Energieversorger Ungleiche Preisentwicklung

Je mehr Biogasanlagen entstehen, desto mehr Geld müssen Stromversorger in die Netze investieren, um sie zu stabilisieren. Dadurch steigen die Netzentgelte, besonders in ländlichen Regionen wie in Dorfen.

(Foto: Johannes Simon)

Die Stadtwerke Dorfen erhöhen den Strompreis um fast 14 Prozent. Als Grund werden die deutlich höheren Netzentgelte angegeben, die beim Ausbau des Stromnetzes auf dem Land überproportional zu Buche schlagen

Von Florian Tempel, Dorfen

Den Stadtwerken Dorfen ist die massive Preisanhebung beim Strom anscheinend etwas peinlich. In der Pressemitteilung, die am Montag raus ging, wird die Sache mehr umschrieben, als klar benannt: Im Grundtarif müsse ein Hauhalt, der im Jahr 2500 Kilowattstunden verbraucht, vom 1. April an 9,49 Euro mehr pro Monat zahlen. Das soll anschaulich sein, sagt Geschäftsführer Klaus Steiner. Viele Leute, zu denen auch er selbst gehöre, könnten mit Prozentzahlen nur wenig anfangen. Das seiner Ansicht nach griffigere Beispiel verbirgt allerdings eine Zahl, die nicht gut aussieht: Um 13,9 Prozent steigt der Strompreis bei den Stadtwerken Dorfen in der Durchschnittsrechnung - das ist ein ganz gewaltiger Preissprung.

Die Stadtwerke Erding haben zum 1. Januar ihren Strompreis in ihrem Standardtarif um etwa 6,5 Prozent erhöht, bei der SEW Stromversorgung Erding stieg der Strompreis um nur etwa zwei Prozent. Krasser als in Dorfen war die Preisanhebung aber für die Kunden der Kraftwerke Haag, die zum Beispiel auch in Isen der führende Energieversorger sind. Hier kletterte der Strompreis im Standardtarif um mehr als 15 Prozent. Gleichwohl zeigen überregionale Vergleiche, dass Strom bei den Stadtwerken Dorfen keineswegs exorbitant teuer ist.

Die Kunden der Stadtwerke Dorfen können durch einen Wechsel in den neuen Tarif "Dorfen online" zumindest einen Teil der Preiserhöhung abfedern. Im Vergleich zum Grundtarif spare man sich im Jahr gut 70 Euro, heißt es in der Pressemitteilung. Der Strompreis im neuen Tarif bleibt zudem bis Ende 2020 fest. Steiner versucht mit dem neuen Tarifmodell "Kundenbindung durch Preisgarantie".

Der Grund für die drastische Preisanhebung in Dorfen sind die sogenannten Netzentgelte, mit denen der Betrieb des Stromnetzes bezahlt wird. Zwar sind auch die Einkaufspreise an der Strombörse gestiegen. Die Stadtwerke Dorfen schreiben aber, dass sie "durch eine geschickte Einkaufspolitik (. . .) den reinen Energiepreisbestandteil für ihre Kunden stabil" hielten.

Bei den Netzentgelten kann man jedoch wenig machen, sie werden von Bundesnetzagentur festgesetzt. Statt zuletzt sechs Cent pro Kilowattstunden sind es nun knapp zwölf Cent, fast doppelt so viel wie vorher. Geschäftsführer Steiner sagt, Dorfen werde in einem ungerechten Maß durch "strukturelle Ungleichheit" belastet. Die Kosten für das Stromnetz seien in Dorfen und Umgebung, wo es viele kleine Erzeuger von erneuerbarer Energie gibt, viel höher als im urbanen Raum. Der Anschluss von Photovoltaik- und Biogasanlagen haben hohe Investitionen notwendig gemacht. Da Dorfen nun tagsüber stetig einen Überschuss an grünem Strom produzieren, können man sagen, "wir erzeugen den Strom für die Teslas in München". Die dafür teureren Netzkosten müssten aber die Kunden in Dorfen tragen, während in München die Netzentgelte weniger als halb so hoch seien.

Steiner setzt sich dafür ein, dass das ungerechte System der Netzentgelte solidarischer gestaltet wird. Als Vorstandsmitglied im Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft will er das Thema demnächst bei einem Termin bei Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) vehement ansprechen. Das sollte eigentlich ankommen. Gleiche Lebensbedingungen in Stadt und Land sind schließlich ein Grundsatz bayerischer Politik.