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Erding:Eine neue Mitte für Klettham

Die Karlstraße könnte zu einem verkehrsberuhigten Bereich werden. Sich treffen, miteinander ins Gespräch kommen und nachbarschaftliche Kontakte pflegen, das alles wäre dann leichter. Die Oberbayerische Heimstätte, der die Wohnhäuser gehören, zeigte sich demnach bereits interessiert.

(Foto: Renate Schmidt)

Mit einem integrierten Quartierentwicklungskonzept bekommt der Erdinger Stadtteil neue Strukturen. Das Hauptaugenmerk gilt zwei Orten, an dem die Menschen schon jetzt gerne zusammenkommen

Von Antonia Steiger, Erding

Es ist der Anfang eines langen Prozesses: Der Erdinger Stadtteil Klettham Nord soll in einem Zeitraum von mehr als zehn Jahren schöner und lebenswerter werden. Die Menschen sollen sich so wohl wie möglich fühlen. Und dazu ist nötig, dass in Klettham Flächen identifiziert werden, wo sich die Menschen begegnen können. Man sollte dem Ortsteil "eine Mitte geben", wie es heißt. Eine solche Mitte könnte der Bereich um die Erlöserkirche werden; ein zweiter Treffpunkt, der mehr für Spiel und Sport zu bieten haben wird, ist das Gelände rund um die Fußballplätze von Rotweiß Klettham. Beide Flecken werden aufgewertet und besser gestaltet, das sind die wichtigsten Ziele des integrierten Quartiersentwicklungskonzepts, das die Stadträte im Stadtentwicklungs, Umwelt- und Verkehrsausschuss einstimmig gebilligt haben.

Es herrscht im Stadtrat große Einigkeit darüber, dass dies ein gutes Programm ist. Zu bedenken geben einige allenfalls, dass es nicht so leicht sein werde, die Bewohner zum Mitmachen zu bewegen. Helfen soll dabei ein Quartiersmanager, der ein eigenes Büro bekommt und der Ansprechpartner für die Bürger und Verknüpfung zur Rathausverwaltung sein soll. Wie ein solches Quartierentwicklungskonzept in einzelnen Schritten ablaufen kann, haben am Donnerstag Claus Sperr vom Büro Planwerk Stadtentwicklung und Jochen Baur vom Büro SEP Stadt Entwicklung Planung erläutert. Sie legten auch Leitlinien und Ziele fest, wobei mehrfach betont wurde, dass dies nur das Ergebnis der Bestandsaufnahmen und Workshops sei, vieles könne dann anders ablaufen. Unter anderem soll ein städtebaulicher Wettbewerb abgehalten werden, wie OB Max Gotz (CSU) sagte. Er äußerte sich optimistisch dazu, dass die Kletthamer mitmachen werden. Im Herbst 2020 soll das Quartiermanagements starten, bis dahin müssen Förderanträge gestellt und das Management ausgeschrieben werden. Und dann braucht man noch ein Büro oder ein Ladenlokal, in dem der Quartiersmanager residiert. Quartiersmanager müsse auch nicht eine Einzelperson sein, sagte Sperr. Es kämen auch Büros in Frage, die mit solchen Prozessen bereits Erfahrung haben.

Eine schon recht detaillierte, wenn auch nur vorläufige Vorstellung gibt es davon, wie der Bereich rund um die Erlöserkirche aussehen könnte. Neben der Kirche gibt es einen Parkplatz, der zu einem kleinen Marktplatz aufgewertet werden könnte, wo regionale Anbieter einmal wöchentlich ihre Waren verkaufen. Dies stärke nicht nur "das Bewusstsein für den eigenen Stadtteil als Aufenthaltsort", heißt es in dem Konzept, sondern ergänze auch das Angebot der Nahversorger. Die Marktfläche könnte nach Süden in die Karlstraße ausgedehnt werden, dort wäre eine verkehrsberuhigte Zone denkbar. Wie Gotz sagte, hat die Oberbayerische Heimstätte als Besitzerin der Wohnungen an der Karlstraße ihre Bereitschaft zur Mitarbeit schon deutlich zu erkennen gegeben. So soll ein Raum entstehen, "um sich zu treffen, nachbarschaftliche Kontakte zu pflegen und miteinander ins Gespräch zu kommen". Ein solcher Raum soll auch in einem künftigen Quartierspark im Westen des Umgriffs bei Rotweiß Klettham entstehen. Auch von dort gibt es bereits Signale, dass man einen Biergarten am Vereinsheim nicht schlecht finden würde. Dort könnte ein bestehender Spielplatz um weitere Spielmöglichkeiten ergänzt werden, so soll der Bereich auch für Erwachsene attraktiver werden. Dazu wäre ein Skatepark denkbar und auf einer 7500 Quadratmeter großen Wiesenfläche an der Siglfinger Straße ein Stadtteilpark mit Baumgruppen und Wiesen. "Ein großzügiger Grünraum, der das Stadtgebiet gliedert", könnte so entstehen, allerdings eher langfristig. Ein weiterer Wunsch aus den Workshops wäre eine Verkehrsberuhigung, die am einfachsten mit Tempo 30 in der Gießerei- und in der Friedrichstraße zu erreichen wäre. Weil für einen Radweg nicht genügend Platz ist, könnte mit dieser Maßnahme auch der Radverkehr besser in den Straßenraum integriert werden. Das ist eine Maßnahme, die als kurzfristig umzusetzen gilt.

Viele Initiativen sind schon jetzt in Klettham Nord aktiv, sie gelte es nun zusammenzuführen, sagte Sperr. Idealerweise richtet die Stadt dafür auch einen mit Geld ausgestatteten Quartiersfonds ein. Die Akteure müssten vernetzt werden, sagte er. Und diese Liste sei auch nicht abgeschlossen, fügte Gotz an. Das künftige Quartiersmanagement solle die Bewohner ansprechen. Sie werden schon mitmachen, glaubt Gotz. "Man möchte sein Umfeld gerne mitgestalten."

© SZ vom 14.03.2020
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