Erding Auf dem Wege nach Yad Vashem

Die neue Partnerschaft des Anne-Frank-Gymnasiums nimmt langsam konkrete Formen an

Von Carolin Rückl

Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust nimmt an der Schule einen breiten Raum ein - so wie bei der Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin im Jahr 2011

(Foto: Bauersachs)

"Anne Frank ist ein Name für Völkerverständigung und gegen das Vergessen", heißt es auf der Website des Anne-Frank-Gymnasiums in Erding. In diesem Sinne wird im Sommer 2014 das erste Projekt in Kooperation mit der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem stattfinden: ein Seminar in der Gedenkstätte, an dem Lehrer und Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums teilnehmen werden. Im Laufe von einer Woche sollen sie einen Überblick über die Arbeit der Holocaust-Gedenkstätte und die historische Situation von Juden in Deutschland bekommen. Als ein Schwerpunkt wird dabei thematisiert, wie Jugendliche heute mit der deutsch-jüdischen Vergangenheit umgehen, das erklärt Birgit Schiwietz, Organisatorin des gemeinsamen Projekts am Anne-Frank-Gymnasium.

Im März diesen Jahres unterschrieb Helma Wenzl, Schulleiterin des Anne-Frank-Gymnasiums, einen Partnerschaftsvertrag mit der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Das Erdinger Gymnasium ist so neben einem Ingolstädter und einem Nürnberger Gymnasium eine der ersten drei Schulen in Deutschland, die eine derartige Partnerschaft pflegen.

Wenzl möchte nun zusätzlich zu den bereits bestehenden Partnerschaften mit Schulen in Polen, Frankreich und Italien ein neues Austauschprogramm mit einer israelischen Schule einrichten: "Unser mittelfristiges Ziel ist es, eine Partnerschule in Israel zu finden", sagt sie. Damit deutsche und israelische Schüler persönlichen Kontakt zueinander aufbauen können, sei es wichtig, die Partnerschaft mit der Institution Yad Vashem mit einer Schulpartnerschaft zu verknüpfen, sagt auch Schiwietz. "Momentan arbeiten wir mit der israelischen Organisation Dialog zusammen, die uns Partnerschulen in Israel vermitteln kann." Um tatsächlich eine Partnerschaft aufzubauen, sei es aber erst einmal notwendig, dass das Kultusministerium die für einen Schüleraustausch nötigen Zuschüsse bewilligt: "Ein Austausch mit Israel ist allein schon wegen der Flüge natürlich teurer als zum Beispiel einer mit Frankreich. Deshalb müssen wir erst abwarten, ob die Zuschüsse bewilligt werden, damit die Finanzierung gesichert ist." Schiwietz' vage Hoffnung ist es aber, dass eine Partnerschaft schon im nächsten Schuljahr entstehen könnte. Ein großes Interesse an einem Austausch mit Israel am Anne-Frank-Gymnasium ist jedenfalls gegeben: Die Anmeldezahlen für das Seminar in Yad Vashem im kommenden Sommer übersteigen Schiwietz zufolge die Zahl der verfügbaren Plätze bei weitem.

Im Juli 2012 nahm Schiwietz bereits an einem Fortbildungsseminar an der Internationalen Schule für Holocauststudien (ISHS) teil, wo zum ersten Mal eine künftigen Kooperation mit dem Erdinger Anne-Frank-Gymnasium besprochen wurden. Veranstaltet wurde dieses von Noa Mkayton, die bis 1999 selbst am Anne-Frank-Gymnasium unterrichtete, bevor sie an der ISHS in Yad Vashem tätig wurde.

Dort ist sie Leiterin der deutschsprachigen Abteilung und arbeitet seit einiger Zeit daran, deutsche und israelische Schüler zusammenzubringen - so auch Schüler ihres ehemaligen Gymnasiums. Am Anne-Frank-Gymnasium ist seit der Namensgebung im August 2005 die Beschäftigung mit der Shoah ein ganz wesentlicher Teil des Schulprofils: Jedes Jahr bringen die sogenannten Anne-Frank-Botschafter - ältere Schüler - den Neuankömmlingen in den fünften Klassen die Lebensgeschichte ihrer Namenspatronin näher. Neben diesem Wissenstransfer von Schülern zu Schülern finden Projekte und Veranstaltungen zum Thema Nationalsozialismus statt, so das regelmäßige Gespräch mit den Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer und Ernst Grube.