Energiesparmaßnahmen:Die Beratung wird zu teuer

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Energiesparmaßnahmen: Energieagenturen beraten Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen zu erneuerbaren Energien und Energieeinsparungen in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität.

Energieagenturen beraten Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen zu erneuerbaren Energien und Energieeinsparungen in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität.

(Foto: Johannes Simon/Johannes Simon)

Die Grünen scheitern mit ihrem Antrag, der Landkreis Erding möge nach dem Vorbild der Kreise München Land und Ebersberg eine eigene Energieberatung für Städte und Gemeinden, Bürger und Unternehmen gründen. Angesichts der angespannten Haushaltslage fürchtet man die Kosten.

Von Thomas Daller, Erding

Die Grünen sind im Kreisausschuss mit ihrem Antrag gescheitert, der Landkreis Erding möge nach dem Vorbild der Kreise München Land und Ebersberg eine eigene Energieberatung für Städte und Gemeinden, Bürger und Unternehmen gründen. Er wurde mit drei gegen zehn Stimmen abgelehnt. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) und die Verwaltung argumentierten, dies würde zu Doppelstrukturen führen, weil die bestehende Energievision Erding (EVE) ebenfalls solche Dienste anbiete. Mehrere Kreisräte schreckten die Kosten ab: Ebersberg und München Land zahlen nach eigenen Angaben dafür ein jährliches Defizit von jeweils einer halben Million Euro, Tendenz steigend.

Ebersberg und München Land, aber auch die Landkreise Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech und Starnberg haben solche Agenturen bereits gegründet. Sie sollen zentrale Anlaufstellen für Bürger sein, um die Energiewende voranzubringen. Energieagenturen beraten Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen zu erneuerbaren Energien und Energieeinsparungen in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität. Dafür gibt es auch Fördergelder des Bayerischen Wirtschaftsministeriums. Die Kreistagsfraktion der Grünen hatte bereits im Juli 2021 einen entsprechenden Antrag gestellt, ihn aber wieder zurückgezogen. Stattdessen forderten sie damals, den Geschäftsführer der Energieagentur Ebersberg-München zu einem Vortrag in den Ausschuss einzuladen. Die Verwaltung nahm dann Kontakt mit ihm auf, aber der Vortrag kam nicht zustande. Deswegen stellten die Grünen nun ihren Antrag erneut.

Laufende Kosten in Höhe von einer halben Million Euro pro Jahr

Namens der Verwaltung sagte Abteilungsleiter Matthias Huber, man habe mit Ebersberg Kontakt aufgenommen und erfahren, dass man mit mindestens einer halben Million Euro jährlich an laufenden Kosten rechnen müsse. Der Landkreis Erding habe bereits ein hohes Maß an Energieeinsparmaßnahmen umgesetzt und zudem in Michael Perzl einen eigenen Klimaschutzmanager. Geplant sei auch, den Bereich Klimaschutz um eine weitere Stelle aufzustocken.

Das war den Grünen, verglichen mit der Energieagentur Ebersberg-München, zu wenig. Dort sind 24 Energieberater tätig, davon 16 in Vollzeitstellen. Auch den Hinweis auf die EVE ließen sie nicht gelten, denn die Agentur sei beratend tätig, die EVE hingegen projektierend. "Das ist viel weiterführender als die EVE, wenn wir die Ziele unseres Klimaschutzatlas umsetzen wollen, dann müssen wir heute handeln", sagte Maria Feckl (Grüne). Ihr Fraktionskollege Dominik Rutz betonte, die Kosten müsse man differenziert betrachten: Es werde ein "Draufzahlgeschäft" sein, aber nicht für den Landkreis insgesamt, weil die Bürger davon profitieren würden.

Landrat Bayerstorfer entgegnete, dass auch in Ebersberg diese Beratung für Unternehmen nicht kostenlos sei. Außerdem trete der Landkreis dann in Konkurrenz zu Energieberatungsunternehmen, die es freiberuflich gebe. Und Matthias Huber ergänzte, man sehe keinen Mehrwert darin, außer dass der Landkreis dann mehr bezahlen müsse. Klimaschutzmanager Perzl fügte hinzu, dass in Ebersberg lediglich eine "Impulsberatung" angeboten werde. Für eine weiterführende Beratung mit einer Förderantragstellung müssten die Ebersberger Bürger weiterhin eine private Energieberatung in Anspruch nehmen.

"Grenzwertige" Haushaltslage in Erding

Rosmarie Neumeier-Korn (FDP) wies auf die "defizitäre Haushaltslage" hin, die bereits "grenzwertig" sei. Mit der Energieagentur käme eine weitere halbe Million Euro pro Jahr hinzu. "Die Gemeinden sind bereits durch die Kreisumlage stark belastet", sagte sie. Und die Bevölkerung sei ohnehin schon sensibilisiert, ihre Häuser und Wohnungen nachzurüsten, um Energie zu sparen. Gerlinde Sigl (CSU) monierte, "man kann nicht immer verlangen, dass der Landkreis für alles zuständig ist". Es sei "sinnlos", wenn man zuerst zur Energieagentur gehe und dann doch noch einen eigenen Energieberater benötige. "Ein bisschen Eigenverantwortung sollte auch da sein." Zudem gebe es bereits sehr viele Informationen, die man kostenlos abrufen könne.

Rutz nannte die Summe von einer halben Million Euro jährlich einen "Schmarrn", weil eine Agentur in der Gründungsphase nicht so hohe Mittel benötige. Die Grünen konnten sich aber nicht durchsetzen und unterlagen in der Abstimmung drei zu zehn.

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