Süddeutsche Zeitung

Afrikanische Schweinepest:Die Panik ist vorbei

Aus Furcht vor der gefährlichen Tierseuche hat der Bauernverband im vergangenen Jahr den Massenabschuss von Wildschweinen gefordert. Spezielle Maßnahmen sind derzeit jedoch nicht notwendig

Der Landkreis Erding hat die höchste Dichte an Hausschweinen in ganz Oberbayern. Die Mäster und Züchter waren deshalb im vergangenen Jahr in großer Sorge, als die Afrikanische Schweinepest (ASP) immer näher an Deutschland rückte. Der Erdinger Bauernverband fordert damals einen Massenabschuss, der Kreisjagdverband hält das nach wie vor für zwecklos. Dennoch wurde der Einsatz von Fallen, den Saufängen, und Nachtzielgeräten in Ausnahmesituationen erlaubt - auf Antrag beim Landratsamt. Nach eineinhalb Jahren ist die Bilanz ernüchternd: Von 26 gestellten Anträgen auf Saufängen wurden 24 wieder zurückgenommen, zwei Anträge wurden genehmigt, aber keiner ist in Betrieb. Auch von den 26 Anträgen auf den Einsatz von Nachtsichtvorsätzen wurden 24 zurückgezogen. Die restlichen zwei haben bisher nicht alle Voraussetzungen erfüllt.

Als Begründung sagte Landrat Martin Bayerstorfer jüngst beim Pressegespräch der Kreis-CSU, "dass die Zahlen einen Einsatz nicht hergeben". 2017 habe man noch 261 geschossene Wildschweine im Landkreis gehabt, im vergangenen Jahr seien es rund 27 Prozent weniger gewesen, exakt 189 getötete Schwarzkittel. Den Rückgang führt man vor allem auf die heißen Jahreszeiten 2018 zurück. Bei den hohen Temperaturen hätten sich die Tiere in die Wälder zurückgezogen.

Bayerstorfer sagte, dass man den Jägern angesichts der Gefährlichkeit der Viruserkrankung sehr entgegengekommen sei. Zum Beispiel werden ihnen die freiwillige Entsorgung von Wildschweinen auf Kosten des Landkreises bei der Firma Bernd in Oberding angeboten. Es gebe auch spezielle Entsorgungssäcke, die beim Veterinäramt und bei der Müllumladestation in Isen abgeholt werden können. Zudem habe man ein flächendeckendes Entsorgungsnetz im Seuchenfall errichtet, an denen die Tiere verwahrt werden können. Außerdem werden die Zusammenstellung von "Bergeteams" vorbereitet. Und es sei auch eine landkreiseigene Prämie von 20 Euro für jedes geschossene Schwarzwild vom Kreisausschuss beschlossen. Der Bayerische Jagdverband zahle eine Aufwandsentschädigung von ebenfalls 20 Euro.

Zum Einsatz soll künftig auch bei der Jagd eine Drohne mit Wärmebildkamera kommen, die der Landkreis für knapp 37 000 Euro gekauft hat. Aktuell erfolgt die praktische Einweisung, sagte Bayerstorfer. Die Schulung kostet weitere rund 6000 Euro. Geplant ist außerdem, für eine Erntejagd beim Einholen von Mais oder Raps kurzfristig einen externen Dienstleister zu beauftragen, um Erfahrungen im Einsatz bei der Wildschweinjagd zu sammeln. Ein entsprechendes Angebot sei per E-Mail raus gegangen, auch bei der jüngsten Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Schwarzwild an den Kreisjagdverband. "Bisher", sagte Bayerstorfer, "hat sich aber niemand beim Landratsamt gemeldet."

Neben dem Abschuss von Wildschweinen setzt das Landratsamt auf Prävention, da man fürchtet, dass der Virus, der für Menschen ungefährlich ist, eher durch Tiertransporte und Nahrungsmittel eingeschleppt wird. Schon eine weggeworfene Wurstsemmel mit Cervelatwurst, geräucherter Schinken, Salami oder Mettwurst aus Osteuropa etwa an einer Raststätte könnte zum Problem werden. Deshalb seien auf den Rastplätzen an den Autobahnen bereits entsprechende Warnschilder aufgestellt worden. Ein darüber hinaus gehender Bedarf von solchen Warnungen an Bundes- und Staatsstraßen im Landkreis Erding könnte laut Landrat Bayerstorfer, "auf dem Dienstweg gemeldet werden".

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SZ vom 28.08.2019
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