Erding "Es geht zunächst immer auch um Menschen"

Weihbischof Bernhard Haßlberger über den Streit im Ottenhofener Kindergarten, die Rolle des Ordinariats und ein Pilotprojekt, das nun Schritt für Schritt in einer ganzen Reihe von Regionen eingeführt werden soll

Von Antonia Steiger und Florian Tempel

Weihbischof Bernhard Haßlberger kündigte an, dass Kindergärten, die bislang in der Trägerschaft einer Pfarrei sind, zusammen mit anderen kirchlichen Kindergärten in Trägerverbünden neu organisiert werden sollen

(Foto: Bauersachs)

- Weihbischof Bernhard Haßlberger ist als Bischofsvikar für die Seelsorgeregion Nord des Erzbistums München und Freising zuständig. Die SZ sprach mit dem 66-Jährigen, dessen theologische Dissertation den Titel "Hoffnung in der Bedrängnis" trägt, über die Lösung der Querelen im Ottenhofener Pfarrkindergarten.

SZ: Der eskalierte Streit im Ottenhofener Kindergarten St. Katharina wirft Fragen auf. Man muss dazu erst einmal Grundsätzliches erklären. Die Pfarrei ist Träger des Kindergartens, nicht die Diözese. Wer trägt die Verantwortung für den Kindergarten?

Haßlberger: Die Kirchenverwaltung der Pfarrei, der in der Regel der Pfarrer vorsteht. Die gewählte Kirchenverwaltung ist das beschlussfassende Gremium, das etwa die Erzieherinnen einstellt. Üblicherweise besteht die Kirchenverwaltung aus Pfarreimitgliedern, die auch beruflich verantwortungsvolle Positionen bekleiden und kompetent entscheiden.

Pater Pius Thometzek, der Pfarrer von Ottenhofen und Neuching, hat die Verantwortung als Dienstvorgesetzter des Personals im Sommer an eine Laiin übertragen. Ist das sinnvoll?

Durchaus, das kommt öfter vor. Die Pfarrei entscheidet so etwas eigenständig. Die ganze Verwaltungsarbeit in einer Pfarrei zugleich mit der Seelsorge zu leiten, ist für einen Pfarrer oft schwierig. Deswegen - und da ist Pater Pius kein Einzelfall - delegieren Pfarrer die Verantwortung. Diese Praxis hat sich in zahlreichen Fällen bewährt.

Gibt es eine Aufsicht auf Diözesanebene?

In der Erzbischöflichen Finanzkammer sitzt die Stiftungsaufsicht, die die Kirchenverwaltungen in ihren Aufgaben unterstützt und berät. Auch wenn etwas nicht mehr klappt oder nicht nach Recht und Gesetz ist, dann wird die Stiftungsaufsicht tätig. Im Fall der Ottenhofener Einrichtung haben sich aber vor allem das zuständige Regionalteam, in diesem Fall für die Seelsorgsregion Nord, sowie die für die Kindergärten zuständige Hauptabteilung um die damit zusammenhängenden Fragen gekümmert. Sie sind übrigens seit Wochen in Gesprächen mit allen Beteiligten. Wenn nun also einige behaupten, wir hätten im Ottenhofener Fall so lange nichts getan, so stimmt das nicht. Die Trägervertreterin wurde ja erst im September bestellt. Man darf eines nicht vergessen: Es geht zunächst immer auch um Menschen, wir als Kirche wollen uns erst mal ein gründliches Bild machen und alle Seiten hören. Das braucht Zeit und natürlich tragen wir das nicht in der Öffentlichkeit aus.

Werden Laien, die ehrenamtlich die Verantwortung für einen Kindergarten übernehmen, durch Fortbildung darauf vorbereitet?

Ja, es gibt sehr umfangreiche Schulungen sowohl in Personalführung als auch im inhaltlichen Bereich.

Gibt es denn Regeln und Vorschriften für die Auswahl eines Laien zum Trägervertreter?

Die Auswahl trifft die Kirchenverwaltung, die Befugnisse haben wir seitens der Stiftungsaufsicht klar geregelt, etwa was Vollmachten im finanziellen Bereich betrifft. Da die Verwaltung eines Kindergartens sehr komplex ist, gab es in der Erzdiözese ein sehr erfolgreiches Pilotprojekt: Es wurden Trägerverbünde gebildet, in denen sich zwölf bis 15 Kindergärten zusammen tun. In diesen Verbünden wird ein Mitarbeiter eingestellt, der die Geschäfte führt, und eine Pädagogin oder ein Pädagoge, die oder der die pädagogische Leitung der Kindergärten übernimmt. Wir haben das in Freising, Ebersberg und Ottobrunn mit guten Ergebnissen so probiert.

Sie sind also bereits dabei, das System zu beenden, dass Pfarreien eigene Kindergärten haben?

Nein, die Pfarreien entscheiden das selbst. Aber ein Trägerverbund kann unter Umständen helfen, etwa dabei, die pädagogische Qualität zu sichern und die Verwaltung der Pfarrei zu entlasten.

Ist es denn bisher ohne pädagogische Begleitung gelaufen?

Nein, wo denken Sie hin! Etwa in der Caritas haben wir eine Stelle, die für alle unsere Kindergärten Fortbildungen anbietet. Unsere Fortbildungen sind so gut, dass auch aus kommunalen Kindergärten viele zu uns kommen.

Sie haben es gerade angesprochen, es gibt die Caritas. Könnte nicht einfach die Caritas einspringen und Trägerin der jetzt noch pfarreigenen Kindergärten werden?

Dafür gibt es keinen Grund, wir sind ein erfahrener und großer Träger: Wir haben in der Diözese etwa 550 kirchliche Kindergärten. Die Caritas hat zwar auch Kindergärten, aber sie ist ja auf vielen Feldern tätig. Wir stehen da schon selbst auf der Matte: Bildung - und zu diesem Bereich zählen wir unsere Kindergärten - ist für uns eines der wichtigsten Themen. Das Projekt mit den Trägerverbünden steht in diesem Zusammenhang.

Hat das auch etwas mit der Strukturreform und der Bildung neuer Pfarrverbände und Stadtteilkirchen zu tun?

Nicht unmittelbar. Die Strukturreform der Pfarreien hilft uns, die Seelsorge besser zu organisieren in einer Zeit, in der sich die Gesellschaft rapide wandelt. Wir wollen Kräfte bündeln und uns neu auf den Weg machen. Auch bei der Pfarramtsverwaltung sind wir dabei, Lösungen zu suchen und zu finden, Pfarrer zu entlasten. Es ist jedoch für uns nicht leistbar, jedem Pfarrverband einen Mitarbeiter zu geben, der die ganze Verwaltung macht. Und man muss auch aufpassen, dass die Kirchenverwaltung zu ihrem Recht kommt.

Damit die Eigenständigkeit der einzelnem Pfarrei gewahrt bleibt?

Das ist sehr wichtig. Die Kirchenverwaltung ist ein entscheidendes Gremium in jeder Pfarrei.

Geht es auch darum, den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie eingebunden sind in ihrer Pfarrei?

Ja, das muss sein. Wenn ich in die Region Nord schaue, gibt es dort sehr viele Pfarreien im ländlichen Raum. Die Leute von der Kirchenverwaltung sind da die Kümmerer, die etwa bei Bau- und Finanzfragen schauen, dass alles läuft. Das ist natürlich ein unschätzbares Kapital.

Ist es denkbar, dass sich die katholische Kirche langfristig aus der Trägerschaft von Kindergärten zurückzieht?

Das haben wir nicht vor. Im Gegenteil. Ein kirchlicher Kindergarten, ob in der Pfarrei oder im Trägerverbund, lebt nicht nur davon, dass die Pädagogik stimmt, sondern auch vom religiösen Geist. Und das muss auch gesichert werden. Das geht nur, wenn sich auch die Pfarreien um ihren Kindergarten kümmern. Es ist uns sehr wichtig, dass es Austausch gibt und sie miteinander etwas machen. Wir haben bei dem Pilotprojekt genau darauf geschaut, dass sich die Pfarreien nicht zurückziehen und sagen, mit dem Kindergarten haben wir nichts mehr zu tun. In Freising zum Beispiel ist die Kirchenverwaltung im Kindergartenverbund nicht mehr involviert. Aber dort hat man erkannt, dass jetzt der Pfarrgemeinderat einsteigen muss, damit die Verbindung der Kindergärten mit dem kirchlichen Leben bleibt.