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Erding:Daher weht der Wind

Windkraft im Landkreis Erding: In diesen Konzentrationsflächen könnten Windkraftanlagen errichtet werden

Monatelang haben die Kommunen im Landkreis hinter verschlossenen Türen beraten: Jetzt endlich stellen sie Konzentrationsflächen vor, in denen in Zukunft Windräder aufgestellt werden könnten. Es zeigt sich: Manche Kommunen müssen mit gar keinen Rotoren auf ihrem Gemeindegebiet rechnen, andere sehr wohl.

Die Frage, wo im Landkreis Erding Windenergieanlagen (WEA) aufgestellt werden können, wird derzeit Schlag auf Schlag beantwortet. Als erste der insgesamt sechs Konzentrationszonen wurden die Bürger der zum Cluster II zusammengefassten Gemeinden Finsing, Neuching und Ottenhofen am Donnerstagabend über potenzielle Standorte unterrichtet. Landrat Martin Bayerstorfer, zahlreiche Bürgermeister sowie Vertreter des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum München waren dazu in der GoKart-Arena Neufinsing zusammengekommen.

Anhand einer von allerlei Kreisen und Linien durchzogenen Karte zeigte Matthias Beck, Stadtplaner und Bauassessor des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München, wo die Riesenrotoren stehen könnten. Die gesamte Fläche liegt auf Finsinger Gemeindegebiet, der Großteil davon im Finsinger Holz. Wie Beck erläuterte, herrsche hier mit Windgeschwindigkeiten von mehr als sechs Metern pro Sekunde hundert Meter über Grund sogar die höchste Windhöffigkeit im ganzen Landkreis. Ein bis zwei der bis zu 150 Meter hohen Schwachwindanlagen könnten hier aufgestellt werden.

Landrat Martin Bayerstorfer nutzte die Gelegenheit, den Bürgern Sinn und Zweck des sogenannten "Teil-Flächennutzungsplan Windkraft" näher zu bringen. Dieser wurde von allen 26 Landkreisgemeinden beschlossen und vom Landratsamt koordiniert. In erster Linie soll damit eine Verspargelung, sprich willkürliche Verteilung der Windkraftanlagen in der Landschaft, verhindert werden. Denn Windkrafträder sind privilegiert: Außerhalb von Ortschaften können sie mit dem gesetzliche vorgeschriebene Abstand überall aufgestellt werden.

Um dies zu verhindern, hatten sich die 26 Bürgermeister des Landkreises darauf geeinigt, in Eigenregie geeignete Standorte auszuweisen. In einem mehrstufigen Verfahren wurden diese vom mit der Erstellung beauftragte Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München in Zusammenarbeit mit der Münchner Prof. Schaller Umwelt Consult GmbH ermittelt. Ausgeschlossen wurden Natur- und Landschaftsschutzgebiete, Militärlufträume und Flugzonen. Statt einzelne Anlagen in der Landschaft zu verteilen, einigte man sich darauf, diese gebündelt aufzustellen. "Nicht, dass man überall im Landkreis nur noch Windradl sieht", bemerkte Bayerstorfer. Den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand von 500 Metern zur reinen Wohnbebauung hoben die Bürgermeister auf 1500 Metern an. Insgesamt 950 Hektar wurden auf diese Weise als Konzentrationsflächen ausgewiesen, etwa 40 Anlagen könnten dort entstehen.

"Ich bin dankbar, dass der Schutz der Bevölkerung so hoch angesetzt wurde und glaube, das ist auch sinnvoll", lobte Bayerstorfer die großzügig bemessenen Parameter. Gleichzeitig gab der Landrat aber zu bedenken, dass diese nur eingehalten werden könnten, wenn die Gemeindevertreter die eingeschlagene gemeinsame Linie auch beibehielten. "Wenn wir uns nicht einigen können, muss die nächsthöhere Ebene übernehmen. Und deren Maßstäbe sind mit Sicherheit nicht so hoch angelegt wie die unseren."

Doch nicht nur die Entscheidung darüber, wo die Windkraftanlagen stehen sollen, möchte der Landrat nicht aus der Hand geben. "Wäre es nicht sinnvoll, wenn Kommunen, regionale Energieversorger und der Landkreis diese gemeinsam errichten würden?", fragte er in die Runde. Auch die Bürger sollten mit kleineren Investitionen zwischen 5000 und 10 000 Euro daran beteiligen können. Mit der Ausarbeitung einer geeigneten Rechtsform für die später zu gründende Investitions- und Betreibergesellschaft hat der Kreistag bereits eine "Projektvorbereitungsgesellschaft" in Form einer GmbH beauftragt. Als sicher gelten dürfte damit auch, dass die betroffenen Gemeinderäte der Weiterverfolgung des Windenergieprojekts zustimmen. Immerhin, merkte Bayerstorfer an, lägen schon jetzt drei Angebote von Investoren vor.