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Erding:Auf den letzten Drücker

Bauprojekt, in das die Arbeitsagentur einziehen will, wäre fast geplatzt. Zwischen Investoren und Bauamt herrscht dicke Luft

Von Philipp Schmitt, Regina Bluhme, Erding

Reichlich holprig verläuft der geplante Neubau eines Büro- und Wohngebäudes auf dem Parkplatz zwischen Dr.-Henkel-Straße und Landgestütstraße in Erding. Im Januar 2019 hatte der Stadtrat extra den Bebauungsplan geändert, damit das Vorhaben ausreichend groß für den geplanten Einzug der Agentur für Arbeit ist und die Behörde endlich ein festes Domizil findet. Jetzt stand das Projekt kurz vor dem Aus. Das Stadtbauamt hatte im Stadtentwicklungsausschuss die Aufhebung des geänderten Bebauungsplans auf die Tagesordnung gesetzt. Während die Investoren ihren Ärger in der Sitzung nicht verhehlten, zogen sich die Räte zu einer nichtöffentlichen Besprechung zurück. Ergebnis: Die Änderungen werden nicht aufgehoben, es kann ein Bürokomplex mit drei Stockwerken inklusive zwei Penthouse-Wohnungen gebaut werden. Die Agentur für Arbeit ist dennoch weiter auf der Suche und prüft "verschiedene Möglichkeiten".

In Erding ist die Agentur für Arbeit derzeit provisorisch in teuren Containern auf einem städtischen Grundstück am Bahnhof untergebracht. Händeringend werden passende Räume gesucht. Das Bauprojekt an der Landgestütstraße schien gut geeignet als Standort. Doch mit dem Projekt geht es einfach nicht recht voran. Zwischen den privaten Bauherrn und Vertretern des Stadtbauamts war es dem Vernehmen nach offenbar zu Unstimmigkeiten auch im Hinblick auf die im Obergeschoss geplanten Penthouse-Wohnungen gekommen - zudem gab es vor der Sitzung Zweifel, ob die Investoren und Vertreter der Arbeitsagentur weiterhin Interesse an einer Vermietung der geplanten Büroräume hätten. Schon bei der Änderung des Bebauungsplans für das Grundstück, auf dem sich aktuell ein Parkplatz befindet, hatte es kritische Stimmen gegeben angesichts des geplanten Gebäudeblocks. In der Nachbarschaft befinden sich Villen, auf die der Denkmalschutz ein Auge haben dürfte.

Die Sprecher der Stadtratsfraktionen von Freien Wählern, Grünen und Erding-Jetzt hatten sich kürzlich mit einem Schreiben an Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) gewandt, aufgeschreckt durch Anzeigenschaltungen der Arbeitsagentur, die nach neuen Standorten suchte. Die Räte baten Gotz um Informationen und darum, das Projekt voranzubringen.

Die Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft, Maximilian Neumayr und Helmut Sedlmeir, teilten nun am Rande der Sitzung mit, dass sie - entgegen anderslautenden Gerüchten - weiter eine Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur anstreben und die von Wendelin Burkhardt angefertigten Planentwürfe in den unteren Büroetagen für diese Nutzung ausgerichtet worden seien. Zudem bestünde Interesse der Arbeitsagentur an Räumen am Standort Dr.-Henkel-Weg, was Max Gotz und 2. Bürgermeisterin Petra Bauernfeind (Freie Wähler) während der Sitzung bestätigten.

Die öffentliche Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses wurde auf Antrag von CSU-Fraktionssprecher Burkhard Köppen für eine nicht-öffentliche Beratung unterbrochen - für die sichtlich angespannten Investoren, die das Areal vor einigen Jahren von Stadtratsmitglied Hans Egger (Erding Jetzt) erworben hatten, stand nun viel auf dem Spiel. Nach etwa einer halben Stunde gab Gotz Entwarnung, als er mitteilte, dass der Stadtentwicklungsausschuss dem Projekt und dem möglichen Umzug der Arbeitsagentur an die Dr.-Henkel-Straße weiter eine Chance geben werde. Auf den ursprünglich auf der Tagesordnung und Vorlage vorgesehenen Beschluss zur Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses von Januar 2019 wurde somit auf den letzten Drücker verzichtet.

Für die Investoren, die ihren Unmut über den aus ihrer Sicht zähen Fortschritt des Verfahrens in den vergangenen Monaten auch etwa durch Briefe an die Stadt zum Ausdruck gebracht hatten, war das eine gute Nachricht, denn bei einer Aufhebung wären die Planungsentwürfe erledigt gewesen. Vor der nichtöffentlichen Debatte hatte Petra Bauernfeind mitgeteilt, dass die derzeitige Übergangslösung mit kostspieligen Containern am Bahnhof für die Arbeitsagentur in Erding nicht gut sei: "Wir brauchen da eine schnelle Lösung."

Oberbürgermeister Max Gotz sagte in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses, dass die Arbeitsagentur in einem Oberzentrum wie Erding einen gut erreichbaren Standort in der Stadt brauche - es sei nicht damit zu rechnen, dass die Behörde in eine andere Kommune im Landkreis umziehe. "Wir würden natürlich die Stadtmitte favorisieren", erklärt Christine Schöps, Pressesprecherin der Arbeitsagentur auf Nachfrage. Sie verweist aber auch darauf, dass es zwischen den Investoren und der Stadt "einige Diskussionen" gebe. Noch sei nichts entschieden. Die Behörde prüfe gerade zwei weitere Angebote. "Wir sind noch im Suchprozess."

© SZ vom 23.09.2020

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