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Energiewende:Teures Vorbild

Photovoltaik-Kraftwerk Niederding mit Kirche Niederding und Flugzeug

Ein Photovoltaik-Kraftwerk in Niederding mit der Kirche Niederding im Hintergrund. In Ebersberg kümmern sich 16 Mitarbeiter der Energieagentur um die Energiewende bei Strom, Wärme und Mobilität. Diese GmbH finden die Grünen vorbildlich und sie hätten gerne ein ähnliches Projekt in Erding.

(Foto: Florian Peljak)

Die Grünen wünschen sich eine Energieagentur wie im Landkreis Ebersberg. Als absehbar wird dass sie im Kreistag keine Mehrheit dafür bekommen, ziehen sie ihren Antrag zurück. Aber der Bau- und Energieausschuss will sich nun wenigstens darüber informieren

Von Thomas Daller, Erding

Der Nachbarlandkreis Ebersberg leistet sich eine Energieagentur für sich und München Land. Diese gemeinnützige GmbH ist Ansprechpartner für Unternehmen, Privatpersonen und Kommunen. Die Erdinger Grünen sind von dem Konzept so angetan, dass ihre Kreistagsfraktion im Ausschuss für Bauen und Energie den Antrag gestellt hat, im Landkreis ebenfalls so eine Agentur zu gründen. Bedenken hegten aber Verwaltung und die CSU, weil der Landkreis bereits einen Energie- und Klimaschutzmanager beschäftigt und auch die Energievision Erding (EVE) ähnlich aufgestellt ist. Sie argumentierten, dass dadurch teure Doppelstrukturen entstehen könnten. Als die Grünen merkten, dass es für eine Mehrheit nicht reichen könnte, zogen sie ihren Antrag zurück. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) ging aber auf ihren Vorschlag ein, dass ein Vertreter der Energieagentur im Ausschuss dieses Konzept vorstellen soll.

Die Energieagentur Ebersberg-München ist mit 16 Mitarbeitern breit aufgestellt. Energieagenturen, die es nicht nur im Landkreis Ebersberg gibt, sind zentrale Anlaufstellen für Bürger, um die Energiewende voranzubringen. Sie beraten Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen zu erneuerbaren Energien und Energieeinsparung in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität. Sie leisten Bildungsarbeit und initiieren und begleiten Projekte wie zum Beispiel Stromeinsparkampagnen. Sie stehen aber nicht in Konkurrenz zu privaten Energieberatern. Ihre Aufgabe ist es, zu vermitteln, zu begleiten und Netzwerke aufzubauen. Allerdings überschneidet sich der Leistungskatalog mit den Aufgagen der EVE und des Energie- und Klimaschutzmanagers Michael Perzl. Auf zweineinhalb Seiten listete die Verwaltung akribisch auf, dass die von den Grünen gewünschten Handlungsfelder bereits weitreichend abgedeckt seien, wenn auch bei weitem nicht mit der personellen Ausstattung, über die die Ebersberger Energieagentur verfügt. Laut dieser Liste sei eigentlich nur die Unternehmensberatung im Landkreis Erding nicht abgedeckt. Das hielt Landrat Bayerstorfer aber nicht für ein großes Manko: "Selbstverständlich werden auch sie von Perzl bei Fragen unterstützt, aber nicht bei einzelbetrieblichen Bauanträgen. Das können wir nicht leisten und das ist auch nicht das Ziel. Da muss jeder selbst schauen, wie er zurecht kommt." Bayerstorfer hatte den Energiebeauftragten Perzl auch in den Ausschuss eingeladen, der einen ausführlichen Überblick über die zahlreichen Projekte gab, die man im Landkreis bereits angeschoben habe. "Was wir machen, geht weit über das übliche Maß hinaus, was andere Landkreise machen", fasste Bayerstorfer anschließend zusammen.

"Wir stehen super am Start, aber wir stehen am Anfang", entgegnete Kreisrätin Maria Feckl (Grüne). Perzls Job sei zudem eine Teilzeitstelle: "Ich stelle mir das schwierig vor, alles mit 50 Prozent abzudecken." Feckl versuchte, Bayerstorfer bei der Ehre zu packen: "So kenne ich Sie ja gar nicht, dass Sie sagen, Sie seien gar nicht zuständig und auf Bund und Land verweisen." Bayerstorfer sei doch sonst eher von zupackender Art und das wäre auch bei der Energiewende erforderlich, weil sie jeden betreffe. Doch der Landrat ließ sich nicht aus der Reserve locken: Er sehe den Sinn nicht, wenn man bereits vergebene Aufgaben in eine Energieagentur verlagere, die noch dazu sehr kostenintensiv sei: "Eine halbe Million Euro ist schon nicht wenig Geld. Und der Landkreis zahlt's beziehungsweise die Gemeinden über die Kreisumlage."

Ferdinand Geisberger (CSU) betonte, Bayerstorfer habe sich immer sehr für den Klimaschutz interessiert und mit dem Energiemanager und mit EVE auch Zeichen gesetzt. Man sollte mit der Gründung einer Agentur nichts überstürzen, sondern einen Vertreter der Ebersberger einladen und sich beraten lassen.

Feckl bot daraufhin an, den Antrag zurückzuziehen, wollte dabei aber zur Bedingung machen, dass sich ein Vertreter der Ebersberger im Gremium vorstellen könne. Bayerstorfer sagte, es sei formalrechtlich nicht möglich, den Rückzug eines Antrags an Bedingungen zu knüpfen. Aber um die Sache nicht unnötig zu komplizieren, sagte er, dass er ohnehin dazu bereit sei, dass sich der Ausschuss das einmal anhören sollte. Der Landkreis Erding werde Kontakt mit der Energieagentur Ebersberg aufnehmen und einen Vertreter einladen.

© SZ vom 17.07.2021
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