Das Kinocafe in Taufkirchen Eine wahre Herzensangelegenheit

Viele Besucher schätzen den Charme des Kinos, ob draußen oder drinnen.

(Foto: Stephan Görlich)

"Keine billige Action, keine seichte Comedy": Andreas vom Hofe betreibt das Kino-Café, es ist ein wichtiger Ort für die Gemeinde

Von Yvonne Ramp

Betritt man das Kino-Café in Taufkirchen, fühlt man sich wie im Kino von früher: Schwarz-Weiß Bilder von alten Filmstars zieren die Wände, alte Holztische und -stühle verleihen dem Raum eine originelle Atmosphäre. Hinter der Theke steht der Besitzer der Taufkirchener Kultur-Institution, Andreas vom Hofe. Die langen Haare hängen ihm in die Stirn, er liest ein Buch. Noch ist nichts los im Kino-Café, der große Ansturm beginnt erst in einer halben Stunde, wenn um 20 Uhr die Vorstellung beginnt. Hier in der Erdinger Straße gibt es nur einen kleinen Kinosaal, keine Popcornmaschine und auch keine 3D-Brillen wie in den Kinopalästen in Erding, Landshut und München. Aber trotzdem: Das Kino-Café, ein Ort, wo sich die Taufkirchener auf einen Kaffee oder ein Glas Wein treffen und danach die neuesten Filme schauen, das gibt es noch immer - und das ist der Verdienst von Andreas vom Hofe.

Seine Karriere begann als Bedienung

1950 wurde der Saal als kleines Tageskino eingerichtet, aber schon in den 60ern musste es Insolvenz anmelden. 1980 hat es der Taufkirchner Taxi-Unternehmer Lechner wiedereröffnet, im Foyer richtete er eine kleine Spielehalle ein. Ein echtes Café entstand hier erst 1995, als das Kino von der Familie Jell, die heute das Volksfest in Taufkirchen organisiert, übernommen und ausgebaut wurde. Schon zehn Jahre zuvor, 1985, begann der heutige Besitzer, Andreas vom Hofe, seine Karriere im Kino-Café als Bedienung.

Er war damals 18 Jahre alt und hatte gerade die Fachoberschule abgeschlossen. Auch während seines Studiums in physikalischer Technik und darüber hinaus arbeitete der Taufkirchner weiterhin im Kino-Café. Vom Hofe erlebte viele Pächterwechsel, unter ihnen war auch seine Schwester, die Ende der 90er das Kino-Café führte. Aber erst 2011 dachte vom Hofe daran, das Kino selbst zu übernehmen. "Es war lange unklar, was daraus wird", sagt der 49-Jährige. So groß der Wunsch und die Hoffnung, seinen lieb gewonnenen Arbeitsplatz in alter Form zu erhalten, so schlecht bestellt war es um vom Hofes finanzielle Mittel.

Seit er 18 war hat Andreas vom Hofe im Kino-Café in Taufkirchen gearbeitet - jetzt führt er es.

(Foto: Stephan Görlich)

Marcus H. Rosenmüller hat sich für das Kino stark gemacht

Zuerst hatte vom Hofe versucht, die Gemeinde zum Kauf zu bewegen, er hätte das Kino dann unentgeltlich weitergeführt. Doch damit hatte er keinen Erfolg, selbst dann nicht, als sich Regisseur Marcus H. Rosenmüller persönlich für den Erhalt des Kinos stark machte. Aber er hatte Glück, so sagt er, denn die Erben des letzten Besitzers des Gebäudes waren Schweden, konnten also mit einem Kino in Deutschland "nichts anfangen". Erhalten wollten sie das Kino aber und haben es an vom Hofe für kleines Geld verkauft. Keine schlechte Idee: Marcus H. Rosenmüller selbst war schon drei Mal in Taufkirchen, um sich Vorführungen seiner Filme anzusehen. Ihm habe der Charme des kleinen, originellen Kinos so gut gefallen, dass er immer wieder kam und sogar eine seiner Kabarett-Veranstaltungen dort präsentierte.

In den Sälen kann man auch auf Couchen sitzen.

(Foto: Stephan Görlich)