Kunstverein ErdingDie anrüchige Erdinger „Blumenkohl-Affäre“

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Der Kohlkopf ist hier nur im Katalaog zu sehen. Vor dem leeren Podest im Frauenkircherl stehen (von links) die Mitglieder des  Kunstvereins  Sandra Greckl, Fabienne Baker, Sylvia Frey und Elisabeth Lex mit den Besuchern Eckart Geithner und Hasiyet Richter-Tugrul.
Der Kohlkopf ist hier nur im Katalaog zu sehen. Vor dem leeren Podest im Frauenkircherl stehen (von links) die Mitglieder des  Kunstvereins  Sandra Greckl, Fabienne Baker, Sylvia Frey und Elisabeth Lex mit den Besuchern Eckart Geithner und Hasiyet Richter-Tugrul. Regina Bluhme

Ein echter Blumenkohl, der als Kunstobjekt dient, wird kurzzeitig aus einer Ausstellung entfernt. Ein Angriff auf die Freiheit der Kunst? Nein, betont der Veranstalter: Es liegt am unerträglichen Gestank des Gemüses.

Von Regina Bluhme, Erding

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Über Kunst lässt sich trefflich streiten. Der Kunstverein Erding musste sich jüngst mit der in der Kreativszene eher seltenen Debatte auseinandersetzen, ob ein Blumenkohl mit der Zeit zu stinken beginnt oder nicht. Die kurzzeitige Entfernung eines Kunstobjekts aus der Jahresausstellung sorgt gerade als „Blumenkohl-Affäre“ für Wirbel.

Unter dem Titel „Sichtbar Unsichtbar“ stellen aktuell 56 Künstler und Künstlerinnen aus ganz Bayern im Frauenkircherl Erding ihre Werke aus. Darunter ist das Objekt „Blumenkohl a la Monsanto - guten Appetit“ von Sylvia Frey. Die Steinkirchener Künstlerin hat einen echten Blumenkohl, der das menschliche Gehirn symbolisieren soll, mit mehreren Totenschädeln aus Plastik gespickt - eine kritische Auseinandersetzung mit dem Unternehmen Monsanto, das bis zur Übernahme durch Bayer das umstrittene Pestizid Glyphosat produzierte. Zwei Tage nach Eröffnung war der Blumenkohl verschwunden.

Daraufhin schlugen kunst- und politikaffine Erdinger Alarm. Eckart Geithner und Hasiyet Richter-Tugrul vermuteten einen Anschlag auf die Freiheit der Kunst. Die Entfernung des Kohls sei aus politischen Gründen erfolgt, wegen der Kritik an Glyphosat. Es folgte ein kleines Happening im Frauenkircherl, bei dem Richter-Tugrul in Ermangelung eines passenden Ersatzes einen Weißkohl auf dem leeren Podest platzierte.

Die anwesenden Mitglieder des Kunstvereins versicherten jedoch glaubhaft, dass ihnen nicht die Botschaft stinke, sondern die Ausdünstungen des Naturprodukts. Das ließ Richter-Tugrul nicht gelten: Sie habe die Ausstellung zuvor besucht und überhaupt nichts gerochen. Der Blumenkohl habe nicht gestunken, da sei sie sich ganz sicher.

„Leider hat der Blumenkohl die Eigenschaft, stark zu riechen, oder um es klar zu sagen, zu stinken“, schreibt Vereinsvorstand Frank Halatsch nun in einer eigens herausgegeben Pressemitteilung. Schon nach zwei Tagen sei der Geruch „penetrant und kaum auszuhalten“ gewesen. Bereits am Abend des zweiten Öffnungstags sei er während eines Konzerts im Frauenkircherl von zwei Besuchern gebeten worden, den Blumenkohl an einen anderen Ort zu bringen.

Der Blumenkohl wird jetzt alle paar Tage durch einen neuen ersetzt

Daraufhin wurde der Kohlkopf erst in den Vorraum verfrachtet, einen Tag später in den Kühlschrank. Es half alles nichts. Am vierten Tag bat der Verein die Künstlerin, den Kohlkopf abzuholen. Das hat Sylvia Frey gemacht. Inzwischen ist das Podest wieder mit einem Blumenkohl voller Totenschädel besetzt. Frey ist mit dem Verein übereingekommen, dass sie alle paar Tage, sobald es nötig wird, den Blumenkohl durch einen frischen ersetzen wird.

Dass der Blumenkohl jetzt die Jahresausstellung „überstrahlt“, findet Halatsch ein wenig schade. Aber womöglich lockt die „Affäre“ mehr Besucher und Besucherinnen an.  Die Jahresausstellung ist noch bis Sonntag, 17. August, täglich von 13 bis 19 Uhr geöffnet.

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