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Erding:Auf der Suche nach Auszubildenden

"Maurer und Betonbauer will keiner mehr machen“, sagt Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger.

(Foto: Christian Endt)

Handwerk und das Hotel- und Gaststättengewerbe hatten schon vor der Pandemie Probleme, Nachwuchs zu finden. Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen sowie Lockdowns in einigen Bereichen haben die Situation verschärft

Von Gerhard Wilhelm, Erding

"Der Ausbildungsmarkt steht 2021 unter besonderen Vorzeichen", wie die Agentur für Arbeit schreibt. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist nämlich vieles anders: für die Schüler, die eine Ausbildung anstreben, und für die Firmen, die Lehrstellen anbieten. Dass im Landkreis Erding die Ausbildungsbereitschaft hoch ist, zeigen die Zahlen. Im Berufsberatungsjahr 2020/2021 (Oktober 2020 bis Mai 2021) lagen der Agentur insgesamt 684 zu besetzende Stellen vor. 21,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Mai waren davon noch 385 Stellen unbesetzt. Den 648 Lehrstellen standen 465 junge Leute aus dem Landkreis gegenüber, die mit Hilfe der Berufsberatung auf die Suche nach einer Ausbildungsstelle waren. 26 Personen weniger im Vergleich. Davon hatten im Mai noch 193 junge Leute keine berufliche oder schulische Perspektive, wie Kathrin Stemberger von der Agentur für Arbeit in Freising mitteilt.

Dass es weniger potenzielle Auszubildende gibt, spüren vor allem Handwerk und der Hotel- und Gaststättenbereich. Die Jungs zieht es nach wie vor in Berufe wie Kfz-Mechatroniker (Auto-Technik), Elektroniker (Energie-/Gebäudetechnik) und Kaufmann (Büromanagement). Bei den Mädchen ist vor allem die Medizinische Fachangestellte, die Ausbildung zur Kauffrau (Büromanagement) und zur Zahnmedizinischen Fachangestellten gefragt.

Dringend gesucht werden Nachwuchskräfte im Handwerk. Das liegt nach Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger zum einen an den geburtenschwachen Jahrgängen, aber auch an der "Verschulung" wie er sagt. Immer mehr Jugendliche würden Abitur machen wollen, und seien in der Regel dann für das Handwerk verloren. Große Probleme habe man im Bauhandwerk. "Maurer und Betonbauer will keiner mehr machen", so Waxenberger. Man müsse mehr ausbilden als vielleicht in den Betrieben benötigt werden, da viele Auszubildenden später zur Stadt oder Landkreis vielleicht gehen würden. Erschwerend komme mit der Pandemie dazu, dass zum Beispiel Friseure unter den Lockdowns und Auflagen leiden mussten, was einen Beruf auch nicht gerade attraktiver mache.

Auch Andreas Fehlberger jun., stellvertretender Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Erding, sieht das so. Schon bisher sei es schwer gewesen, für einen Job zu werben, der häufig in Zeiten ausgeübt wird, wenn andere Freizeit haben. "Wer will den Beruf schon machen? Für die Branche muss man schon Zeit haben. Da sitzen wir alle im selben Boot", sagt Andreas Fehlberger. Die unsichere Zukunft erschwere zudem die Suche nach Lehrlingen.

Wenn es um einen zukunftssicheren Beruf geht, sieht Waxenberger allerdings das Handwerk auf der Gewinnerseite. "Man kann erzählen, was man will, aber im Landkreis Erding erbringt das Handwerk mehr als 20 Prozent der Wirtschaftsleistung. Mehr als der bayernweite Wert." Man müsse sich derzeit nur große Firmen ansehen, die Tausende von Arbeitsplätze abbauen. "Bei uns werden Leute gesucht und wir beschäftigen sie auch in schlechten Zeiten."

Corona hat nach Waxenberger - und die Arbeitsagentur bestätigt dies - auch die "Anwerbung" von Auszubildenden erschwert. Aufgrund der Schulschließungen und der Kontaktbeschränkungen konnten berufsorientierende Veranstaltungen, Sprechzeiten an den Schulen und persönliche Beratungen in den vergangenen Monaten nicht in gewohnter Form durchführt werden. Vor Pandemie-Zeiten sei man in die Schulen gegangen, habe Vorträge gehalten oder es gab Ausbildungsbörsen oder -abende, sagt Waxenberger.

Wie sich alle Faktoren auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar machen, ist laut Kathrin Stemberger von der Agentur für Arbeit noch ungewiss und wird erst zum Abschluss des Berufsberatungsjahres im Herbst beurteilt werden können. Ein Teil der Ausbildungsverträge werde wohl erst in den kommenden Wochen - und auch noch im August - abgeschlossen.

© SZ vom 24.06.2021
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