Bis vor wenigen Monaten war Giuseppe Lopez noch Küchenchef in einem Viersterne-Resort im Salzkammergut. Seit Anfang des Jahres arbeitet er jedoch mit Hammer, Schraubenzieher und Malerpinsel statt mit Töpfen und Pfannen. Der 27-Jährige, seine Brüder und die Eltern packen kräftig mit an, um auf dem Areal der Alten Schiaßn in Erding einen Biergarten, ein Restaurant und einen Club zu eröffnen. Die Sommersaison wollen sie auf jeden Fall nutzen.
Auf dem Gelände führte bis zum vergangenen Jahr der Erdinger Gastronom David Ritter den Sommergarten und den Club „Weekend“. Jetzt entwickelt Familie Lopez dort das Projekt „La Fenice“. An diesem Dienstag wirkt das Areal am Neuen Schießfeld 2 noch wie eine Baustelle. Kieshügel lagern an der Stelle des künftigen Biergartens, Arbeiter verlegen Steine und Leitungen.
In einem blau gestrichenen Container werkeln Giuseppe Lopez, sein Bruder Francesco und Vater Salvatore. Hier werde demnächst die Küche für den Biergarten eingerichtet, erzählt Giuseppe Lopez. Die Gäste des Biergartens oder: der Piazza – schließlich handelt es sich hier um ein bayerisch-italienisches Projekt – können zwischen wechselnden frisch zubereiteten Gerichten wählen. Geplant ist auch einen Bedienbereich.
Selbstverständlich dürfen eigene Brotzeiten mitgebracht werden. „So gehört es sich doch für einen bayerischen Biergarten“, sagt Giuseppe Lopez. Damit bekommt die Große Kreisstadt ihren ersten Stadtbiergarten.


Die Eltern Stella und Salvatore Lopez stammen aus Kalabrien, die drei Söhne sind in Erding aufgewachsen. Im Landkreis hat das Ehepaar 15 Jahre lang die beliebte Pizzeria „Da Massimo“ in Eitting betrieben. Dann kam Corona. Stella und Salvatore Lopez kehrten nach Kalabrien zurück und eröffneten dort ein Lokal. Giuseppe arbeitete in Österreich, die zwei Brüder blieben in Erding, Francesco als Banker und Lorenzo als Optiker. Die Sehnsucht nach den drei Söhnen und den Enkeln ließ die Eltern nach Erding zurückkehren. Dort wartete ein neues Projekt, entwickelt von den Söhnen.
Im Winter vergangenen Jahres sei bei einem gemeinsamen Abend irgendwann die Idee für eine Pizzeria, einen Biergarten und einen Club entstanden, erzählt Giuseppe Lopez, der zusammen mit Bruder Francesco als Geschäftsführer fungiert. Verpächter ist die Fischers Stiftungsverwaltung. „Hier soll ein Ort entstehen, an dem die Leute wieder zusammenkommen“, so Giuseppe Lopez. Zum Essen, Tanzen, Feiern und Ratschen.
Die Schiaßn hat ein bewegtes Leben hinter sich
Neben dem Biergarten mit etwa 600 Plätzen soll auch der Club wieder eröffnet werden. Dort laufen aktuell die Umbauten. Unter anderem werde es eine größere Tanzfläche geben und eine neue Lichtanlage, erzählt der 27-Jährige. Das Restaurant mit knapp 50 Sitzplätzen werde gehobene Küche bieten. Er freue sich schon wieder sehr aufs Kochen, sagt Giuseppe Lopez. Am eigens gemauerten Pizzaofen im Lokal wird Vater Salvatore stehen.
Die Schiaßn hat ein bewegtes Leben hinter sich. 1927 erhielt die Königlich Privilegierte Feuerschützengesellschaft (FSG) ein zinsloses Darlehen von der Fischer’s-Stiftung über 45 000 Reichsmark zur Baufinanzierung der Schießstätte. Das Gebäude war 1928 fertiggestellt. Zur Einweihung kam anlässlich der damaligen 700-Jahr-Feier der Stadt Erding sogar Kronprinz Rupprecht von Bayern.
Nach dem Auszug der Schützen diente das Gebäude unter anderem als Location für Kleinkunst, Jazzkonzerte, ein kleines Filmfestival, für Gastronomie und für Diskotheken. Nun entsteht dort das Projekt „La Fenice“. Der Name verweise zum einen auf den Fabelvogel Phönix, der aus der Asche wiederauferstanden ist, erzählt Giuseppe Lopez. Zum anderen beziehe er sich auf das Opernhaus von Venedig, das zweimal abgebrannt und wieder aufgebaut worden sei – und damit für Kraft und für Hoffnung stehe.

