Erding Der Zeitreisende

Niemand wollte seine Comics, also gründete Christopher Kloiber in Wörth Plem Plem Productions. Jetzt verlegt er kiffende Katzen, Erotik-Zombies oder Vampir-Teenager - und verdient sogar ein bisschen Geld damit.

Von Katrin Langhans

Wenn Christopher Kloiber Zug fährt, fallen ihm oft Geschichten ein. Was wäre, wenn er durch die Zeit reisen könnte? Was würde er verändern? Kloiber schreibt seine Gedanken auf oder zückt sein hellblaues Heft, so groß wie ein Portemonnaie, und zeichnet holzschnitzartig einen Comic. Seine Helden umreißt er als Silhouette, ihre Mimik erkennbar als Schrei, Weinen oder Lachen. Daneben in kleinen Druckbuchstaben der Text, kaum zu entziffern. Sein Herzblut.

Als Kind spielt Kloiber mit Actionfiguren, den Power Rangers, Ghostbusters und Action Man. Als Jugendlicher verschlingt er Supermann und Batman, zeichnet selbst, vertickt Karikaturen von seinen Lehrern auf dem Schulhof, für 50 Cent das Stück. Nach der Schule wird er Verkäufer, arbeitet im Supermarkt, später bei Subways. Mit 21 Jahren versucht er seine Comic-Ideen an Verlage zu verkaufen. Ohne Erfolg. Also gründet er 2008 Plem Plem Productions, einen Independent Comic-Verlag. Kloiber druckt seinen ersten Comic, schwarz-weiß, vertreibt ihn im Netz und unter der Ladentheke bei Subways. In seinem Comic gammelt "Dopey", eine kiffende Katze, im Supermarkt rum. Später entwirft er den quirligen Roboter "Sanchez", der wilde Abenteuer erlebt.

Seine halblangen dunkelbraunen Haare trägt Kloiber, 27 Jahre alt, nach hinten gekämmt, leicht gegelt. Wenn er über seine Comic-Helden spricht, flammen die Augen, fliegen die Hände wild durch die Luft. Ein bisschen arrogant ist er schon. Muss er auch sein, in der Branche. Auf Comic-Messen lachen sie ihn manchmal aus. Du mit deinem Mini-Independent-Verlag aus Wörth, sagen sie. Kloiber lässt das kalt, immerhin schafft er es mit seinem Mini-Verlag einen Stand auf Comicmessen zu bekommen. Er verlegt kiffende Katzen, Erotik-Zombies oder Vampir-Teenager. Einige Comics macht er selbst, andere lässt er schreiben und zeichnen. Es läuft so gut, dass er sogar ein bisschen daran verdient.

Kloiber ist ein Nachtmensch, frühstückt um zwölf, geht um eins ins Bett. Er hat nie zeichnen oder texten gelernt, aber lebt von seinen Bildern, zeichnet DVD Cover, entwirft T-Shirt- Cover und Comics. Was der Verlag abwirft, steckt er meistens in neue Projekte. Kater "Dopey", sein Baby, zeichnet er bunt, sogar in 3D. Für den Verlag arbeiten jetzt auch Henning Merhtens, Tommy Wagner, Alfonso Pinedo und Dennis Lehmann alias "Bouncie D". In dem neuen Comic "The Changer" teilen sie sich die Arbeit. Kloiber schreibt, Wagner zeichnet, und Pinedo tuscht. Merhtens taucht den Hintergrund in fließendes Licht, arbeitet Schatten heraus und trägt Farbtöne auf. Am Schluss setzt Kloiber die Sprechblasen und den Text ein. Viel Herzblut steckt in dem Werk. Für eine Seite brauchen die Künstler eine Woche, für den ganzen Comic fast vier Monate. Er fasst sechsunddreißig Seiten.

Die Comicstrips haben viel Tiefe, sind filigran, realistisch und detailreich. Die Geschichte ist erwachsener als "Dopey". Sie erinnert ein bisschen an den Bösewicht Bruce Wayne aus Batman und den Helden Even aus dem Film Butterfly Effect. Nach einem Meteroidenhagel kann der "Changer" durch die Zeit reisen und seine Freundin retten, die bei einem Autounfall starb. Aber jedes Mal, wenn er durch die Zeit springt, attackiert ihn eine dunkle Gestalt - und etwas an ihm verändert sich.

Der Comic spielt in Washington, Kloiber will die Geschichte auch in den USA verkaufen, die englische Version hat er schon gedruckt. In Deutschland waren die ersten 500 Hefte innerhalb von zwei Monaten ausverkauft. Seit Ende März kann man im Internetshop die zweite Auflage kaufen. An der Fortsetzung des "Changers" arbeitet der Verlag auch schon. Kloiber hat die Geschichte bis Ausgabe sechs geskriptet. Ob der Changer seine Liebste wirklich retten kann, verrät er aber noch nicht.

Den Comic "The Changer" von Plem Plem Productions kann man für 4,90 im Internet unter whoacomics.de kaufen.