Erding Auf Wachstumskurs

Kreiskrankenhaus Erding will mit kräftigen Investitionen aus den roten Zahlen kommen. Der Landkreis wird voraussichtlich mit hohen Summen aushelfen müssen.

Von Florian Tempel

ErdingObwohl - oder gerade weil - das Kreiskrankenhaus Erding Verluste macht, soll das medizinische Angebot kontinuierlich weiter ausgebaut werden. Schon als Anfang des Jahres bekannt wurde, dass die Einrichtung 2011 wirtschaftlich tief in die roten Zahlen gerutscht ist, haben Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) und Klinikvorstand Sándor Mohácsi weitere Investitionen angekündigt. Und bei der Veröffentlichung des Rekorddefizits von 2,8 Millionen Euro im März bekräftigte Mohácsi noch einmal, "wir haben uns für ein Gesundwachsen entschieden und nicht für ein Gesundschrumpfen". Der Landkreis, der in diesem Jahr zur Unterstützung seines Krankenhauses 1,9 Millionen Euro überweist, wird ihm deshalb voraussichtlich in den kommenden Jahren mit weiteren großen Summen unter die Arme greifen müssen.

Eine bereits getätigte Investition ist der Umbau der zentralen Notaufnahme gewesen.

(Foto: Bauersachs)

Ein Baustein der Weiterentwicklung ist die Einrichtung eines Dialysezentrums am Kreiskrankenhaus durch das Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation (KfH). Seit mehr als zehn Jahren warten Nierenkranke im Landkreis bereits darauf, dass sie nicht mehr nach Freising, Landshut oder Mühldorf zur Blutwäsche fahren müssen. Nachdem ein langwieriger Gerichtsstreit zu Ende gegangen war, soll es nun schnell gehen. Ende dieses oder Anfang des kommenden Jahres will das KfH-Nierenzentrum Freising in Räumen des Kreiskrankenhauses eine Filiale mit acht bis zwölf Dialyse-Plätzen eröffnen, bestätigte die Pressestelle des KfH. Zwei Ärzte und vier Pfleger könnten dann in Erding 32 bis 48 Dialysepatienten behandeln. Die benötigten Räume wird das Kreiskrankenhaus stellen und an die KfH-Partner vermieten, die die komplette Einrichtung selbst mitbringen werden.

Da der Bedarf an Dialyseplätzen in Erding jedoch bei bis zu 30 Plätzen liegen dürfte, muss für eine entsprechende Erweiterung am Kreiskrankenhaus angebaut werden. In einem neuen Trakt ließen sich auch weitere neue Abteilungen unterbringen, mit der das medizinische Spektrum am Kreiskrankenhaus Erding in Eigenregie und in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten erweitert werden kann. Verwaltungsrat Herbert Knur bestätigte, dass an den Aufbau einer neurochirurgischen Abteilung gedacht ist. In Kooperation mit selbständigen Fachärzten könnte zudem Strahlentherapie am Kreiskrankenhaus angeboten werden. Da die bestehenden chirurgischen Abteilungen sowieso alle Hände voll zu tun haben - 2011 wurde die Zahl der Operationen um 26 Prozent im Vergleich zu 2010 gesteigert - muss auch mindestens ein neuer Operationssaal her. Ein neuer OP sollte, um modernste Operationstechniken zu ermöglichen, zudem mit einem Computertomographen ausgestattet werden.

Baumaßnahmen und moderne Technik kosten viel Geld. Das Kreiskrankenhaus hat zuletzt jedoch dicke Verluste gemacht. In den vergangenen beiden Jahren zusammen 4,7 Millionen Euro. Nach Einschätzung von Klinkchef Mohácsi wird sich das betriebswirtschaftliche Ergebnis nicht so schnell ins Plus drehen lassen. "Es ist unser Ziel, in zwei bis drei Jahren ein ausgeglichenes Ergebnis zu haben", sagte er bereits im März. Neben den Investitionen schlagen auf der Ausgabenseite vor allem die Tariferhöhung für die Mitarbeiter zu Buche. Denn die Krankenkassen erhöhen ihre Zahlungen an die Krankenhäuser gleichzeitig nicht im gleichen Maße wie die Löhne steigen.

Für Krankenhaus-Verwaltungsrat Herbert Knur gibt es "keine Alternative" dazu, das Kreiskrankenhaus trotzdem mit Investitionen in die Zukunft zu führen. Wozu ein harter Sparkurs führe, habe man in Erding schon erlebt: "Das hat man in der Vergangenheit mehrfach versucht - mit dem Ergebnis, dass sich das Personal nicht mehr mit seinem eigenen Haus identifiziert hat." Dass der Landkreis die Finanzierungslücke ausgleichen muss, sei ein nicht zu vermeidendes Übel des deutschen Systems der Gesundheitsfinanzierung, in dem die Krankenkassen den Klinken schlicht zu wenig Geld zukommen ließen. Dass der Landkreis und seine Kommunen die Lücke mit Steuergeld schließen muss, sei zwar "eine ganz schreckliche Vorstellung, aber was soll man machen". Auf Dauer seien Unterstützungszahlungen an das Kreiskrankenhaus allerdings unannehmbar. "Es muss schon einen Businessplan geben, der mittelfristig schwarze Zahlen bringt."

Hans Wiesmaier, Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags, sieht den Kurs, der aktuellen betriebswirtschaftlichen Krise des Kreiskrankenhauses mit Wachstum zu begegnen, ebenfalls als einzig richtigen Weg. Eine Weiterentwicklung ist für ihn "die logische Konsequenz aus der Entscheidung, das Kreiskrankenhaus in kommunaler Hand zu behalten". Die Kommunen, die über die Kreisumlage den Landkreishaushalt mit Geld füllen, dürften jedoch nicht über Gebühr belastet werden: "Es kann nicht sein, dass der Landkreis schuldenfrei ist und die Kommunen nicht."