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Erdgas und Fernwärme werden beliebter:Die Nebenkosten steigen kontinuierlich

Heizöl

Wer jetzt leere Heizöltanks hat, der muss tief in die Tasche greifen. Die Preise sind gegenüber dem Vorjahr massiv gestiegen.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Wegen höherer Energiekosten und neuen Auflagen werden Mieter immer stärker zur Kasse gebeten. Glück haben zumindest in diesem Jahr die, deren Vermieter rechtzeitig im Frühjahr den Erdöltank voll gemacht hat

Die Mieten steigen auch im Landkreis Erding von Jahr zu Jahr. In den vergangenen Jahren hatten Mieter aber zumindest bei den Nebenkosten keinen größeren Anstieg bei den Heizkosten zu schlucken, aber spätestens bei der Abrechnung der Nebenkosten nach diesem Winter wird sich das wohl ändern. Denn vor allem die Preise für Heizöl sind massiv gegenüber dem Vorjahr gestiegen - um rund 25 Prozent. Mit entscheidend ist aber wie kalt der Winter werden wird und wie gut der energetische Sanierungszustand des Gebäudes ist. Glück haben Mieter, wenn ihr Vermieter noch im Frühjahr die Tanks vollgemacht hat - da lag der Preis noch fast auf Vorjahresniveau.

"Die Nebenkosten werden zu einem immer gravierenderen Faktor, und daran sind nicht alleine die Heizölkosten schuld", sagt Jörg Kaiser, Kreisvorsitzender des Wohnungs- und Grundeigentümerverbands Erding. Neben den steigenden Energiekosten, zum Beispiel auch beim Strom, würden unter anderem die Kosten für Auflagen wie Brandmelder kommen. Und wie künftig die Grundsteuer berechnet werde, sei noch offen. Im Bestand würde bei seinen Mitgliedern die Miete nur gering ansteigen, an den hohen Mieten seien mehr Investoren schuld, die wegen der Rendite auf den eh schon angespannten Markt in der Region München drängten.

Für das Stadtgebiet Erding erwartet Eva Kolenda, die Vorsitzende des Mietervereins, noch keinen so hohen Anstieg bei den Heizkosten, was damit zusammen hänge, dass dort viele am Fernwärmenetz des Zweckverbands Geowärme Erding angeschlossen seien, aber insgesamt erwartet sie in den nächsten Jahren ebenfalls deutlich steigende Kosten bei der Abrechnung. "Der Klimawandel wird sich deutlich bemerkbar machen", sagt Kolenda. Natürlich sei eine energetische Sanierung der Gebäude sinnvoll, "aber was Mieter dann an Heizkosten einsparen, zahlen sie wieder, da der Vermieter die Kosten dafür auf die Mieten umlegt. Selbst die geplante Senkung auf acht Prozent umlegungsfähiger Kosten ist zu hoch".

Heuer Glück haben die Mieter, deren Wohnungen von der Hausverwaltung Johanna Schmidt betreut werden. "Ich habe im März und April für alle Wohnanlagen Heizöl bestellt. Rund 32 000 Liter. Damit sind alle Tanks voll und damit kommen wir gut über den Winter", sagt Johanna Schmidt. 56 Cent habe sie damals für den Liter bezahlt - als Großabnehmer. Der Liter Heizöl hat Anfang November schon mal 86 Cent gekostet, zur Zeit schwankt er um 71 Cent. Experten erwarten aber, dass der Preis wieder steigen wird aufgrund der Nachfrage. Auch Johanna Schmidt ist sich sicher, dass die Nebenkosten insgesamt steigen werden: "Jetzt werden schon die Strompreise erhöht. Sparen kann man nur, wenn man seinen individuellen Verbrach einschränkt."

Verena Haumann von der gleichnamigen Hausverwaltung hat ebenfalls noch rechtzeitig vor den steigenden Preisen eingekauft, zudem würden nicht mehr viele der rund 500 Wohneinheiten, die betreut werden, mit Heizöl beheizt. Manche mit älteren Heizungen habe man auf Gas umgestellt, eine große Anlage mit 126 Wohnungen auf Fernwärme. Jetzt hofft sie, dass der Winter nicht zu kalt wird, da sie sonst in Häusern mit kleineren Tanks nachkaufen muss und bei einem ist sich Verena Hausmann sicher: "Es wird nicht mehr billiger werden".

Rund 370 Wohnungen im Stadtgebiet hat die Baugenossenschaft Erding. Bei der Nebenkostenabrechnung dürften die Mieter noch mal mit einem blauen Auge davon kommen: "Wir haben überwiegend Gasanlagen, dazu kommt noch Fernwärme und Heizöl. Zum Glück haben wir noch im Frühjahr zu einem günstigen Preis Öl eingekauft, aber in einer Anlage könnte es sein, dass wir, je nach Winter, nachkaufen müssen", sagt Matthias Lindmayer, Vorstand der Baugenossenschaft. Seit Oktober 2008 versorgt ein Blockheizkraftwerk mit Solaranlage 44 Wohnungen mit Wärme und Warmwasser und liefert Strom. Für die Zukunft ist Lindmayer pessimistisch, was die Nebenkostenentwicklung betrifft: "Die Tendenz geht leider zu höheren Preisen".

Vom steigenden Heizölpreis nicht betroffen sind die Mieter der Wohnungen in den Anlagen der Wohnungsbaugesellschaft in Erding. Sie werden nach Auskunft von Pressesprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer mit Fernwärme betrieben. In Isen und Dorfen wird Erdgas benutzt.

© SZ vom 10.12.2018
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