Erding:Aussortiert

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Weil ihre Buden optisch nicht mehr ins Bild passen, hat die Stadt Erding drei Standbetreibern in diesem Jahr keine Genehmigung für das Herbstfest erteilt. Die Betroffenen werfen der Verwaltung vor, willkürlich zu entscheiden.

Alexandra Maier

Das Erdinger Herbstfest wird in diesem Jahr wohl ohne drei seiner Traditionsbuden stattfinden müssen. Maidl's Brotzeitbude, Emilio's Imbiss und der Fisch-Wiggerl haben von der Stadt Erding keine neue Standgenehmigung erhalten.

In allen drei Fällen hätten umfangreiche Erneuerungsmaßnahmen ins Haus gestanden. Die Standlbetreiber wurden von der Stadt aufgefordert, das "äußere Erscheinungsbild zu verbessern, für einen frischen und zeitgemäßen" Auftritt auf dem Herbstfest, sagt Christian Wanninger, Pressesprecher der Stadt Erding. Die alten Buden passten nicht mehr ins Ensemble.

Das ärgert Michael Maidl, für dessen Bude es heuer das 65. Herbstfest gewesen wäre: "Unser Stand ist bayerisch traditionell, ist er deswegen etwa zu greislig?" Drei Generationen haben in der Brotzeitbude mitgearbeitet. Jetzt haben Maidl und seine Familie nicht einmal die Chance, sich von ihren langjährigen Kunden zu verabschieden: "Das tut mir mitunter am meisten weh." Zumal Maidl das mit Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) geklärt hatte - wie er glaubte: "Es gab mehrere persönliche Gespräche, in denen dieser Punkt angesprochen wurde", sagt Maidl. Auch Emil Herrmann, langjähriger Inhaber von Emilio's Imbiss, fühlte sich "total überrumpelt", als kurz vor Ostern der negative Bescheid der Stadt in seinem Briefkasten lag. Emilio's Imbiss war mehr als 50 Jahre lange eine Institution beim Herbstfest.

Gotz kontert: Für ihn sei nicht klar gewesen, dass das Herbstfest 2013 wirklich das letzte für Maidl's Brotzeitbude und Emilio's Imbiss hätte sein sollen. Den Vorwurf einer "Willkürentscheidung" weist das Erdinger Stadtoberhaupt zurück: "Ich habe unter Vorbehalt zugesagt, dass man um ein Jahr verlängern könnte. Aber letztendlich entscheidet das der Volksfestausschuss. Das kann ich nicht allein." Petra Bauernfeind (UWE) sitzt in ebendiesem und sagt: "Wir haben einfach keine konkreten Aussagen von den drei Betreibern bekommen."

Wäre eindeutig gewesen, dass man nur noch ein Jahr dranhängen möchte, dann "hätten wir das verstanden. Darüber hätte man reden können." Maidl verweist in diesem Zusammenhang auf ein Schreiben an die Stadt Erding, aus dem dies seiner Ansicht nach eindeutig hätte hervorgehen müssen. Auch Herrmann sagt, er habe "schriftlich klar gemacht", dass er nur noch ein Jahr "dranhängen wollte". Bauernfeind verneint dies. Die Schreiben seien vorgelesen worden, diese Absicht sei nicht klar genug ersichtlich gewesen.

Maidl betont, er wollte sich einer Umgestaltung nicht gänzlich verweigern: "Wir haben in den letzten Jahren immer modernisiert, wenn es uns aufgetragen wurde." Rund sieben bis achttausend Euro habe er dafür in den vergangenen Jahren aufgewendet: Für neue Elektrik, neue Wasser- und Abwasserleitungen sowie die Umstellung der Fritteuse von Gas auf Strom. "All diese Dinge machen die Bude sicherer, für die Kunden und auch für diejenigen, die drin arbeiten." Und auch in diesem Jahr wollte der Budenbetreiber nochmals investieren: eine neue Außenbeleuchtung war angedacht, auch eine neue Kühlanlage sowie ein Hendlgrill waren im Gespräch.

"Ich bin froh, damit gewartet zu haben. Sonst säße ich jetzt auf den Kosten", meint Maidl. Er, der gut zehn Wochen im Jahr seiner Bude untergeordnet habe, ist "sauer und bitter enttäuscht". Herrmann glaubt, dass man sich in Erding "immer weiter von einem gemütlichen Volksfest entfernt. Standlmäßig bräuchte es eine gesunde Mischung. Nicht nur Prosecco- und Caipirinha-Stände." Zudem stört ihn "die Art und Weise, wie das gemacht wurde." Die Frist, ein neues Standkonzept vorzulegen sei "viel zu kurz gewesen". Bauernfeind betont, zwei der fünf aufgeforderten Betreiber hätten "prompt reagiert" und "ein wirklich schönes Konzept vorgelegt".

Wer statt den drei Traditionsständen auf dem diesjährigen Herbstfest stehen wird, soll in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden, meint OB Gotz. Man lege in Erding auch weiterhin Wert darauf, dass beim Herbstfest Heimische zum Zuge kämen. Von "konkreten Nachfolgern" könne man ohnehin nicht sprechen, erklärt Wanninger. Das Herbstfest sei ein "gigantisches Puzzlespiel", da könne es sein, dass nicht genau auf den drei Plätzen jemand Neuer steht.Maidl und Herrmann könnten sich im nächsten Jahr nochmals bewerben. "Ich weiß aber schon im Vorhinein, dass ich keine Chance habe, wenn ich nicht umfassend erneuere - und das kann ich mir nicht leisten", meint Maidl und auch Herrmann sagt deutlich: "Für mich ist 2014 kein Thema." Verabschieden und "Danke sagen" will er sich dennoch: vielleicht mit einer Spende für karitative Zwecke.

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