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Erding: die neue "Schiaßn":Kribbeln im Bauch

Kleinkunst, Kabarett, Musik - und zum Auftakt ein hochkarätiger Gast: Börni Sparakowski, Harry Seeholzer und Uwe Pianka sind gespannt, wie das Konzept der "Schiaßn" bei den Erdingern ankommen wird.

Es ist Dienstag und Börni Sparakowski wirkt unentschlossen. "Ich weiß nicht recht, ob ich mich auf den Start freuen soll." Er, Harry Seeholzer und Uwe Pianka haben das altehrwürdige Lokal neben dem Volksfestplatz gepachtet, ihm den ursprünglichen Namen "Schiaßn" wiedergegeben und wollen nun den Erdingern Kleinkunst, Musik und unterhaltsame, von der Kundschaft mitgestaltete Veranstaltungen bieten. Gerade stehen sie in dem von Grund auf renovierten Saal und diskutieren, ob die Fenster am Freitag abgehängt werden sollen oder nicht.

Der Probelauf ist geglückt, nun geht es richtig los: Börnie Sparakowski, Peter Heger und Harry Seeholzer (v.l.) verteilen die ersten Biere.

(Foto: Peter Bauersachs)

Christoph Süß, stets ironischer Moderator der TV-Sendung "quer", tritt dann als Kabarettist auf, seine Vorstellung ist die offizielle Eröffnung des neuen Erdinger Kulturtempels. Ein Hochkaräter als Auftakt? Sparakowski sollte sich freuen.

Doch die Verwandlung der ehemaligen Diskothek "Sunrise" in eine für die verschiedensten Anlässe geeignete Kulturstätte und das Aufstellen des Programms haben Kraft gekostet. "Ich weiß eigentlich im Moment gar nicht, wie ich mich fühlen soll", sagt Sparakowski. Innerhalb von nur drei Monaten wurde aus der Disco Geschichte und die "Schiaßn" aus dem Boden gestampft.

Der Saal, vorher in mehrere kleine Räume unterteilt, wurde entkernt. "300 Kubikmeter Bauschutt haben wir hier rausgeschafft", sagt Harry Seeholzer. Die vielen Vorbesitzer haben bei der jeweiligen Umgestaltung nach ihrem Gusto stets die billigste Variante gewählt. "An den Wänden mussten fünf bis sechs Schichten unterschiedlichster Materialien entfernt werden. Die haben einfach ihre Verkleidung über die alte geklebt oder geschraubt", sagt Seeholzer.

Der DJ thronte bislang im Zentrum des Raumes auf einem steinernen Podest, hier führte eine Treppe rauf, da wieder runter, es war wie beim Sommerschlussverkauf, alles musste raus. Auch aus den Fensterschächten fiel der Bauschutt. "Die waren zugemauert, nach 40 Jahren fällt erstmals wieder Tageslicht in die Schiaßn", sagt Seeholzer.

Neue Fenster, neue Fluchttüren, neue Eingangssituation, neue Licht- und Soundanlage sowie ein neuer Boden. Der Handwerker kommt rein: "Eigentlich solltet ihr heute noch nicht darauf stehen, der ist frisch versiegelt." Am Freitag ist das anders, dann ist der Grund staubtrocken und je nach Bestuhlung - an Tischen oder in Reihen - fänden zwischen 200 und 300 Gäste Platz.

Viel Schweiß, Herzblut und "300.000 bis 400.000 Euro" hat das Trio laut Seeholzer in sein Projekt gesteckt. Und der Aufwand hat sich gelohnt, die Erdinger Kulturfreunde können sich auf ein echtes Schmuckkästchen freuen. Der Boden ist grau und glatt, die Wände strahlen in freundlichen Farben. Hinter der Bühne befindet sich eine Empore, hier kann sich der Künstler umziehen und von hinten auf die Bühne gelangen. Das wirkt gemütlich. Am anderen Ende des Saals befindet sich eine weitere Galerie. "Separater Barbetrieb", kommentiert Seeholzer die pfiffige Idee.

Von der Bühne aus rechts befindet sich die Gastronomie, ein wichtiger Bestandteil des Konzepts. Kulinarischer und kultureller Genuss sollen eine Symbiose eingehen, die dem Publikum einen perfekten Abend beschert. "Christoph Süß & Band" werden am Freitag erst um 20.30 Uhr beginnen, Einlass ist aber schon um 18 Uhr.

Während des Herbstfestes hatte die "Schiaßn" bereits geöffnet. Die "After-Wiesn-Party" sollte den Umsatz ankurbeln und die Mundpropaganda fördern. Seeholzer ist sich nicht sicher, ob die Aktion ein Erfolg war: "Das Geschäft mussten wir mitnehmen, aber es wird sich zeigen, ob es den Leuten auch nüchtern bei uns gefällt." Die Bühne muss noch verkleidet, ein Basslautsprecher unter ihr installiert werden.

Dann wird die Decke abgehängt, der Künstler soll quasi aus einer Box heraus agieren. Sparakowski ist immer noch mit dem Programm beschäftigt, "ein ständiges Recherchieren und Kommunizieren", sagt er und schnauft durch. Baulich müssen noch viele Kleinigkeiten erledigt werden", sagt Seeholzer. Trotz des dem Termindruck geschuldetem Magenzwickens, sind die beiden zuversichtlich, dass alles klappen wird. "Wir sind guter Dinge. Und die Erdinger wären blöd, würden sie dieses Angebot hier nicht nutzen", sagt Seeholzer.