Süddeutsche Zeitung

Landkreis Erding:Vorbereitung auf den Ernstfall

Lesezeit: 3 min

Bei der Stromerzeugung ist der Landkreis Erding auch dank Wasserkraftanlagen sehr gut aufgestellt. Sorgen bereitet jedoch die Wärmeerzeugung mittels Gas.

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Auch wenn der Anteil des Erdgases an der Wärmeversorgung im Landkreis Erding nur bei 29 Prozent liegt - deutschlandweit sind es rund 44 Prozent - wäre ein Gasmangel auch für den Landkreis ein Problem. Das stellte der Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz am Montag auf der traditionellen CSU-Jahrespressekonferenz fest. Rund 90 Prozent des im Landkreis Erding verbrauchten Gases stamme nämlich aus Russland. Vor allem größere Verbraucher im Landkreis, zum Beispiel Brauereien oder das Ziegelwerke in Isen, müssten dann darunter leiden. Besser sieht es in Puncto Stromerzeugung aus. Im Landkreis wird laut dem Landrat und CSU-Kreisvorsitzenden Martin Bayerstorfer mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt als insgesamt verbraucht wird.

Eine Erfolgsgeschichte ist nach Meinung von Andreas Lenz die Wasserkraft im Landkreis Erding

"Wir müssen einerseits Energie einsparen, andererseits aber auch neue Potenziale erschließen", sagte Lenz. Noch liege kein Mangel vor und es gebe keinen Priorisierungsplan, wer zuerst auf Gas verzichten muss. Der müsse aber bald kommen, damit sich die Industrie darauf einstellen könne. Eine Erfolgsgeschichte ist nach Meinung des CSU-Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Erding/Ebersberg die Wasserkraft im Landkreis Erding. Er sei froh, dass die Pläne der Ampel-Koalition insofern revidiert wurden, als beim Ausbau der erneuerbaren Energien auch der Betrieb kleiner Wasserkraftwerke mit einer Leistung von bis zu 500 Kilowatt weiter gefördert wird. "Ich begrüße diese Entscheidung, denn in Zeiten der Energieknappheit leistet jede ,sauber' vor Ort produzierte Kilowattstunde einen wichtigen Beitrag", sagte die CSU-Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf. Alleine im Landkreis Erding gebe es 70 Wasserkraftanlagen mit insgesamt 58,3 Megawatt Leistung, sagte Andreas Lenz. Zum Vergleich liefere eine Windkraftanlage um die zwei Megawatt. Und im Gegensatz zur Wasserkraft nur, wenn der Wind weht. Wasserkraft liefere 48 Prozent der gesamten regenerativen Erzeugung im Landkreis.

Isar II soll über Jahresende hinaus Strom produzieren

Was die Atomkraft betrifft, plädiert Lenz dafür, das Kernkraftwerk Isar II bei Landshut vorerst weiter zu betreiben. Ein Gutachten des Tüv Süd bestätige, dass ein befristeter, sicherer Weiterbetrieb über den 31. Dezember hinaus möglich sei. Isar II produziere allein so viel Strom wie alle Gaskraftwerke in Bayern zusammen, sagte Lenz. Durch Streckbetrieb und Neu-Zusammensetzung des Reaktorkerns wäre sogar ein Weiterbetrieb bis August 2023 möglich. Es gehe letztlich darum, möglichst wenig Gas zur Stromerzeugung zu benutzen.

Während es bei der Stromerzeugung durch Biomasse-, Windkraft- und Photovoltaikanlagen laut Lenz gut aussieht mit den Ausbauplänen, ist dies bei der Wärme nicht so einfach. Effiziente Wärme durch Fernwärme wäre eine Möglichkeit. Diese Wärme kommt zum Beispiel in Form von Geowärme aus 2350 Metern Tiefe bei Erding, wie Landrat Bayerstorfer sagte. Fast 15 Prozent des Wärmebedarfs der Stadt Erding wird durch die Nutzung der Geothermie vor Ort gedeckt. Zudem die 132.000 Quadratmeter großen Flächen der Therme Erding. Der Fernwärmeanschlusswert entspricht laut Bayerstorfer einer Brennstoffmenge von sieben Millionen Litern Heizöl, deren Verbrennung und Verbrauch in Erding vermieden wird. Darüber hinaus werden rund 11.000 Tonnen CO2-Emissionen eingespart. Um diese Energie- und Wasserquelle zu nutzen, gründeten Landkreis und Stadt Erding 1989 den Zweckverband für Geowärme Erding. Doch ein Ausbau des Netzes sei nicht ganz einfach, so der Landrat. Für die Nutzung als Fernwärme müsse das Thermalwasser von 65 Grad, mit dem es aus den Boden kommt, auf 85 Grad aufgeheizt werden. Angedacht seien Biogas- oder Hackschnitzelanlagen. Aber weder auf Seiten des Geothermiebetreibers noch auf Seiten der Hackschnitzellieferanten wolle man Garantien für die Lieferung der benötigten Mengen abgeben. Es gebe aber Pläne für eine "sehr große Biogasanlage" im Umfeld des Flughafens, sagte Landrat Bayerstorfer.

In einem Flächenlandkreis werde Fernwärme schnell unwirtschaftlich

In einem Flächenlandkreis wie Erding seien Wärmenetze zudem oft unwirtschaftlich. Es gebe zu wenig Abnehmer auf zu langen Leitungen, sagte der Kreisvorsitzende des Bayerischen Gemeindetags, Johann Wiesmaier. Man sei aber trotzdem dabei, zusammen mit einer Vorbereitungsgesellschaft die Themen Windkraft und Fernwärme anzupacken und umzusetzen. Wer aber sage, Wind und Sonne gebe es zum Nulltarif, rede Quatsch. "Wind und Sonne kosten natürlich nichts, aber die Umsetzung kostet sehr wohl. Das ist eine gesellschaftliche Entscheidung, was uns die Umsetzung regenerativer Wert ist."

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5631945
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/axka
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.