Mit einiger Verspätung kann nun endlich die neue Erdinger Mehrzweckhalle am Lodererplatz offiziell eröffnet werden. Das gelungene Projekt lässt bei der Stadt Erding den Ärger über die eine oder andere Baupanne vergessen, zumindest fast. Schon von außen ist der Neubau mit Säulengang und Sitzstufen am Ufer der Sempt etwas Besonderes. Drinnen geht es zur Mensa für die Grund- und Mittelschule, zur Dreifachsporthalle und zu einer meterhohen Überraschung an der Gangwand.
Den Besuchern und Besucherinnen der Mehrzweckhalle sprinten vom Gang hinten links mehrere Kinder mit Startnummern am T-Shirt entgegen. Die Buben und Mädchen bewegen sich allerdings keinen Zentimeter, denn sie sind Teil eines bunten Wandgemäldes. Der Erdinger Künstler Harry Seeholzer, zugleich Dritter Bürgermeister der Großen Kreisstadt, hat ein 16 Meter langes und etwa zwei Meter hohes Fries gestaltet.
In der Arbeit habe er die etwa 40 Sportarten, die im Raum Erding betrieben werden, „bildhaft umgesetzt“, erklärt Harry S., so Seehofers Künstlername. Entstanden ist ein Kaleidoskop von Fußball, Stadtlauf, Ringen, Tanzen bis zur Seniorengymnastik.
Außergewöhnlich ist auch die Technik, mit der das Wandgemälde auf der grauen Betonwand aufgebracht wurde. Zunächst hat Seeholzer das Motiv auf einer Leinwand in Acryl gemalt. Dann wurde das Bild abfotografiert, digitalisiert und digital bearbeitet und schließlich mithilfe eines speziellen Verfahrens auf die Wand aufgedruckt. Diese Arbeit übernimmt eine auf Wand- und Objektdruck spezialisierte Firma aus Schäftlarn. Knapp zwei Wochen vor der offiziellen Eröffnung sind die 16 Meter noch nicht ganz geschafft, die Firma muss noch eine weitere Runde einlegen.

Das aufgedruckte Motiv ist laut Seeholzer kratzfest, abriebfest und lässt die Betonstruktur leicht durchschimmern. Zudem müssten keine aufwendigen Brandschutzauflagen berücksichtigt werden, denn der Druck gelte als Wandfarbe und nicht als Bild.
Erding sei eine Sportstadt, eine mit Sportstätten gut ausgestattete Stadt, betont Oberbürgermeister Max Gotz (CSU). Am Ufer der Sempt sei „ein Juwel“ entstanden, dessen Bau sogar des Kostenrahmens von circa 34 Millionen Euro geblieben ist. Die neue Dreifachhalle stehe auch dem Erdinger Vereinssport zur Verfügung, soll aber in erste Linie dem Schulsport dienen oder auch für die eine oder andere Schulveranstaltung.
Mensa und Halle werden bereits von den Schülern und Schülerinnen genutzt, nur die Öffentlichkeit war bislang ausgeschlossen. Und das hat mit einer bösen Überraschung im vergangenen Jahr zu tun. Im Oktober 2024 wurde im Erdinger Stadtrat bekannt, dass Teile der bereits fertiggestellten Deckenkonstruktion wieder entfernt werden müssen, weil Digitalfunkelemente zur Alarmierung der Feuerwehr nachträglich eingebaut werden müssen. Die Decke musste geöffnet werden, um die Funkteile neu zu verbauen. Durch die Nachrüstung fielen Mehrkosten in Höhe von 360 000 Euro an.

Die ursprünglichen Pläne, das Gebäude zu Beginn des Schuljahrs 2024/25 zu eröffnen, hatten sich aber bereits 2023 nach Verzögerungen bei Elektroarbeiten zerschlagen. Damals war bekannt geworden, dass die Elektroausführung sich um zwei bis drei Monate verzögern werde - und diese Verschiebung nicht mehr aufgeholt werden könne. Die Stadt hatte daraufhin Rechtsschutz beantragt, falls am Bau beteiligte Firmen aufgrund der Verschiebung Schadensansprüche erheben würden.
Bis zur offiziellen Eröffnung wird das außergewöhnlich Fries fertig sein
Was einen Rechtsstreit betrifft, zeigt sich Gotz unverzagt. Er freue sich jetzt erst einmal über das gelungene Gebäude, das auch Platz bietet für die Mittagsverpflegung der Grund- und Mittelschüler vom Lodererplatz. 60 Plätze hat die Mensa, in der in drei Schichten insgesamt 180 Essen ausgegeben werden können. Über ein paar Stufen der Tribüne ging es hinunter in die Halle mit beeindruckender Holzdecke. Insgesamt ist hier Platz für circa 1600 Personen. Im Bereich vor der Halle befindet sich zudem ein Foyer mit der Möglichkeit für ein Catering.
Am 31. Mai kann die Stadt nun endlich offiziell das Gebäude eröffnen. Wie die Pressestelle mitteilt, umfasst das Programm Aufführungen von Schülern und Schülerinnen der Grund- und der Mittelschule am Lodererplatz sowie Grußworte unter anderem von Oberbürgermeister Max Gotz, Staatsministerin Ulrike Scharf und Landrat Martin Bayerstorfer. Bis dahin ist das bunte Wandgemälde dann sicher auch fertig.

