ErdingEin bisschen shoppen

Lesezeit: 2 Min.

Unmut im Erdinger Stadtrat: Nur Geschäfte, die an den Kathreinmarkt angrenzen, dürfen am letzten Novembersonntag öffnen. Eine Nachbargemeinde hatte bei der Regierung von Oberbayern gepetzt.

Cornelia Weber und Sarah Schiek

Flohmarkt in der Langen Zeile in Erding. Die Geschäfte rund herum dürfen in Zukunft Sonntags nicht öffnen.
Flohmarkt in der Langen Zeile in Erding. Die Geschäfte rund herum dürfen in Zukunft Sonntags nicht öffnen. Florian Peljak

- Beim diesjährigen Kathreinmarkt am letzten Sonntag im November werden erstmals nur die unmittelbar an den Markt angrenzenden Geschäfte in der Erdinger Innenstadt öffnen dürfen. Dies hat der Erdinger Stadtrat nach Beratung des Verwaltungs- und Finanzausschusses in seiner Sitzung notgedrungen beschließen müssen. Andernfalls, so Bürgermeister Max Gotz (CSU), habe die Stadt nicht nur mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen, sondern dürfe möglicherweise überhaupt keinen verkaufsoffenen Sonntag im November abhalten. Während der Kathreinmarkt in den vergangenen Jahren stets Anlass gegeben hatte, die Läden im gesamten Stadtgebiet zu öffnen, bleiben die Verkaufsstellen abseits des Marktgeschehens - und damit auch im Gewerbegebiet Erding-West und im Semptpark - heuer geschlossen. Die Öffnungszeiten der an den Kathreinmarkt angrenzenden Geschäfte wurden auf 13 bis 18 Uhr festgesetzt.

Anlass für die Neuregelung war die offizielle und nachdrückliche Aufforderung des Landratsamtes, die Regelung der verkaufsoffenen Sonntage zu überprüfen. Wie Bürgermeister Max Gotz erklärte, sei die Kreisbehörde ihrerseits von der Regierung von Oberbayern zu diesem Schritt angewiesen worden. Der Hintergrund liege darin, dass sich eine Münchner Umlandgemeinde bei der Regierung beschwert hatte, nachdem ihre Verordnung zu den verkaufsoffenen Sonntagen durch das Landratsamt München rechtsaufsichtlich beanstandet worden war.

Eine Klage der Gemeinde beim Verwaltungsgericht München war erfolglos geblieben. Insbesondere kritisierten die Richter, dass auch Verkaufsstellen im Außenbereich des Gemeindegebiets hatten öffnen dürfen. Nicht nur Erding, sondern "fast alle Münchner Umlandgemeinden", so Gotz, seien daraufhin von der oberbayerischen Regierung angeschrieben worden. Der Unmut im zuständigen Ausschuss des Erdinger Stadtrats war trotzdem spürbar. Bürgermeister Gotz bezeichnete das zu verhandelnde Thema als "Saustall in Aschheim".

Gemäß des bayerischen Ladenschlussgesetzes sind pro Jahr maximal vier verkaufsoffene Sonntage bei Märkten, Messen und ähnlichen Veranstaltungen erlaubt. Wer sich darüber hinwegsetzt, muss mit Geldbußen von bis zu 2500 Euro rechnen. Bisher wurden in Erding Aktionstage als Anlass für verkaufsoffene Sonntage genommen. "Allein mit den drei Jahrmärkten und dem Kinderflohmarkt mit Spezialmarkt haben wir die vier Sonntage schon zusammen", sagte Günther Pech vom Erdinger Stadtmarketing.

Max Gotz kritisierte vor allem, dass die Neuregelung die Händler außerhalb der Innenstadt benachteilige. "Seit 17 Jahren hatten wir ein friedliches Miteinander mit den Gewerbetreibenden", meinte er rückblickend. Außerdem sei es auch räumlich schwer zu entscheiden, welche Geschäfte öffnen dürften und welche geschlossen bleiben müssten. "Wo sollen wir da die Grenze ziehen?", fragte Gotz. In der Stadtratssitzung sprach er sich nun dafür aus, in dieser Frage vorläufig auf den Plan der Stellplatzsatzung zurückzugreifen.

Hans Egger, Fraktionssprecher von Erding Jetzt, ging in der Diskussion des Verwaltungs- und Finanzausschusses einen Schritt weiter und fragte, ob das Marktrecht heutzutage noch zeitgemäß sei. Der Einzelhandel in der Innenstadt sei durch hohe Mieten aufgrund von Denkmalschutz ziemlich belastet. "Mein Eindruck ist, das befruchtet sich gegenseitig nicht so wie gedacht." Trotzdem bat Bürgermeister Max Gotz die Stadträte um Unterstützung bei der unliebsamen Entscheidung: "Ich bitte Sie, den sauren Gang mit uns zu gehen. Wir bemühen uns, etwas zu entwickeln."

Eine langfristige Regelung wurde jedoch auch im Stadtrat vorerst vertagt. Wenn Anfang 2013 Ergebnisse vom Erdinger Landratsamt, der oberbayerischen Regierung sowie den Gewerbetreibenden von Erding-West und dem Semptpark vorliegen, sollen Lösungsvorschläge diskutiert werden. "Erst dann können wir eine Aussage darüber treffen, ob es Möglichkeiten gibt, die außen liegenden Verkaufsstellen wieder in die verkaufsoffenen Sonntage miteinzubeziehen", sagte Gotz.

© SZ vom 06.11.2012 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: