Energiepolitik Netzwerkbooster für Ottenhofen

Ottemhofen ist als Standort auch deshalb ausgewählt worden, weil dort eine 380-KV-Stromtrasse verläuft. Diese soll zudem aufgerüstet werden.

(Foto: Renate Schmidt)

In der Gemeinde könnte 2022 die Testphase für eine 100-Megawatt-Batterieanlage beginnen. Damit sollen künftig Schwankungen und Ausfälle im Stromnetz aufgefangen werden. Die Pläne müssen vom Bund noch gebilligt werden

Von Gerhard Wilhelm, Ottenhofen

Wenn es nach den Plänen der Stromnetzbetreiber geht, wird bei Ottenhofen ein Pilotprojekt zur Speicherung von Energie mittels Batterien errichtet. Bereits 2022 könnte Inbetriebnahme sein. Dieser sogenannte Netzbooster soll eine Kapazität von 100 Megawatt haben, ebenso sein nördliches Gegenstück in Audorf in Schleswig-Holstein. Mit dieser riesigen Batterieanlage sollen künftig Schwankungen und Ausfälle im Stromnetz aufgefangen werden. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist noch offen. Die Netzbooster sind Teil des Netzentwicklungsplanes (NEP) 2030, der erst noch von der Bundesnetzagentur und dem Bundestag genehmigt werden muss. Ziel ist, im Rahmen der Energiewende, die Versorgungssicherheit in Deutschland langfristig zu sichern.

Mit dem Stopp der Kohleförderung und der Atomenergie sowie dem gleichzeitigen Ausbau einer nachhaltigen Versorgung mittels erneuerbarer Energien, kommt auf die Stromversorger einiges zu. Auch auf die vier "Übertragungsnetzbetreiber" (ÜNB), denn im Gegensatz zu konventionellen Kraftwerken sind Sonne oder Wind nicht rund um die Uhr vorhanden, oder die Anlagen, wie Windparks, stehen im Norden, der Strom muss aber auch in den Süden. Das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) verpflichtet die Betreiber ein "sicheres, zuverlässiges und leistungsfähiges Energieversorgungsnetz" zu betreiben und den überregionalen Stromaustausch störungsfrei zu gewährleisten. Mindestens alle vier Jahre muss dafür ein "Bedarfsplan" von den Netzwerkbetreibern vorgelegt werden.

Doch der Netzausbau stößt nicht überall auf Zustimmung - vor allem bei Anlieger an den geplanten neuen Stromtrassen. Deshalb hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altnaier (CDU) im September 2018 vorgegeben, dass bestehende Leitungen höher ausgelastet werden sollen, mittels besserer Digitalisierung und dem Einsatz neuer Technologien. Netzbooster sind nichts anderes als Kraftwerke, die Strom nicht selber erzeugen, sondern den in Batterien gespeicherten bei Bedarf abgeben. Die Idee Strom im großen Maßstab zu speichern, wenn er im Überfluss vorhanden ist und bei Strommangel wieder ins Netz einzuspeisen, ist nicht neu. Bisher waren vor allem Wasserspeicher im Blick. Doch mit der Weiterentwicklung der Batterien kommen nun auch Kraftwerke mit Akkus ins Spiel. Die größte Anlage derzeit steht in Adelaide in Australien und beruht auf einem Lithium-Ionen-Akkusystem. Sie wurde von Tesla gebaut und hat, wie die bei Ottenhofen geplante Anlage, eine Kapazität von 100 Megawatt. Ottenhofen wurde nach der Auswertung mehrer Szenarien deshalb ausgewählt, weil zum einen dort eine wichtige 380-Kilovolt-Stromtrasse verläuft und der Ort strategisch günstig für eine Stromverteilung liegt, wie Ulrike Hörchens, Pressesprecherin von Netzentwicklungsplan sagt. Nähere Pläne über den Typ der Anlage und wo sie genau stehen soll, gebe es nicht. In einer konkretere Planung würde man erst nach Billigung des NEP 2030 einteigen.

Der Vorteil von großen Batterieanlagen ist für die Techniker vielfältig. Eine solche Anlage kann Strom in Millisekunden liefern und damit großflächige Blackouts verhindern. Zudem können sie Überkapazitäten auffangen. Erprobt wurde dieses System in einem so verzahnten Stromnetz wie in Deutschland noch nicht, deshalb ist zunächst eine Pilotphase geplant. Neben Ottenhofen und Audorf sind 300-MW-Netzbooster an den Standorten Wehrendorf (Niedersachsen) und Hoheneck (Baden-Württemberg), sowie eine 500-MW-Anlage bei Kupferzell (Baden-Württemberg).

Betreiber würde die TenneT TSO GmbH werden, deren Netzgebiet sich von Schleswig-Holstein, durch Niedersachsen und Hessen bis nach Bayern zieht. Die Überwachung der Stromnetze geschieht in den Schaltleitungen, die in Lehrte und in Karlsfeld im Landkreis Dachau angesiedelt sind. Von Oberbachern bei Dachau zieht sich auch eine rund 50 Kilometer lange Hochspannungstrasse nach Ottenhofen. Der Netzentwicklungsplan 2030 sieht vor, diese Trasse aufzurüsten, um künftig im Wesentlichen Strom aus Windenergieparks aus dem mitteldeutschen Raum sowie in der Ostsee über diese Leitung führen zu können. Der Neubau soll in der bestehenden Trasse erfolgen. Inbetriebnahme soll 2026 sein.

Mit der Pilotanlage in Ottenhofen könnte es ein wenig schneller gehen, wenn es mit der Genehmigung so zügig verläuft, wie es sich die Netzwerkbetreiber wünschen. Laut Pressesprecherin Ulrike Hörchens könnte die Testphase 2022 beginnen.