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Erding:A94-Gegner setzen auf Protest

Etwa 400 Gegner einer Isentalautobahn haben sich bei einer Veranstaltung auf die Verhandlung zur Isentalautobahn am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingestimmt.

Etwa 400 Gegner einer Isentalautobahn haben sich am Dienstagabend bei einer sogenannten Großveranstaltung der Aktionsgemeinschaft gegen die A 94 und des Bund Naturschutz auf die am heutigen Donnerstag beginnenden Verhandlung zur Isentalautobahn am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) eingestimmt. Der Titel des Abends "Vernunft statt Großprojekte" zeigte die Richtung vor, die die Autobahngegner angesichts der auch von ihnen längst einkalkulierten Niederlage am VGH einschlagen wollen. Analog zum Widerstand gegen anderen umstrittenen Projekten wie Stuttgart 21, die dritte Startbahn am Münchner Flughafen und die geplanten Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke, soll der Protest gegen die Isentalautobahn in eine breitere Öffentlichkeit getragen werden.

Idyllischer Winkel: das Isental.

(Foto: Peter Bauersachs)

So kam ein siebenminütiger, vom Dorfener Naturfilmer Jan Haft professionell produzierten Film über den seit 34 Jahren andauernden Widerstand zu seiner Welturaufführung. In den kommenden Wochen und Monaten soll der Film vor allem über das Internet verbreitet werden und auf die geplante Zerstörung des Isentals durch einen Autobahnbau aufmerksam machen. Der Film zeigt die wunderschöne Landschaft, ihre noch beachtliche Tierwelt, kontrastiert mit Aufnahmen von Baggerarbeiten, und lässt prominente und lokale Gesichter des Widerstands zu Wort kommen. Der Film endet mit einem Standbild des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU), das mit Zitaten aus einer Regierungserklärung unterlegt ist. Unter anderem hieß es da: "Bayern soll auch in Zukunft Vorreiter bei der Bewahrung der Schöpfung sein."

Eine Vertreterin des Widerstands gegen Stuttgart 21 richtete den Autobahngegnern "herzliche Grüße" aus der baden württembergischen Hauptstadt aus und berichtete von der ungeahnt kraftvollen Entwicklung der Protestbewegung in Stuttgart. Heiner Müller-Ermann, Sprecher der Aktionsgemeinschaft gegen die A 94, befand mit Hinblick auf diese und weitere aktuelle Protestbewegungen in Deutschland, "irgendetwas ist in der Luft. Immer mehr Leute im ganzen Land wird klar, wir lassen nicht mehr alles mit uns machen."

Zur Verhandlung vor dem VGH räumte Jakob Baumgartner vom Dorfener Bund Naturschutz ein, "dass unsere Chancen nicht übermäßig groß sein werden". Über die Klagen gegen den Abschnitt zwischen Pastetten und Dorfen entscheidet wie bereits bei der Verhandlung 2007 wieder der 8. Senat des VGH mit demselben Vorsitzenden Richter Erwin Allesch. Allein die gleiche Besetzung des Gerichts, das den Bau des ersten Teilstück bis Pastetten genehmigt hat, lässt den Gegner der Isentalautobahn kaum Hoffnung. Müller-Ermann sagte, trotz geringer Erfolgsaussichten vor Gericht, "lassen wir uns aber nicht entmutigen, aushungern und erschüttern".

Baumgartner warb dafür, am kommenden Donnerstag, 20. Oktober, wenn sieben von der Aktionsgemeinschaft unterstützten Landwirte aus Dorfen mit ihren persönlichen Klagen an der Reihe sein werden, um zahlreiches Erscheinen im Gerichtssaal. "Die Richter sollen schon merken, dass der Widerstand ungebrochen ist." (Seite R 17)