Blickt man auf die beiden stärksten Fraktionen im neu gewählten Erdinger Kreistag, scheint, als wäre in dem 60-köpfigen Gremium alles wie gehabt: 24 Sitze für die CSU, elf Sitze für die Freien Wähler – exakt das Ergebnis von 2020. Eine Überraschung folgt jedoch: Neue drittstärkste Kraft ist mit jetzt acht Sitzen die AfD, die ihr Wahlergebnis von 2020 um drei Mandate steigern konnte. Die Grünen dagegen haben vier Sitze verloren.
Selbstbewusst war die AfD im Landkreis angetreten. Die Kreistagsliste hatte sie mit 60 Leuten schon recht früh beisammen, um ihre bisher vier Sitze im Kreistag zu verteidigen. Bei der Kommunalwahl vor sechs Jahren hatte die AfD sogar fünf Sitze errungen; nachdem aber Rainer Forster der Partei den Rücken gekehrt hatte, waren es noch vier.
Auch für mehrere Kommunen im Landkreis hatte die AfD dieses Mal Listen aufgestellt. Außerdem schickte die Partei drei Bewerber um ein Bürgermeisteramt ins Rennen. Die AfD habe ihr Ergebnis deutlich gesteigert, freut sich der Kreisvorsitzende und wiedergewählte Kreisrat Wolfgang Kellermann, fügt aber hinzu: „Alles in allem hätte es ein bisschen mehr sein dürfen.“
So ganz ist die Rechnung nämlich nicht aufgegangen. In Erding belegte Alexander Beil bei der Oberbürgermeisterwahl den letzten Platz mit 8,5 Prozent. Gabriele Laue wiederum war für die AfD gegen SPD-Bürgermeister Georg Nagler in Moosinning angetreten und erreichte auf Anhieb 18,5 Prozent – sie war aber auch die einzige Gegenkandidatin. Neu in den Kreistag geschafft haben es die in Dorfen unterlegene AfD-Bürgermeisterkandidatin Manuela Schulz sowie Peter Junker, AfD-Gemeinderat in Finsing und stellvertretender AfD-Kreisvorsitzender, gegen den 2023 ein Gericht wegen Volksverhetzung eine Strafe verhängte.

Rundum „dankbar und glücklich“ zeigte sich Landrat Bayerstorfer am Sonntag kurz nach acht Uhr im Landratsamt. Da stand fest: Er hatte die Wiederwahl klar gewonnen. „Die Stimmung ist grundsätzlich positiv für die CSU“, zeigte er sich überzeugt. Und offensichtlich galt das auch für ihn persönlich. Das sah nämlich 2020 noch etwas anders aus. Grüne, SPD und Freie Wähler hatten vor sechs Jahren Hans Schreiner von den Freien Wählern als gemeinsamen Gegenkandidaten aufgestellt, gegen den sich Bayerstorfer erst in der Stichwahl mit 53,2 Prozent durchsetzte. Die Zahl der Sitze für die CSU im Kreistag sank von 28 auf 24. Eine weitere Talfahrt ist am Sonntag ausgeblieben.
Insgesamt erhielt Landrat Martin Bayerstorfer am Sonntag 56,5 Prozent oder 53 131 Stimmen. Seine Parteikollegin, die Landtagsabgeordnete und bayerische Familienministerin Ulrike Scharf, ist allerdings Stimmenkönigin auf der CSU-Kreistagsliste: Sie kam auf 55 894 Stimmen.
Die ÖDP-Kandidatin erreicht einen Achtungserfolg
Gegen Bayerstorfer hatten diesmal die langjährige Kreisrätin Christina Treffler von der ÖDP und der stellvertretende Landrat Rainer Mehringer (Freie Wähler) kandidiert. Mehringer kam mit 25,3 Prozent auf Platz zwei. Für eine echte Überraschung sorgte Treffler: Sie schaffte es auf 18,2 Prozent der Stimmen. Für die ÖDP, die im Landkreis ein Potenzial von etwa fünf Prozent hat und mit drei Sitzen im Kreistag vertreten ist, ist das eine echte Hausnummer.
Eine strahlende Christina Treffler wiederum erklärte noch am Wahlabend, jetzt erst recht im Kreistag auf ein Mobilitätskonzept zu drängen. Neu für die ÖDP einziehen wird die Dorfener Tierärztin Veronika Zwirglmeier. Den Wiedereinzug geschafft hat der Erdinger Schulleiter Stephan Treffler, der Ehemann von Christina Treffler.

Die Grünen mussten ziemlich Federn lassen. Sie hatten zuletzt neun Sitze im Kreistag, jetzt sind es nur noch fünf. Die meisten Stimmen unter den Grünen-Kandidaten bekam Kreissprecherin Lisa Schießer, die erstmals in das Gremium einzieht. Sie erhielt 12 397 Stimmen und landete noch vor der langjährigen Erdinger Stadt- und Kreisrätin Helga Stieglmeier (11 325 Stimmen).
Mit den meisten Stimmen auf der FW‑Liste zieht Rainer Mehringer in den Kreistag ein, gefolgt von Petra Bauernfeind. Die Erdinger Stadt- und Kreisrätin musste an dem Abend allerdings die Enttäuschung verdauen, dass es mit der Wahl zur Oberbürgermeisterin von Erding nicht geklappt hat.
Die gebeutelte FDP hält sich und die Linke legt zu
Die zuletzt allerorten stark gebeutelte FDP wiederum konnte ihr Mandat halten und die Linke konnte die Anzahl ihrer Sitze sogar verdoppeln: Sie ist jetzt mit zwei Mitgliedern vertreten.
Einer der Ersten, die dem frisch gewählten Landrat gratulierten, war Benedikt Klingbeil, der SPD-Kreisvorsitzende von Erding. Auch wenn seine Partei keine Gewinne im Kreistag eingefahren hat, so kann sich der Erdinger Student doch als Sieger betrachten: Er hat es sowohl in den Stadtrat als auch in den Kreistag geschafft. Es gibt aber auch eine große Verliererin bei der SPD: Nicole Schley aus Ottenhofen hat ihr Bürgermeistermandat verloren.

