Erding:Caritas feiert 75-jähriges Bestehen

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Erding: Sozialministerin Ulrike Scharf mit Gabriele Stark-Angermeier, Vorständin der Caritas München Freising, bei der Podiumsdiskussion.

Sozialministerin Ulrike Scharf mit Gabriele Stark-Angermeier, Vorständin der Caritas München Freising, bei der Podiumsdiskussion.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Anfänge gehen auf Hilfe für Geflüchtete in Wartenberg zurück. Mittlerweile sind 200 hauptamtliche und 180 ehrenamtlich engagierte Frauen und Männer im ganzen Landkreis aktiv.

Von Thomas Daller, Erding

Die Caritas hat ihr 75-jähriges Bestehen im Landkreis Erding gefeiert. Nach einem Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche Sankt Johannes gab es zum Jubiläum eine Podiumsdiskussion im Festsaal des Weißbräu, bei der aktuelle sozialpolitische Themen erörtert wurden. Mit dabei war unter anderem Ulrike Scharf (CSU), Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales. Fortgesetzt wurde die Feier mit einem Nachmittag der offenen Tür ebenfalls im Weißbräu, bei dem man sich über Arbeit und Geschichte der Caritas im Landkreis Erding informieren konnte.

Eigentlich ist die Caritas im Landkreis Erding bereits 76 Jahre alt, doch wegen der Pandemie mussten die Feierlichkeiten um ein Jahr verschoben werden. Begonnen hat es schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 mit einem Angebot für Geflüchtete in Wartenberg. Seitdem hat sich viel getan. 200 Mitarbeitende und 180 ehrenamtlich engagierte Frauen und Männer arbeiten mittlerweile im ganzen Landkreis verteilt.

Über die Jahrzehnte wurden die Angebote kontinuierlich ausgebaut

In den 1970er-Jahren wurde die Sozialstation gegründet, die es Menschen ermöglicht, trotz Pflegebedarf zu Hause zu bleiben. Ein wichtiger Baustein bis heute in der pflegerischen Versorgung der Bevölkerung. In den 1980er-Jahren wurde der Sozialpsychiatrische Dienst gegründet. Es gibt ein ambulant betreutes Wohnen, eine therapeutische Wohngemeinschaft, Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige, Seniorentreffen und Seniorengruppen und seit einigen Jahren auch die Mitarbeit im Krisendienst Psychiatrie in Bayern.

In den 1990er-Jahren übernahm die Caritas die Trägerschaft der Kletthamer Kinderburg, die neben einem Kindergarten und Schulkindergarten auch einen Hort und eine Mittagsbetreuung umfasst. Ende der 90er-Jahre wurde die Schuldnerberatung gegründet. Aus dieser entstanden die heutigen sozialen Dienste mit ihren sozialen Beratungen in Erding, Dorfen und Taufkirchen, der Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit, der Schuldenprävention sowie der Flüchtlings- und Integrationsberatung Lindum.

In den 2000er-Jahren etablierte die Caritas die Kontaktstelle für Menschen mit Behinderung. Diese ist bis heute eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige. Das mehrfach ausgezeichnete Mehrgenerationenhaus in Taufkirchen wurde 2004 als Kinder- und Jugendhaus gegründet. Alleine dort arbeiten mittlerweile 50 Personen hauptamtlich und 50 Menschen engagieren sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit dort. Neben der Kita werden fast 300 Kinder der benachbarten Grund-, Mittel- und Realschule betreut und mit in der hauseigenen Küche gekochtem Mittagessen versorgt. Auch die Sozialarbeit der Grund- und Mittelschule ist dort ansässig. Ebenso gibt es zahlreiche Begegnungsangebote für alle Generationen und Nationen.

Die Arbeit der Caritas hat sich durch die Krisen intensiviert

2008 wurde die Tafel Taufkirchen gegründet, die als autonome Organisation unter dem Verwaltungsdach der Caritas Erding steht. 2005 wurde Rentabel gegründet. Dieser Fachdienst heißt mittlerweile BIQ, was für Beschäftigung, Integration und Qualifizierung steht. In den Rentabel-Gebrauchtwarenmärkte in Erding und Freising erhalten zum Beispiel Langzeitarbeitslose, Menschen mit psychischer Erkrankung und Geflüchtete im Asylverfahren unter sozialpädagogischer Begleitung eine Chance. Zudem stellt die Gemeindecaritas seit Jahrzehnten ein wichtiges Bindeglied zwischen den hauptamtlichen Caritas-Mitarbeitern und den Pfarrgemeinden dar.

Bei der Podiumsdiskussion sagte Kreisgeschäftsführerin Alexandra Myhsok, die Arbeit der Caritas habe sich durch die Pandemie, den Ukrainekrieg und die Energiekrise intensiviert. Es kommen mehr Menschen in die Beratungsdienste, die psychische Belastung habe zugenommen, die Schuldnerberatung werde mehr in Anspruch genommen und mehr Menschen seien von Wohnungslosigkeit bedroht. "Natürlich brauchen wir mehr Wohnungen", betonte auch Hans Wiesmaier (CSU), Bürgermeister und Kreisvorsitzender des Gemeindetags. Zudem würden die 26 Kommunen des Landkreises auch die Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit unterstützen. Sozialministerin Ulrike Scharf wies auf die Leistungen des Freistaats hin, es gebe einen eigenen Härtefallsfond in Höhe von 1,3 Milliarden Euro und zudem auch eine Stiftung zur Vermeidung von Obdachlosigkeit. Abschließend ging die stellvertretende Erdinger Bürgermeisterin Petra Bauernfeind (FW) auf die aktuelle Raumnot der Caritas ein und sicherte zu, dass die Stadt Erding bei der Suche nach größeren Räumen behilflich sein werde.

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