seinen Stammgästen seien 90 Prozent Raucher - und die würden jetzt natürlich ordentlich schimpfen. Auch seine Bedienungen seien alle Raucher. Nur er selbst nicht. Als das Rauchverbot erstmals beschlossen worden sei, habe er sein Lokal nach einem halben Jahr beinahe zusperren müssen, klagt Litzlbeck. Sein Glück sei gewesen, dass die Regeln gelockert worden seien. Er hofft, dass er nun keine Mitarbeiter entlassen muss.

Vorher wurde sowohl im "La Boom" als auch im "Unikum" geraucht, da sie die Möglichkeiten der Geschlossenen-Gesellschaft oder der 75 Quadratmeter-Regelung in Anspruch genommen hätten. Für Speiselokale fände Sylvia Kiffe das absolute Rauchverbot in Ordnung, aber eben nicht in kleinen Kneipen. Bei ihr im "La Boom" würden die Gäste zum Feierabend-Bier eine Zigarette rauchen wollen. Außerdem versteht die Wirtin nicht, dass man 35- bis 55-Jährigen - in diesem Alter ist die Mehrheit ihrer Gäste - vorschreibt, ob sie rauchen dürften oder nicht.

Bernhard Liebold, Inhaber des Weinwirt's in Erding, ist seit 28 Jahren Gastronom. Er ist ebenfalls nicht einverstanden mit der jetzt geltenden strengen Regelung, obwohl er auch Verständnis für die Nicht-Raucher hat, wie er sagt. Seiner Meinung nach sollte jeder Gastronom das Recht haben, selbst über seine Gaststätte zu entscheiden. Vor dem Volksentscheid habe er einen Raucher-Bereich im Lokal gehabt. "Das hat einwandfrei funktioniert", ergänzt er.

"Es hätten mehr Raucher zur Abstimmung gehen sollen"

Vor allem wenn sie an den Winter denken, haben alle drei Gastronomen ein mulmiges Gefühl. Sie sind sich einig, dass ihnen derzeit das Wetter entgegen kommt. Denn alle drei können an ihren Lokalen bei gutem Wetter auch Sitzgelegenheiten im Freien anbieten. "Solange die Leute im Garten sitzen können, geht es noch", sagt Liebold. Aber wenn es kälter wird - so die Befürchtung - wirke sich das Rauchverbot negativ auf das Geschäft aus. Franz Litzlbeck hofft allerdings, dass es "sich mit der Zeit einpendelt". Schließlich sei die Situation für alle Lokal-Betreiber gleich.

Eine identische Ansicht vertreten die drei Inhaber auch mit Blick auf die Beteiligung an dem Volksentscheid: "Es hätten mehr Raucher zur Abstimmung gehen sollen", so Kiffe. Jedoch sei es nicht in Ordnung, dass eine Mehrheit gegen eine Minderheit angetreten sei, moniert sie. Hinzu komme, dass einige den Stimmzettel nicht verstanden haben, glaubt Litzlbeck. Manche hätten wohl auch den Ernst der Lage unterschätzt. Sie waren der Meinung, dass es schon irgendwie eine Möglichkeit gebe, weiter zu rauchen.

Im Landratsamt Erding liegen mittlerweile vereinzelt Beschwerden vor, so Christina Centner, Sprecherin der Erdinger Behörde. In einigen Spielhallen sowie in einer Gaststätte im Landkreis werde das Rauchverbot wohl nicht eingehalten, so die Klagen. Den verantwortlichen Betreibern schicke man daraufhin einen Brief mit dem Hinweis auf die aktuelle Gesetzeslage.