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Erding:Die bekannteste Brille im Brauwesen

Politiker und Kollegen feiern den Erdinger Unternehmer Werner Brombach an seinem 80. Geburtstag. Für seine Bodenständigkeit, seinen Mut und seinen Weitblick

Hans Steinbichler hat wieder einen Film über Werner Brombach gedreht. Dieses Mal einen ganz persönlichen Film. Brombach bei Dehnübungen am Strand. Brombach beim Golfspielen. Brombach beim Trinken eines Weißbieres irgendwo auf der Welt, wo er der Bedienung schnell noch erklärt, wie sie die Hefe in das Glas bringt. Und Brombach, wie er sich an seinen Vater erinnert. Man sieht ihn von hinten, wie er am Steuer eines Wagens sitzt und sich an den Moment erinnert, als sein Vater ihm die Verantwortung für die Brauerei übertragen hat. Der 80-Jährige kämpft mit den Tränen. Er habe seinem Vater damals versprochen, sich zu bemühen, sagt er. Dieses Versprechen hat er erfüllt. 1200 Gäste verneigten sich am Sonntagabend zur Feier seines 80. Geburtstags vor der Leistung des Besitzers der größten privaten Weißbierbrauerei weltweit. Darunter etliche Mitbewerber, die sich dem Jubilar zu Dank verpflichtet fühlen dürfen - nicht nur für die Einladung.

An Werner Brombachs Seite seine Frau Christine.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Entwicklung der Erdinger Weißbierbrauerei ist gekennzeichnet von ein paar ganz wichtigen Entscheidungen des Managements. Werner Brombach selbst erzählte, sein Vater Franz Brombach habe entschieden, ganz auf das Weißbier zu setzen. "Das ist eine kleine Nische", hatte er erkannt. Qualität gehe vor Quantität. Er selbst hat dem alkoholfreien Weißbier den Weg für einen Siegeszug geebnet, indem er das Getränk als Sportgetränk etabliert und diese Entscheidung mit einer beispiellosen Werbekampagne begleitet hat. Die ganze Branche sei ihm zu Dank verpflichtet, urteilt der Brauerbund, der ihm in diesem Jahr den Ehrenpreis der deutschen Getränkebranche verliehen hat. Er habe das Weißbier zu einem "Kultgetränk" gemacht, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Von allen Seiten hagelte es beste Wünsche und viel Lob. Vertreter anderer Branchenriesen würdigten Brombachs mutiges und weitsichtiges Unternehmertum, andere seine Bodenständigkeit - und wieder andere seine Brille. Die "schickste Brille seit Elton John", das hat auch Söder erkannt. Sie ist Werner Brombachs Markenzeichen. Er habe sich für das Modell nicht aus Gründen des Modebewusstseins oder aus Freude am Design entschieden, sagte der Jubilar auf Frage der früheren Weltklasse-Biathletin und Markenbotschafterin Magdalena Neuner, die den Abend mitmoderierte. Er brauche eine Brille von Format, weil er von der Sonne geblendet werde, wenn er auf Hawaii Auto fährt. Brombach ermutigte einen Brillenhersteller dazu, ihm ein Modell nachzubauen, das dem von Aristoteles Onassis ähnlich sei. "Ich glaube, es ist ganz gut geworden", sagte Brombach. Wie so vieles andere in seinem Leben.

Wo sonst gearbeitet wird, wurde jetzt gefeiert.

(Foto: Renate Schmidt)

Traditionell lädt der Brauereibesitzer zu großen Festen seine gesamte Belegschaft sowie die ehemaligen Mitarbeiter ein. Die meisten kamen und freuten sich, wie diverse Redner den erfolgreichen Werdegang des Unternehmers und des Unternehmens nachzeichneten. Es gab aber auch Momente der Heiterkeit und Nachdenklichkeit, zum Beispiel als seine Frau Christine im Film sagt, sie habe, als sie dem Werben ihres späteren Mannes nachgegeben habe, nicht wissen können, was daraus noch alles werden soll.

Unter den Gästen sind viele Politiker: (v.l.) Florian und Renate Herrmann, Günther und Marga Beckstein und Gerswid und Joachim Herrmann.

(Foto: Renate Schmidt)

In ruhigen Bildern erzählt Steinbichler aus dem Leben des Ehepaares. Eine Woche lang hat er sie begleitet, von morgens bis abends. "Wir sind die überhaupt nicht mehr losgeworden", sagte Christine Brombach lachend. Auch wenn sie lange der Auffassung war, dass "das doch keiner sehen will", ist ein Streifen herausgekommen voller berührender Momente aus dem Leben Werner Brombachs, der einmal mehr betonte, er "war, ist und wird immer ein Brauer mit Leib und Seele" sein. Ein Spruch, der fast so bekannt ist, wie der Jingle, den seine Marketingleute in den 80er Jahren fürs Radio erdacht haben und den heute jedes Kind mitpfeifen kann.

Das an Superlativen nicht arme Leben des Werner Brombach hat am Sonntagabend weitere Höhepunkt erfahren: Aus Liverpool grüßte das neue Werbegesicht der Brauerei, Jürgen Klopp, der mit der ihm eigenen Mischung aus Selbstbewusstsein und Flapsigkeit verkündete, in Liverpool könne man derzeit alles verkaufen, "wo mein Gesicht drauf ist". Das könne sich natürlich auch wieder ändern. In Richtung der in Erding weilenden Catharina Cramer von der Warsteiner Brauerei scherzte er, er werde in Flugzeugen weiterhin Warsteiner trinken. Jetzt ist er mit Brombach eine mehrjährige Partnerschaft eingegangen. Sie wird der Brauerei neue Absatzmärkte erschließen.

Der Abend hatte mit einem weiteren Superlativ begonnen: Die Festgesellschaft war schon versammelt, als Brombach mit Söder in die aufwendig dekorierte Lagerhalle einmarschierte - zum Defiliermarsch. Der sei eigentlich dem Ministerpräsidenten vorbehalten, klärte der gut gelaunte Söder auf. Für Brombach habe er aber eine Ausnahme gemacht. Für einen Mann, "charmant, höflich, zuvorkommend und überhaupt nicht überheblich". Nichts sei bei Brombach so wie bei anderen 80-Jährigen. "Normalerweise fängt so eine Feier am Nachmittag an, weil die Leute früh ins Bett wollen." Brombachs Party sei anders, "das hier ist pure Lebensfreude". Sein Weißbier sei edel und schlank im Glas, lebendig und spritzig. "Es steht für das, was Bayern ausmacht."